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Über 2600 Fälle von Gewalt in saarländischen Familien

Saarbrücken. 2615 Fälle von häuslicher Gewalt registrierte die Polizei 2009 in ihrer Statistik, über 370 Betroffene flüchteten in eines der drei saarländischen Frauenhäuser. Bereits im April 2002 gründete die Landesregierung einen runden Tisch gegen häusliche Gewalt, mit Vertretern des Justiz-, Frauen- und Innenministeriums, der Staatsanwaltschaft, der Amtsgerichte, Jugendämter, Sozialhilfeträger, Ärzte, Frauenbeauftragten sowie Vertretern der Opferschutz- und Beratungseinrichtungen. Die Federführung des Gremiums liegt bei der Koordinierungsstelle gegen häusliche Gewalt. Sie ist angesiedelt beim Justizministerium. Der runde Tisch hat die Aufgabe, Strategien zu entwickeln, wie die Gewalt zurückgedrängt werden kann.
Seit 2007 gibt es zudem eine Beratungs- und Interventionsstelle für Opfer häuslicher Gewalt, eine Kooperation des Caritasverbandes und des Sozialdienstes der katholischen Frauen. Hier sollen Betroffene Hilfe bekommen, um staatlichen Schutz in Anspruch nehmen zu können. Die Stelle berät zum Beispiel über polizeiliche Schutzmaßnahmen bei akuter Bedrohung, wie ein Hausverbot. Des Weiteren berät sie über Schutzeinrichtungen, Rechtsbeistand, Prozesskostenhilfe sowie über psychosoziale Aspekte. Die Beratung ist kostenlos. Betroffene können sich direkt an die Beratungsstelle wenden oder den Kontakt über Ärzte oder Polizei herstellen. Die Beratungsstelle hält darüber hinaus ein Angebot für Kinder und Jugendliche vor, die Gewalt selbst erleben oder häusliche Gewalt miterleben. Kontakt über Telefon (0681) 3799610. 

Eine Frau erzählt vom leidvollen Leben mit einem brutalen Partner 

„Selbst der längste Weg beginnt mit einem ersten kleinen Schritt“, ein chinesisches Sprichwort, das auf einem Bild an der Wand geschrieben steht. Das Sprichwort passt zu Isabella. Sie hat einen langen Weg mit vielen kleinen Schritten hinter sich, um sich von ihrem Peiniger zu trennen. Zehn Jahre lang hatte sie ihr Lebenspartner misshandelt. Im vergangenen Sommer flüchtete sie mit ihren beiden Kindern ins Frauenhaus – nicht zum ersten Mal. „Aber heute fühle ich mich stark genug“, glaubt die 32-Jährige. Stark genug, um sich ein neues Leben aufzubauen.

Laut der Kriminalstatistik von 2009 suchten 167 Frauen und 207 Kinder Schutz in saarländischen Frauenhäusern. Viele von ihnen kehren jedoch immer wieder zurück zu ihrem Peiniger. Auch Isabella brauchte einige Anläufe, bis sie sich lossagen konnte, suchte mehrmals Hilfe im Frauenhaus oder bei Bekannten. „Entweder wollte ich freiwillig zurück oder er fand mich, egal wo ich war, und holte mich zurück“, erzählt Isabella. Diese Momente waren oft verbunden mit seinen Schwüren, sich zu bessern. Alles leere Worte.

Isabella lernte ihren Lebensgefährten zu einer Zeit kennen, als ihre Großmutter starb und damit auch ihr einziger Halt wegbrach. „Ich bin gleich zu ihm gezogen“, schildert die 32-Jährige. Ihr Partner war vorbestraft, saß im Gefängnis und das änderte sich auch während der Beziehung nicht. War er Zuhause, schlug er sie, trat sie, warf sie die Treppe runter, zog sie an den Haaren durch die Wohnung, brach ihr die Nase. Das alles geschah meist unter Alkohol- und Drogeneinfluss und vor den Augen der Kinder.

Isabella wurde bereits kurz nach dem Kennenlernen schwanger. „Ich vertraute ihm, war verliebt – ich war ja so naiv“, sagt sie. Während der Schwangerschaft flüchtete sie zum ersten Mal in ein Frauenhaus. Doch er wollte sie zurück und sie hoffte, er würde sich ändern, wenn das Kind auf der Welt ist. Nichts änderte sich. Als zwei Jahre später ein Schwangerschaftstest wieder positiv ausfiel, dachte Isabella zunächst an Abtreibung. „Der Termin stand schon fest“, sagt sie. Aber sie konnte nicht. Nie habe er die Kinder geschlagen, beteuert sie. „Er liebt sie, ist eigentlich ein Familienmensch“, sagt sie. Und doch bekamen die Kleinen die Gewalt mit und das blieb nicht ohne Folgen. Isabella glaubte abhängig zu sein, finanziell, emotional, der Kinder wegen. „Ich war so klein und er so stark“, sagt sie.

Es waren nicht nur seine Prügelattacken: Beleidigungen standen ohnehin auf der Tagesordnung, außerdem betrog er Isabella mehrmals und machte daraus kein Geheimnis. Im Sommer 2010 erreichte sie den Tiefpunkt, hegte Selbstmordgedanken und es blieb nicht nur bei einem Gedanken. Offen erklärt die 32-Jährige, sie wollte ihn damit unter Druck setzten. Isabella nahm Tabletten, in der Hoffnung, er rette sie, doch ihn berührte das nicht. Ihre unüberlegte Aktion rüttelte Isabella wach, sie flüchtete mit den Kindern ins Frauenhaus. Ihre Kinder werden psychologisch betreut, derzeit sind sie in einer Pflegefamilie. „Ich habe mich freiwillig ans Jugendamt gewandt, wollte die Kinder sicher unterbringen, bis ich soweit bin, neu anzufangen“, sagt die 32-Jährige. Eine neue Wohnung hat sie bereits, wird jedoch erst eine psychologische Rehabilitationsmaßnahme machen. Danach hofft sie ein neues Leben beginnen zu können, ein Leben ohne Gewalt. 
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