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Überprivilegiert? Arbeitsvertrag von Weltkulturerbe-Chef wird begutachtet

Meinrad Maria Grewenig, Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte.

Meinrad Maria Grewenig, Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte.

Die Szenerie dürfte einigermaßen bizarr gewesen sein: Da bestimmt ein ehemaliger Minister – Karl Rauber (CDU) –, den man wieder in den Weltkulturerbe-Aufsichtsrat berufen hat, über Korrekturen an einem Verwaltungs- und Vergütungs-System mit, das er selbst maßgeblich gestaltet hat. Die Doppelstrukturen und die überaus komfortablen Tantiemen-, Gehalts- und Ruhestands- Regelungen für Generaldirektor Meinrad Maria Grewenig hält der Rechnungshof für veränderungsbedürftig. Das wurde vor vier Wochen bekannt. Doch welche Vertrags- Bestandteile überhaupt durch eine Änderungskündigung neu geregelt werden könnten, muss nach Auffassung des Aufsichtsrates erst mal ein Rechtsgutachten klären.

Den Auftrag zur Vergabe bekam gestern die Aufsichtsratsvorsitzende Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) nach einer Sondersitzung. Im Anschluss ließ sie mit dem Hinweis auf persönlich geschützte Daten so ziemlich alles im Dunkel, was den Steuerzahler interessiert hätte. Etwa: Wird Grewenig im Falle einer Eskalation und Freistellung noch mit einer Abfindung „belohnt“ oder gar bis zum Vertragsende (2019) voll bezahlt? Auch ließ sie offen, ob sich der Kulturmanager gestern kompromissbereit äußerte. Wäre er bereit, seine Pensionsansprüche – 75 Prozent nach 20 Dienstjahren – auf das für Beamte geltende Niveau zurückzuschrauben? Am Donnerstag hatte Grewenig noch auf Vertragserfüllung beharrt.

Wie viel Konfliktpotenzial steckt da drin? Rehlinger machte deutlich: „Ich halte Veränderungen für notwendig.“ Sagte aber auch: „Die Auflösung des Vertrages ist nicht unser Ziel.“ Weniger heikel stellte sich offensichtlich die Situation im kaufmännischen Bereich dar. Der Aufsichtsrat beschloss, den Geschäftsbereich auf eine andere Landesgesellschaft/Holding zu übertragen, die zentrale Aufgaben (Personal, Rechnungswesen, Controlling) übernimmt. Dies bedeutet, dass die von den Prüfern erkannten Doppelstrukturen entfallen und der 2015 endende Vertrag des kaufmännischen Direktors Manfred Baldauf (FDP, 62) nicht verlängert wird. Sie galt der Opposition schon lange als „reine Versorgungsstelle“.

Wie Rehlinger weiter mitteilte, soll künftig die Dienstwagen- und Spesenregelung für das Weltkulturerbe den Vorgaben angepasst werden, die derzeit für alle Landesgesellschaften entwickelt werden. Zusätzlich kam es gestern noch zu einem bedeutsamen Beschluss, der die Weiterentwicklung des Industriedenkmals betrifft. Eine „innerministerielle Arbeitsgruppe“ (Finanzen, Wirtschaft, Staatskanzlei, Kultur/Denkmalpflege) soll ein langfristiges Erhaltungs-, Kosten- und Finanzierungskonzept erarbeiten, sprich klären: Wie viel Weltkulturerbe können wir uns leisten? Wie viel Zuwachs ist noch drin? Auch an diesem Punkt könnte sich ein Streit mit dem Wachstums-Manager Grewenig anbahnen.



 

Falsches Krisenmanagement

Von SZ-Redakteurin Cathrin Elss-Seringhaus

Worum geht es hier? Nicht um kriminelles Tun, sondern um Einsicht in Sparzwänge. Vier Wochen hatte die Ministerin Zeit, mit einem ihrer Topmanager zu einer Vernunft-Lösung vorzustoßen. Stattdessen wartet sie auf ein Rechtsgutachten – schon jetzt ist die Verhärtung der Fronten absehbar, samt Endlos-Schleife an Negativ-Schlagzeilen. So holt man die Kuh nicht vom Eis. Dasselbe gilt für Grewenig. Er weiß, dass die Politik nach der Melcher-Affäre keinen Rechnungshof- Krieg riskieren will, Korrekturen also unabdingbar sind. Doch statt eine Befreiungsschlag- Strategie zu fahren und mit einem eigenen Kompromiss- Vorschlag in die Sitzung zu gehen, wartet Grewenig auf „konstruktive Gespräche“. Fazit? Krisenmanagement mangelhaft, mal zwei.
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