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Überraschender Vorstandswechsel

Kirkel. Der überraschend geänderte Kurs bei der Baumarktkette Praktiker lässt bei Aktionärsschützern und Analysten viele Fragen offen. Der Konzern bleibe mit seinem jüngsten Strategiewechsel viele Antworten schuldig, sagte Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Am Sonntagabend hatte Praktiker mitgeteilt, dass ein Investor dem Unternehmen ein vorrangiges Darlehen von 85 Millionen Euro gewährt. Dieses Finanzierungskonzept gehe mit wesentlichen Änderungen des angestoßenen Restrukturierungsprogrammes einher. So würde eine „größere Anzahl Praktiker-Märkte“ auf die profitable Schwester-Marke Max Bahr umgestellt. Gleichzeitig wurde der Sanierungsauftrag der Vorstände Thomas Fox und Josef Schultheis für beendet erklärt. Beide mussten gehen.
Praktiker hatte Ende vergangenen Jahres ein umfangreiches Sanierungsprogramm eingeleitet, das unter anderem vorsah, rund 30 defizitäre Märkte zu schließen, unrentable Auslandsengagements zu beenden und die Zentralen von Max Bahr und Praktiker in Hamburg zu bündeln.

Jetzt scheint es nur noch eine „Sanierung light“ zu geben. Statt der 30 werden laut einem Unternehmenssprecher in diesem Jahr nur zehn Märkte geschlossen. Wie es mit weiteren Schließungen weitergehe, könne er aktuell nicht sagen. Und auch beim Vorstand gibt es keinen Paukenschlag. Nach den Sanierungsexperten Fox und Schultheis übernimmt nun Aufsichtsratsmitglied Kay Hafner den Vorstandsvorsitz. Hafner hatte vier Jahre lang die Handelskette Wal-Mart in Deutschland geführt – mit begrenztem Erfolg, wie ein Bankanalyst anmerkt.
Als „Desaster“ bezeichnet es der Analyst einer Münchner Bank, dass mit Fox und Schultheis jetzt mitten in der Sanierung entscheidendes Know-how bei Praktiker von Bord geht.

„Praktiker hat weder das schwierige Fahrwasser verlassen noch hat der Konzern einen neuen Motor eingebaut“, sagt Tüngler. Zwar sei es durchaus eine gute Nachricht, dass ein Geldgeber bereit ist, externes Kapital zur Verfügung zu stellen. Da aber weder der Investor noch die Bedingungen des Kredits bekannt sind, sei es sehr schwer, das genauer zu bewerten. Diese Intransparenz beklagt auch der Analyst einer Hamburger Privatbank. Er sieht das bisherige Sanierungskonzept von Praktiker als „gescheitert“ an. Was jetzt als neues Konzept verkündet werde, „hätte man auch schon vor zwei Jahren haben können“.

Der saarländische Aktionärsvertreter Manfred O. Klein glaubt nicht, dass das aktuelle Konzept trägt: „Die Probleme sind nicht gelöst, die Märkte weiter defizitär und Praktiker weiter mit dem Billig-Image unterwegs“, sagt er.
Weniger hart geht Jürgen Elfers von der Commerzbank mit Praktiker ins Gericht: Das Finanzierungsprogramm, das Fox im November verkündet hatte, sei mit 300 Millionen ein Griff nach den Sternen gewesen. Nun zeige sich, dass die Sanierung kleiner angelegt werden müsse. Das beinhalte auch, dass verlustreiche Märkte bis zum Auslaufen der Mietverträge gehalten würden – mit dem Preis, dass der operative Gewinn länger belastet bleibt.
Die Börsen jedenfalls bewerten die jüngste Entwicklung bei Praktiker positiv. Der Kurs der Praktiker-Aktie stieg gestern bis zum frühen Abend um sechs Prozent.


Meinung
Sanierungs-Pleite in Kirkel
Von SZ-Redakteur Joachim Wollschläger


Die Sanierung von Praktiker ist wahrhaft ein Desaster. Mitten im Prozess gehen die Kapitäne vom Bord – der Umzug nach Hamburg ist noch längst nicht abgeschlossen, Märkte stehen vor der Schließung – und das Unternehmen schreibt, der Sanierungsauftrag der beiden Vorstände ende. Stattdessen greife ein geändertes Restrukturierungsprogramm mit geringerem Finanzbedarf unter Leitung eines früheren Aufsichtsratsmitglieds. Das hätte man wahrlich leichter und früher haben können.
Was bleibt? Die Zerschlagung der Konzernzentrale in Kirkel und die Schließung weniger Märkte. Das Praktiker-Problem, der Billigheimer unter den Baumärkten zu sein, bleibt bestehen.
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