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Umfrage: Was Neunkircher über Ekelbilder auf Zigarettenpäckchen denken

Bilder von schwarzen Raucherlungen und gelben Zähne sollen bald vor allem jungen Menschen das Rauchen vermiesen. So ein Gesetzesentwurf der Europäischen Union (EU), den die Abgeordneten am Dienstag verabschiedeten. Ab 2016 sollen dann fast zwei Drittel der Zigarettenschachteln mit Gruselfotos und Gesundheitswarnungen bedeckt sein. Eine Umfrage unter Besuchern der Neunkircher Innenstadt deckt erhebliche Zweifel an der Wirksamkeit der Bilder auf. Kann die neue Ekel-Richtlinie tatsächlich heile Lungen vor Qualm bewahren?

Nein, findet die 20-jährige Laura Thieser, Nichtraucherin. Wenn junge Leute anfangen wollen zu rauchen, tun sie es auch trotz der Bilder, sagt sie. Raucherin Sarah Mika fühlt sich immun gegen die Kampagne. Sie weiß, dass es ungesund ist, ein Bekannter starb erst kürzlich mit 48 an Lungenkrebs. Doch die Sucht ist bei ihr stärker als der Wille. Auch Jasmin Schmitt, Raucherin, glaubt nicht an den Nutzen der Schock-Fotos: „Was Rauchen anrichtet, lernt ja jeder in der Schule. Wer es will, der macht es eben“. Sie selbst habe mit 15 Jahren die ersten Zigaretten konsumiert. Viele der Befragte haben schon in jungen Jahren zum Glimmstängel gegriffen. Jessica Motzko war 16, fühlt sich aber nicht betroffen, da sie keine Schachtel kauft, sondern ihre Zigaretten selbst stopft. Für ihre beiden Kinder jedoch hofft sie, dass die Bilder Wirkung zeigen.

Viele in Neunkirchen scheinen die gute Idee hinter der Richtlinie zu sehen. Die Nachkommen der Befragten sollten möglichst bewahrt werden vor den Krankheiten, die das Rauchen mit sich bringt. Doch selbst aufhören kommt für keinen in die Tüte. Auch nicht für Stephan Niemann, der findet, dass die EU sich zu sehr einmischt. Die Abgeordneten scheinen für ihn viele Beschlüsse „aus Langeweile“ zu treffen, „und das ist einer davon“, sagt der Raucher. Nach 51 Jahren Nikotinkonsum will auch Hans-Joachim Fuchs das Rauchen nicht mehr sein lassen. Gut sei an den Bildern aber, „dass man nochmal darüber nachdenkt“, was Rauchen anrichtet. Er kennt die Bilder schon aus Thailand, „die sind grausam“, sagt er. Seine Lösung: Hülle drüber – eine einfache Methode die Schock-Fotos zu verdecken. Dann sind sie aus den Augen und aus dem Sinn.

Papphüllen, die den Rauchern den Schock ersparen, gibt es zum Beispiel bei Doris Frank, Inhaberin des Kiosks in der Neunkircher Bahnhofstraße. „Angst ist schon da“, sagt sie, dass die Einnahmen durch Zigaretten zurückgehen. Es sei generell schon schwierig sich über Wasser zu halten. Die EU-Richtlinie könnte dafür sorgen, dass kleine Läden kaputt gehen. Persönlich glaubt aber auch sie, dass langjährige Raucher sich nicht beeinflussen lassen. „Die Leute gewöhnen sich dran“, sagt Steffen Balag, Mitarbeiter im PubliCenter im Saarparkcenter, der seit 15 Jahren Zigaretten verkauft, aber selbst nicht raucht. Auch die Todesanzeigen-Warnhinweise auf den Schachteln interessieren heute niemanden mehr. „Aber es schädigt uns als Angestellte. Die Verkaufszahlen könnten im ersten Moment zurückgehen“, glaubt der Gegner des neuen Gesetzesentwurfs.

Ganz anders empfindet Tanja Volpe, eine Nicht-Raucherin, die mit ihrem Sohn unterwegs ist: „Meiner Meinung nach sollte man mit Jugendlichen in die Klinik gehen und ihnen tote Menschen mit einer Raucherlunge zeigen. Das gibt es in Amerika auch“. Die Bilder seien für sie ein erster Schritt in die richtige Richtung. Bei Tobias Caspari könnten die Ekel-Bilder nach zehn Jahren regelmäßigen Rauchens tatsächlich wirksam sein: „Ich kann mir vorstellen aufzuhören, wenn ich jeden Tag die Bilder sehe. 2016 bin ich 30, dann sollte man sich das schon überlegen“.

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