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Umfrage unter saarländischen Reisebüros: Angst vor Urlaub im Krisenland

Tina Pauli führt das Reisebüro Pauli in Riegelsberg. Sie erzählt von einer Familie, die ihre Griechenlandreise umgebucht hat. „Sie haben sich gesorgt. Sie fragten sich: ‚Was, wenn wir zum Arzt müssen? Was, wenn wir einen Bankautomat brauchen?' Meine Kunden wollen sich im Urlaub keine Gedanken über Politik machen.“

Aber Griechenland braucht die Touristen . Mit über 16 Prozent trägt der Tourismus mehr als jede andere Branche zur Wirtschaftsleistung des Landes bei. Und bei Deutschen war Griechenland bisher ein beliebtes Reiseziel – und es wird seit Jahren eigentlich immer beliebter, das belegen Zahlen des Deutschen Reiseverbands DRV. Laut Auswärtigem Amt müssen sich Urlauber darauf einstellen, das es an manchen Geldautomaten nichts mehr abzuheben gibt. Egal, ob ein Tourist oder ein Grieche seine Bankkarte einführt. Auch akzeptierten viele Restaurants und sogar manche Ärzte nur noch Bargeld, ist von Urlaubern zu hören. Vor Überfällen müssten die meisten trotzdem keine Angst haben: Bei Pauschalreisen handele es sich beim mitgenommenen Bargeld nicht um große Summen, so Pauli, schließlich bezahlten die Urlauber einen Großteil im Vorfeld.

Andrea Boné vom Reisebüro „Holiday World“ in Neunkirchen räumt ein, dass die meisten Urlaube ohnehin auf den Inseln gebucht würden. Von dort berichten die Kunden nur Gutes. Vor allem in den Städten, wie Athen oder Thessaloniki, würde sich die Krise bemerkbar machen – und gerade von diesen Regionen zeigen Medien viele Schreckensbilder. Dadurch entstehe eine übertriebene Angst vor Griechenland, findet Boné: „Sie befürchten, dass Essensvorräte knapp werden oder dass sie ihr Auto nicht tanken können. Das ist Unsinn!“

Trotz aller Angst: Stornierungen oder Umbuchungen sind immer noch selten, darin stimmen alle angefragten Reisebüros überein. Weil das Auswärtige Amt keine offizielle Reisewarnung ausgesprochen hat, würden bereits bezahlte Kosten sowieso nicht erstattet werden. Die Nachfrage nach Griechenland-Urlaub sei dieses Jahr von vornherein kaum da gewesen, erzählt Pauli. Die anhaltende Krise wirke schon länger abschreckend, so ihr Eindruck. „Meine Kunden nennen Griechenland inzwischen immer in einem Atemzug mit Tunesien.“ Sie vergleichen die Wirtschaftskrise mit einem islamistischen Terroranschlag. Trotz allem würde Griechenland-Fans auch die Krise nicht abschrecken, berichtet Boné. Ein solcher Fan ist Ingo Becker aus Riegelsberg. Vor 40 Jahren war er das erste Mal da, lebte zwölf Jahre lang auf der Insel Kos. Jetzt macht er dort nur noch Urlaub – erst vor zwei Wochen kam er aus Griechenland zurück. Auf Kos hat er in einem Hotel gewohnt, das einer griechischen Familie gehört. Er stimmt den Reisebüromitarbeitern darin zu, dass Touristen von der Krise fast nichts mitbekommen. „Die Griechen sind immer noch genauso gastfreundlich wie vor vierzig Jahren.“ Schuld an dem schlechten Griechenland-Image seien die Medien. „In jedem Land auf der Welt gibt es fünf Prozent Randalierer und Idioten, aber von den restlichen 95 Prozent sieht man in den Medien nichts.“ Einen Tag vor seiner Abreise schlossen die ersten Banken, da hat auch er die Krise zum ersten Mal gespürt. Die Stimmung sei angespannt gewesen. Becker betont aber: „Die Griechen vermeiden es tunlichst, Fremde mit Politik zu nerven – die Touristen sind viel zu wichtig für das Land.“

Die Saarländer könnten den Griechenlandurlaub also eigentlich und im Moment genauso genießen wie vor der Krise – Gastfreundschaft, Strände, Preise und Kulinarisches seien unverändert, so die Reiseveranstalter. Aber was die nächsten Monate bringen und verändern, das wagt keiner der Befragten vorherzusagen.
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