L125 Neunkirchen Richtung Saarbrücken-Johannisbrücke Kreuzung Neunkirchen-Sinnerthal Vollsperrung, Bauarbeiten bis 01.05.2018, eine Umleitung ist eingerichtet Die Sperrung erfolgt aufgrund von Sanierungsarbeiten am Brückenbauwerk und der Fahrbahn im Bereich "Plättches Dohle" (18.04.2017, 10:58)

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Umjubelte Premiere des Musicals ,,Jesus Christ Superstar” in Neunkirchen

Judas (Martin Herrmann) hält den gemarterten Jesus (Dennis Klein) im Arm. Foto: Intensiv-Theater</p>

Judas (Martin Herrmann) hält den gemarterten Jesus (Dennis Klein) im Arm. Foto: Intensiv-Theater

Händler bieten an Marktständen Gewürze, Datteln und Nüsse an, Teppiche und Kissen auf Podesten laden in der Neunkircher Gebläsehalle zum Verweilen ein. Gemeinsam mit Marktgeräuschen und Eselsgeschrei versetzen sie den Besucher auf einen Markt in Jerusalem und stimmen ihn auf das ein, was gleich auf der Bühne zu sehen ist: Die Passionsgeschichte Christi – allerdings in der Rock-Version von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice: Jesus Christ Superstar.

Innerlich nagt trotz der einladenden Atmosphäre der Zweifel, ob der Besuch eine so gute Idee ist. Das Konzept der Macher von Intensiv-Theater klingt interessant: Nicht nur das Stück alleine, auch die Atmosphäre und kulinarische Kleinigkeiten wie Gaspaccio mit Blätterteigkreuz sollen den Besucher sozusagen ganzheitlich in die Handlung einbinden. Aber die Truppe, halb Profis, halb Laien, per Casting zusammengewürfelt – das Risiko, dass sie das Stück, das in der eigenen Jugend lange Jahre musikalischer Begleiter war, verunstalten, ist nicht von der Hand zu weisen.

Ein Zweifel, der dann schnell verflogen ist. Eigentlich schon, als die E-Gitarre mit ihren ersten traurigen Klängen die Ouvertüre einleitet, spätestens aber, als Judas (Martin Herrmann) die Szenerie betritt. Gecastet? Im Saarland? Wo findet man solche Stimmen. Das Erstaunen wächst und wird bald von Begeisterung abgelöst. Nicht nur Judas ist ein Volltreffer. Auch Jesus ist mit Dennis Klein hervorragend besetzt. Ebenso wie der Pink-Floyd-Sänger Ian Gillan, an dem er sich augenscheinlich orientiert, beherrscht er die große stimmliche Bandbreite dieser Rolle, die den schnellen Übergang von geschriener Verzweiflung in höchster Tonlage zum ruhigen Zwiegespräch umfasst.

Und dann Kajaphas (Mike Kroneberg), der mit seinem schwarzen Bass die gesamte Bedrohlichkeit der Priesterschaft symbolisiert.

Die Begeisterung hält fast durchgehend an. Einerseits wegen der eingängigen Melodien, die schon einen Vorgeschmack auf das bieten, was Lloyd Webber später in seinen gefälligeren Musicals produzieren wird, andererseits wegen der unbändigen Spielfreude, die die Truppe auf die Bühne bringt. Und die verzeiht dann auch die kleinen Schwächen, Maria Magdalena, (Mirijam Kohr), die Anfangs leichte Anlaufschwierigkeiten hat, sich dann aber bei ihrem „I don't know how to love him“ zur Hochform steigert. Sven Schmitt und Strato Stravridis, die als Hohepriester sehr stimm-, aber nicht immer tonsicher auftreten. Egal. Ganz im Gegenteil nötigt es sogar Hochachtung ab, wenn Judas, dem plötzlich das Headset-Mikrofon ausfällt, spontan von der Bühne eilt, und mit normalem Mikrofon zurückkommt. Oder Herodes (Christian Weibel), der sich mit seiner Perücke versehentlich das Mikro vom Kopf reißt, aber trotzdem unbeirrt weitersingt.

Den wenigen Raum, der ihr zur Verfügung steht – im hinteren Teil der Bühne spielt die Band – nutzt Regisseurin Jenny Theobald geschickt aus. Zwei bewegliche Treppen machen die gesamte Kulisse aus. Mal stehen sie für die Szenerie in Jerusalem, mal sind sie der Tempel der Hohepriester. Mehr braucht es nicht – schon gar, weil Theobald den gesamten Raum einbezieht: Der Einzug nach Jerusalem findet im Publikum statt, und auch Händler, Huren und Kranke tummeln sich zwischen den Zuschauern.

Theobald setzt ganz auf ihr Ensemble. Und das zeigt sich mit ständig wechselnden, Kostümen (Magdalena Woll) mal als Anhänger Jesu, Händler, Kranke, Volk oder – in einer Slapstick-Einlage – als goldgewandete Gespielinnen von Herodes.

Die Macher von Intensiv-Theater haben sich vorgenommen, so steht es im Programm, Schülern „Theater in seiner lebendigen Form“ näherzubringen. Mit der Kombination von toller Musik, engagierten Talenten, großartigen Choreografien, Leidenschaft und Spielfreude haben sie auf diesem Weg alles richtig gemacht.

Karten gibt es noch für Vorstellungen in Saarlouis, Pirmasens und Saarbrücken unter www.intensivtheater.de

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