L125 Neunkirchen Richtung Saarbrücken-Johannisbrücke Kreuzung Neunkirchen-Sinnerthal Vollsperrung, Bauarbeiten bis 01.05.2018, eine Umleitung ist eingerichtet Die Sperrung erfolgt aufgrund von Sanierungsarbeiten am Brückenbauwerk und der Fahrbahn im Bereich "Plättches Dohle" (18.04.2017, 10:58)

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Umweltministerin Peter: „Cattenom ist nicht sicher“

Der Protest von Atomkraftgegnern richtet sich erneut auch gegen die lothringische Atomanlage in Cattenom. Dessen Betreiber will das zwölf Kilometer von der saarländischen Grenze entfernte Kernkraftwerk mit einem Milliardenaufwand für einen weiteren, jahrzehntelangen Betrieb fit machen. Für Umweltministerin Simone Peter sind die vier Meiler in Cattenom jedoch schon jetzt ein „akutes Sicherheitsrisiko“.  Mit ihr sprach SZ-Redakteur Johannes Schleuning.

Frau Peter, die französische Behörde für atomare Sicherheit (ASN) hat bereits im vergangenen Jahr einer Laufzeitverlängerung von 30 auf 40 Jahre für 34 der insgesamt 58 französischen Atomreaktoren zugestimmt. Darunter ist auch Cattenom. Das heißt, dass der zuletzt in Betrieb genommene Meiler in Cattenom noch bis 2031 laufen kann. Als der Betreiber EdF kürzlich ankündigte, dazu in den kommenden 20 Jahren 2,4 Milliarden Euro in das Kraftwerk zu investieren, haben Sie Alarm geschlagen. Weshalb?
Peter: Nach jetzt 25 Jahren Laufzeit ist Cattenom ohnehin schon eine potenzielle Gefahr. Und das Sicherheitsrisiko steigt von Jahr zu Jahr. Die Kraftwerksbetreiber haben uns gegenüber erklärt, dass sie Cattenom – von heute an gerechnet – sogar noch weitere 40 Jahre betreiben wollen. Das wäre dann eine Gesamtlaufzeit von über 60 Jahren. Zudem sind die 2,4 Milliarden Euro nach unserem Kenntnisstand im Wesentlichen für Wartungsarbeiten vorgesehen. In Sicherheitsvorkehrungen soll offenbar nicht investiert werden. Gegen einen Flugzeugabsturz ist Cattenom beispielsweise nicht ausreichend gesichert.

Kraftwerksleiter Stéphane Dupré-la-Tour behauptet, dass die Anlage in Cattenom „gute Sicherheitsstandards“ habe. Das hätten die Inspektionen der Behörde für atomare Sicherheit ergeben. Ist der Behörde nicht zu trauen?

Peter: Die Definition von Sicherheit ist immer relativ. Was „gute Sicherheitsstandards“ angeht, da würde ich deutlich weiter gehen als die französischen Behörden. Derzeit ist das Atomkraftwerk Cattenom ein akutes Sicherheitsrisiko für die Bevölkerung im Dreiländereck.

Nach offiziellen Angaben hat es in Cattenom im vergangenen Jahr zehn und in diesem Jahr acht nennenswerte Störfälle gegeben, die jedoch allesamt kein ernsthaftes Sicherheitsrisiko dargestellt hätten. Ist die Anlage, mit einer Kapazität von insgesamt 5200 Megawatt immerhin die siebtgrößte Atomzentrale weltweit, unsicherer als andere Atomkraftwerke?
Peter: Sie ist ebenso unsicher wie andere Atomkraftwerke in diesem Alter. Es kam allein in diesem Jahr mehrmals zu automatischen Schnellabschaltungen, dann fällt ein Stromgenerator aus, plötzlich bleiben Steuerstäbe im Reaktor stecken...... Die Anzahl der Zwischenfälle zeigt, dass man trotz der wiederholten Wartungsarbeiten nicht von sicheren Reaktoren sprechen kann.

Sie haben angekündigt, ihre Bedenken bezüglich des Atomkraftwerkes Cattenom vor Ort anzusprechen. Mit wem wollen Sie sprechen, und was glauben Sie erreichen zu können?
Peter: Ich werde mit den Kraftwerksbetreibern sprechen und mir ein Bild vor Ort machen. Außerdem will ich bei lothringischen Regionalpolitikern für den verstärkten Einsatz von erneuerbaren Energien werben. Ich will dort daraufhin wirken, dass Cattenom so schnell wie möglich vom Netz genommen wird. Cattenom ist nicht sicher.

In der Vergangenheit hat es aus dem Umweltministerium immer wieder Klagen gegeben, dass die saarländischen Behörden bei Störfällen entweder gar nicht oder zeitlich stark verzögert informiert würden.  Hat sich das Problem inzwischen gelöst?
Peter: Nein, wir erhalten gelegentlich noch immer verspätet Informationen – was mitunter allerdings auch daran liegt, dass der Vorfall im Kraftwerk selbst erst verspätet festgestellt wird. Der Informationsfluss ist auf jeden Fall verbesserungswürdig. Man muss sich immer vergegenwärtigen: Das Saarland liegt in der Regel in der Windrichtung, so dass wir bei einer nuklearen Katastrophe in Cattenom unmittelbar betroffen wären.

Wie ist das Saarland auf einen ernsthaften atomaren Zwischenfall in Cattenom vorbereitet?
Peter: Wir sind im Rahmen von Katastrophenschutzübungen und -planungen zwar gut vorbreitet. Aber bei dem größten anzunehmenden Nuklearunfall in Cattenom würde realistisch gesehen auch die beste Katastrophenplanung nicht mehr viel nutzen. Insofern warne ich vor Behauptungen, man wäre da gut aufgestellt.



Auf einen Blick

Im Atomkraftwerk Cattenom ist Block.III im vergangenen Jahr zwei Mal für längere Zeit vom Netz genommen worden. Vom 7. März bis 2. Mai wurde die Sicherheit der Dampferzeuger überprüft, vom 4. Juli bis 30. Dezember wurden nukleare Brennstoffe ausgetauscht und Wartungsarbeiten durchgeführt. Am 6. Mai dieses Jahres musste Block.III erneut heruntergefahren werden, weil aus dem Kühlsystem eines Generators Wasserstoff austrat. Am 14. Juli wurde der Reaktor erneut gestartet, blieb jedoch nur sechs Tage am Netz. Ein Fehler an der elektrischen Versorgung des Reaktors löste eine automatische Abschaltung aus.
Vier weitere Pannen wurden im März dieses Jahres auch in den anderen Reaktoren des Kernkraftwerks registriert. In Block.IV blieben zwei Steuerstäbe im Reaktor stecken. Im April wurde ein Elektriker bei der Verlegung von Kabeln radioaktiv kontaminiert. red


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