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Tüte nur noch gegen Geld: Handelsverband will durch Gebühr Plastikaufkommen reduzieren

Kunden müssen an der Supermarktkasse künftig wohl tiefer in die Tasche greifen, wenn sie eine Plastiktüte für ihren Einkauf haben möchten. Der Handelsverband (HDE) berät mit dem Bundesumweltministerium über eine freiwillige Vereinbarung für den Handel, teilte der Verband gestern mit. Wie viel die Kunden für die Tüten künftig zahlen müssen, will der HDE aber nicht festlegen. Ein Entwurf für das Bundesumweltministerium sehe einen „angemessenen Beitrag“ für Plastiktüten vor, „den jedes Unternehmen individuell festlegen kann“, erklärte Verbandssprecher Stefan Hertel auf Nachfrage der Saarbrücker Zeitung. Die „Süddeutsche“ hatte zuvor berichtet, dass voraussichtlich mindestens 20 Cent pro Tüte an der Supermarktkasse fällig würden. Dem widerspricht Hertel: „Eine einheitliche Gebühr von 20 Cent ist nicht vorgesehen.“

Hintergrund der Initiative des HDE ist eine EU-Richtlinie zum Verbrauch von Plastiktüten. Danach sind die Mitgliedsstaaten verpflichtet, den Verbrauch ab 2020 auf 90 Tüten pro Einwohner und Jahr zu verringern, ab 2026 auf 40 Stück. Im EU-Vergleich liegt Deutschland mit einem Verbrauch von 71 Plastiktüten pro Kopf und Jahr unter dem Durchschnittsverbrauch von 198 und erfüllt die Vorgabe für 2020 schon heute. „Die EU-Plastiktütenrichtlinie gilt für Tragetaschen aus allen Kunststoffmaterialien mit einer Materialdicke zwischen 15 und 50 Mikrometern“, erklärt Hertel. Sogenannte Hemdchenbeutel für Obst und Gemüse seien ausgenommen, „weil sonst zu viele Mengen in Großpackungen gekauft werden, die anschließend nicht verzehrt und entsorgt werden müssten“.

Der saarländische Einzelhandel-Landesverband begrüßt den Vorstoß des HDE: „ Wir unterstützt diese Initiative“, erklärt dessen Sprecher Max Schoenberg. Die Abgabe mache den Kunden bewusst, dass der unreflektierte Gebrauch von Plastiktüten schlecht für die Umwelt sei. „Denn das Problem ist der Endverbraucher, nicht der Handel. Der Kunde will diese Tüten, weil es bequem ist.“

Rolf Buschmann von der Umweltschutzorganisation BUND forderte eine Abgabe auf alle Einwegtaschen – egal, aus welchem Material sie gemacht sind. Taschen für den Einmalgebrauch aus Plastik oder Papier müssten „zur Notlösung“ werden. Ähnlich sieht das Katharina Istel, Referentin beim Naturschutzbund Nabu. Sie fordert eine Abgabe auf alle Einweg-Tragesysteme. Denn Papiertüten hätten eine schlechtere Umweltbilanz als Plastiktüten. Sie hätten nur den Vorteil, dass sie nach dem Wegwerfen besser abgebaut würden.

 

Meinung:
 

Renaissance für Einkaufskorb

Von SZ-RedakteurJoachim Wollschläger

Die Plastiktüte hat im Handel die Abläufe deutlich vereinfacht. Vor allem die hauchdünnen Gemüsebeutel erhöhen die Kassiergeschwindigkeit an der Kasse. Deshalb sollen sie auch weiter nicht mit einer Gebühr belegt werden. Doch gerade diese sind für die Meere eine besonders große Gefahr. Sie aus dem Verkehr zu ziehen, wäre gar nicht so schwierig. In Wiegeschalen an der Kasse könnte auch loses Obst und Gemüse leicht gewogen werden. Und für den Heimweg braucht es auch nicht zwingend eine Tüte – der gute alte Einkaufskorb tut es auch. Und er ist auch viel schöner.
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