L125 Neunkirchen Richtung Saarbrücken-Johannisbrücke Kreuzung Neunkirchen-Sinnerthal Vollsperrung, Bauarbeiten bis 01.05.2018, eine Umleitung ist eingerichtet Die Sperrung erfolgt aufgrund von Sanierungsarbeiten am Brückenbauwerk und der Fahrbahn im Bereich "Plättches Dohle" (18.04.2017, 10:58)

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Trüffel-Diplom: Historiker der Saar-Uni erforscht Gourmet-Pilz

Der Niederländer Rengenier Rittersma schreibt an der Universität des Saarlandes seine Habilitation über die Geschichte des Trüffels. Er untersucht auch das Ende der Trüffel-Tradition in Deutschland

Der Niederländer Rengenier Rittersma schreibt an der Universität des Saarlandes seine Habilitation über die Geschichte des Trüffels. Er untersucht auch das Ende der Trüffel-Tradition in Deutschland

Saarbrücken. Sie sind knollig und höckerig, wachsen unterirdisch und gehören zu den exklusivsten Delikatessen weltweit – die Trüffel. Kaiser, Könige und Päpste waren auf die edlen Pilze versessen, und über Jahrhunderte hielt sich der Glaube, ihr Verzehr habe aphrodisierende Wirkung. Der Niederländer Rengenier Rittersma ist der einzige Historiker weltweit, der sich wissenschaftlich mit der Geschichte des Trüffels beschäftigt. An der Universität des Saarlandes schreibt er seine Habilitationsschrift „Die Kulturgeschichte der Trüffel seit dem Spätmittelalter“.

Zu seinen Forschungsthemen gehört auch die vergessene Trüffelnation Deutschland. Wie heute noch in Frankreich oder Italien wurden früher auch in deutschen Regionen die teuren Knollen gesammelt. Warum es in den 1930er Jahren zu einem abrupten Abbruch der einst verbreiteten Trüffeltradition kam, ist bisher nicht zweifelsfrei geklärt.

Rittersma fand Dokumente aus dem Reichsgesundheitsamt, die darauf hindeuten, dass die Nationalsozialisten dem Trüffelverzehr sehr ablehnend gegenüberstanden. Die Delikatesse war vermutlich nicht mit ihrer genussfeindlichen Ideologie vereinbar. „Für ein direktes Verbot gibt es jedoch bislang keine Belege“, sagt er. Vielleicht schreckten aber auch einfach einige tödliche Vergiftungsfälle durch falsche Trüffel ab.

Tausende Euro für ein Kilo

Als einziges europäisches Land hat Deutschland die Trüffel nach dem Krieg unter Naturschutz gestellt. Das Sammeln der Edelpilze ist verboten. Aus Naturschutzgründen sei ein solches Verbot auf keinen Fall sinnvoll, wendet dagegen der Trüffelexperte ein. Das Sammeln wilder Trüffel sorge im Gegenteil sogar für deren bessere Verbreitung. Im Ahrtal nahe Sinzig legten Pilzexperten 2006 erstmals in Deutschland eine Trüffelplantage an, eine sogenannte „Truffière“ – selbstverständlich mit behördlicher Genehmigung. Mit einheimischen Trüffeln beimpfte Eichen und Haselsträucher werden dort gehegt, gepflegt und bewacht, und laut Rittersma steht die Chance für eine baldige Ernte nicht schlecht.

Für ein Kilo der feinsten schwarzen Trüffel legt der Feinschmecker derzeit zwischen zweieinhalb- und dreieinhalbtausend Euro hin, für den weißen Albatrüffel sogar das Doppelte. Trüffelsaison ist übrigens fast das ganze Jahr über. Lediglich im April und Mai müssen Trüffel-Liebhaber verzichten. Zur Ernte werden heute mehr Hunde als Schweine eingesetzt, berichtet Rittersma. Hunde seien beweglicher im Gelände und seltener in Versuchung, die begehrten Knollen selbst zu fressen.

Jahrhunderte lang galt der Trüffel als ein mythisches Produkt. Die Menschen rätselten, ob er Pflanze, Tier oder geologische Formation sei. Die Griechen schrieben die Herkunft der Knollen dem Blitzeinschlag des Gottes Zeus zu. Da der nicht nur als Blitzeschleuderer, sondern auch als großer Liebhaber bekannt war, hofften sie, durch den Verzehr zu vergleichbaren Leistungen fähig zu sein. Für Rittersma gehört die angeblich anregende Wirkung in den Bereich des Placebo-Effektes: „Sie helfen dem, der an sie glaubt.“

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