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Über eine Milliarde Nutzer: Facebook wird zehn Jahre alt

Kaum wach und schon bei Facebook online? Dann sind Sie vermutlich süchtig. Süchtig nach Informationen und Neuigkeiten aus aller Welt, Klatsch und Tratsch aus Ihrem Freundeskreis. Mehr als eine Milliarde Nutzer hat das Netzwerk weltweit. Keine andere Internetfirma hat unser Leben nachhaltiger verändert als Facebook. Heute wird es zehn Jahre alt. 2004 brachte ein junger Mann namens Mark Zuckerberg zusammen mit Freunden von seiner Studentenbude aus eine Website an den Start, mit der sich seine Kommilitonen an der amerikanischen Elite-Uni Harvard vernetzen konnten. „Es war eine unglaubliche Reise, für mich persönlich und für alle im Unternehmen“, sagte Zuckerberg jüngst bei der Präsentation der Geschäftszahlen für das vergangene Jahr. 1,23 Milliarden Nutzer, 757 Millionen davon täglich, 7,9 Milliarden Dollar Umsatz aus Werbung und Online-Spielen, 1,5 Milliarden Dollar Gewinn. Facebook hat längst die Internet-Urgesteine Yahoo und AOL abgehängt.

Geplant war das alles nicht, wie Zuckerberg vor wenigen Tagen dem Publikum auf einer Konferenz verriet. Nachdem die erste Version von Facebook für seine Harvard-Kommilitonen fertig gewesen sei, habe er zu seinen Freunden gesagt: „Okay, das ist klasse, dass es jetzt dieses Instrument und diese Gemeinschaft an unserer Uni gibt. Keine Frage, eines Tages wird das jemand für die Welt bauen. Es kam mir überhaupt nicht in den Sinn, dass wir das sein könnten.“

Auch in Deutschland ist der Dienst mit Abstand die Nummer eins. Rund 22 Millionen Menschen ab 14 Jahren haben ein Profil. Dabei boten die heimischen Wettbewerber wie Werkennt- wen deutlich bessere Datenschutzbestimmungen.

Was Nutzerdaten angeht, hat Facebook in der Tat nicht den besten Ruf. Das Unternehmen geriet in die Schlagzeilen, weil Daten ohne Wissen der Mitglieder weitergegeben wurden. Vor zwei Jahren deckte ein Student auf, dass Facebook alle Nutzerdaten dauerhaft speichert – auch wenn man glaubt, diese gelöscht zu haben. 2011 verliehen Bürgerrechtsaktivisten dem Unternehmen den „Big Brother Award“, sozusagen den Datenkraken-Oscar. Für Geheimdienste wie die amerikanische NSA ist Facebook ein gefundenes Fressen. Offenbar kann man dort ebenso wie bei Google, Amazon & Co. leicht und schnell Daten abschöpfen. In welchem Ausmaß, das wurde erst durch die Enthüllungen des Ex- Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden im vergangenen Jahr bekannt.

Oft bedarf es aber gar keiner ausgeklügelten Recherche, um in dem sozialen Netzwerk Daten zu sammeln. Die Mitglieder selbst verraten ohne Not schon so viel über sich. Viele offenbaren bei Facebook persönlichste Informationen – die sie sonst vielleicht nur ihren engsten Freunden anvertrauen würden – in einer scheinbar abgeschlossenen Welt, die aber in Wahrheit so weit verzweigt ist, dass manchmal völlig unbekannte Menschen daran teilhaben können. Vorsicht ist also angebracht.

Auf Facebook muss man Informationen nicht erst mühsam suchen, die Information findet einen automatisch. Nutzer schätzen den unglaublichen Informationsgewinn und die einfache Möglichkeit, auch über große Distanz in Kontakt zu bleiben. Wehe aber, wenn man in der Online-Gemeinschaft in Ungnade fällt. Sei es als Privatperson oder als Unternehmen. Der Fastfood- Riese McDonald’s musste diese Erfahrung vor zwei Jahren machen, weil er den Preis für seinen Cheeseburger um 39 Cent erhöht hatte. Ein User beschwerte sich darüber vehement auf der Facebook-Seite von McDonald’s und innerhalb von 48 Stunden klickten 81 000 Leute auf „Gefällt mir“, 6800 kommentierten den Beitrag. McDonald’s reagierte daraufhin einen Tag später und verkündete, die Cheeseburger wieder zum alten Preis zu verkaufen. Ein „Shitstorm“, ein Sturm der Empörung, war über McDonald’s hinweggezogen.

Stürmische Zeiten erlebte Facebook seinerseits beim Börsengang im Mai 2012. Das Unternehmen und seine Berater überschätzten die Nachfrage und schraubten den Ausgabepreis immer höher auf am Ende 38 Dollar. Gleichzeitig weckte die Abwanderung der Nutzer vom PC auf mobile Geräte bei den Anlegern Zweifel am Facebook-Geschäftsmodell: Das Online-Netzwerk verdiente zu diesem Zeitpunkt noch kein Geld in seinen Smartphone-Apps.

Die Folge war ein Debakel, wie es selten bei einem Börsengang dieser Größenordnung vorkommt. Zunächst stützten die Banken den Kurs, dann stürzte die Aktie ab. Nur wenige Monate später kostete das Papier mit 18 Dollar weniger als die Hälfte vom Ausgabepreis. Doch Facebook gelang es, das Steuer herumzureißen. Im Januar stieg die Aktie auf Rekordkurs von gut 62 Dollar.

Für die Menschen in Nordafrika hatte Facebook dagegen einen ganz anderen Wert. Der Arabische Frühling von 2011 wäre ohne die Online-Plattform so nicht möglich gewesen. Mit Facebook gelang es zum Beispiel den Regimegegnern in Tunesien und Ägypten, sich trotz Zensur und Unterdrückung spontan zu Demonstrationen zu verabreden und ihren Unmut zum Ausdruck zu bringen. Manche Forscher sprachen gar von einer „Facebook- Revolution“.

Mark Zuckerberg hat das sicherlich gefallen. Sein unbescheidenes Ziel lautet: „Jeden vernetzen und durch Teilen die Welt verbessern.“ Und sei es schon am frühen Morgen kurz nach dem Aufwachen.

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