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Umweltsündern im Saarland auf der Spur

Oberkommissar Stein nimmt eine Probe auf dem Dach eines Hauses. Später wird sich herausstellen, dass es Asbest enthält.  Foto: dietze

Oberkommissar Stein nimmt eine Probe auf dem Dach eines Hauses. Später wird sich herausstellen, dass es Asbest enthält. Foto: dietze

Er hatte sich gar nichts dabei gedacht. Das Dach des Lagerhauses ist alt, Moos und Flechten haben sich darauf festgesetzt. Also wollte er sie loswerden – mit einem Handschuh, sagt er. Mit einem Hochdruckreiniger, sagt die Nachbarin, die ihn angezeigt hat. Was der Mann nicht wusste: Die alten Dachplatten sind voller Asbest, eine Laborprobe hat es bestätigt. Hier zu schrubben, ist wegen der krebserregenden Fasern, die dabei aufgewirbelt werden, nicht nur gefährlich, sondern strafbar. Deshalb stehen nun Peter Stein und Jürgen Rebmann vor seiner Tür, Oberkommissare im Dezernat Umweltkriminalität der Landespolizei. Sie kommen immer dann zum Einsatz, wenn jemand eine Straftat gegen die Umwelt begeht. In letzter Zeit häufen sich die Asbest-Fälle. „Bis Asbest-Produkte 1993 verboten wurden, wurden viele Dächer damit gebaut. Und die werden jetzt nach und nach saniert“, sagt Rebmann.

 

Nach einem Blick auf das Dach hat Stein so seine Zweifel, ob der Mann die zähen Flechten wirklich nur mit einem Handschuh entfernt hat. Aber Zweifel und Vermutungen spielen bei der Polizeiarbeit keine Rolle, nur Fakten zählen. Also wird er die Nachbarin nochmal als Zeugin vernehmen, am Ende muss der Staatsanwalt entscheiden.

 

Zuvor hatten Stein und Rebmann noch einen Abstecher auf einen Hof in der Nähe gemacht: Ein Landwirt hatte seinen Mist einfach auf dem freien Feld abgeladen statt auf einer ordentlichen „Festmistlagerstätte“, wie es im Behördendeutsch heißt. Die Brocken stapeln sich mannshoch, Fliegen surren, die braune Brühe sickert langsam in die Erde. Genau das ist das Gefährliche, der Boden wird verseucht. Ist ein Bach oder Kanal in der Nähe, wird im schlimmsten Fall sogar das Grundwasser verschmutzt. Der Hof liegt verlassen da, vom Bauer keine Spur. In einer Ecke stapeln sich Reifen, daneben achtlos abgeladene Eternitplatten. Stein wird den Hof im Auge behalten und prüfen, ob der Landwirt Mist und Müll wegschafft.

 

Vier Beamte kümmern sich bei der saarländischen Polizei um die Umweltdelikte: Dabei geht es nicht nur um Verschmutzung von Luft, Wasser und Boden. Auch Arten- und Verbraucherschutz spielen eine Rolle. Als etwa jemand mehrere Steppenadler in einem völlig verdreckten Klohäuschen hielt oder ein Winzer seinen Wein mit Wasser und Zucker panschte, rückten die Kommissare an. Aber auch als ein Privatmann 38 Schrottautos in seinem Garten vor sich hinrosten ließ oder ein Autofahrer einen Ölwechsel über dem Gullydeckel vornahm, um das Öl direkt in die Kanalisation abfließen zu lassen, wurden die Spezialisten gerufen.

 

Meist haben sie es mit kleineren Delikten zu tun. „Die meisten verstoßen auch nicht bewusst gegen die Gesetze“, sagt Michael Rolshausen, Leiter des Dezernats. Manchmal sorgen Fälle aber auch für Aufsehen, etwa der Lyoner-Skandal im vergangenen Jahr. Damals hatte ein Händler Rinderdärme aus Frankreich, die seit dem BSE-Skandal gar nicht mehr verwendet werden dürfen, an hiesige Metzger verkauft. Ein Fall, der die Ermittler über ein Jahr lang beschäftigte.

 

Die Aufklärungsquote sei in seinem Dezernat relativ hoch, erklärt Rolshausen: Mehr als jeder zweite Fall wird gelöst. „Das liegt auch daran, dass häufig Anzeige gegen konkrete Personen erstattet wird.“ Der Täter muss dann nicht erst mühsam ermittelt werden.

 

In den 80er Jahren – einer Zeit, in der Umweltfragen erstmals in den Fokus des Interesses rückten – wurden bundesweit bei der Polizei Umweltdezernate eingeführt. Neun Beamte arbeiteten anfangs im Saarbrücker Dezernat. „Damals gab es aber auch mehr Straftaten“, sagt Rolshausen. Seitdem sind die Kontrollen der Behörden strenger geworden, die Gesetze wurden verschärft. Gut 300 Ermittlungsverfahren bearbeiten sie pro Jahr. Die Arbeit ist langwierig und aufwendig. Oft müssen sie sich in neue Gesetzestexte einlesen, müssen Stellungnahmen von Behörden abwarten. Und nicht immer fällt das Urteil so aus, wie sie es erwartet hätten. Manchmal kommt es gar nicht erst zum Urteil, das Verfahren wird eingestellt. Das sei mitunter frustrierend, sagt Stein.

 

Und der Mann mit dem Asbest-Dach? Der ist etwas betrübt: „Es wäre schön gewesen, wenn die Nachbarin mit mir gesprochen hätte, bevor sie die Polizei ruft.“ Viele Umweltdelikte werden von Nachbarn oder Geschäftskonkurrenten angezeigt. „Manchmal aus dem einfachen Grund, dass man den anderen nicht mag“, sagt Stein. Dem Mann bleibt nur die Wahl, die Platten zu lassen, wie sie sind, oder das Dach von Profis neu decken zu lassen. Um eine Geldstrafe wird er aber wohl nicht herumkommen.
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