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Und dann macht es plötzlich "Bam" im Kopf: Neunkircherin erzählt aus ihrem Leben mit der Diagnose Borderline

„Wenn eine Situation eskaliert, dann macht es einfach ,Bam', und du bist weg von dir selbst.“ Nennen wir sie Liliane, die junge Frau, die in den Räumen der Caritas in der Neunkircher Hüttenbergstraße sitzt und aus ihrem Leben erzählt. Knapp über 20 Jahre ist sie alt, graues T-Shirt, Jeans, kurzes Haar, Piercings, helle, durchdringende Augen. Sie ist zunächst vorsichtig im Gespräch, zeigt später viel Witz. Obwohl sie nicht wirklich viel zu lachen hat. Der Caritasverband hat sie über beinahe drei Jahre begleitet in seinem Projekt Betreutes Wohnen. Sozialpädagoge Jörg Westrich schilderte die Geschichte bei der Vorstellung des Caritas-Jahresberichtes (die SZ berichtete). Jetzt erzählt Liliane mit eigenen Worten in seinem Büro, wie das Leben aussieht, wenn man die Diagnose Borderline-Persönlichkeitsstörung (siehe Info) bekommen hat.

 

Liliane ist aktuell seit fast einem Jahr obdachlos. Wohnt mal hier, mal da, wie es sich gerade ergibt, bei Leuten in Neunkirchen. Auch im Neunkircher Bahnhof hat sie einige Nächte verbracht. Die Beziehung zu ihrer Familie ist schlecht. Hartz IV, hier und da ein Versuch zu jobben, Ärger mit den Ämtern und dem Medizinischen Dienst – so schildert sie ihren Alltag. Sie würde die Ausbildung, die sie vor einem Jahr abgebrochen hat, gerne wieder aufnehmen. Aber die Mediziner halten sie nicht für arbeitsfähig. Zuerst soll sie eine medizinische Rehabilitation machen. Aber auf den Sonnenberg in Saarbrücken, sagt sie, habe sie gar keine Lust mehr. Alles schon gehabt. Liliane: „Ich sehe keinen Sinn darin, den ganz Tag da zu sitzen und Matheaufgaben zu machen.“ Ihr Ex-Betreuer Westrich wendet ein, dass das nicht alles sei, was sie in der Reha erlebe. Sich auf eine Sache zu konzentrieren, wäre aber Teil des Programmes. Das lässt Liliane alles nicht gelten: „Ich will eine Ausbildung machen, und nicht bekloppter werden.“

 

Die junge Frau hat Kinder- und Jugendpsychiatrie genauso wie stationäre Wohngruppen erlebt. Aus der Wohngruppe flog sie raus – zu schwierig. Über die Jugendhilfe kam die Fachstelle Betreutes Wohnen ins Spiel. Es gab eine Reihe von Hindernissen, aber schließlich hatte Liliane eine Wohnung und einen Ausbildungsplatz bei einem Bildungsträger . Sie bekam viel Lob für ihre Fähigkeiten zugesprochen. Aber dann kam ein neuer Freund, sie brach alles ab. Jetzt, sagt sie, müsse sie erst mal Privatinsolvenz anmelden, um nicht die gemeinsamen Schulden mit dem Freund bezahlen zu müssen. Früher hat sie sich selbst verletzt. Heute greife sie lieber zum Alkohol. Gibt es Freunde, die helfen? „Ich vertraue mich Menschen nicht mehr so richtig an. Das kann ich nicht.“ Eine Wohnung wäre schon mal was, und dann die Ausbildung...

 

Zum Thema:

 

Der Borderline-Typ der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung zeigt sich in einer ausgeprägten Identitätsproblematik. In ihrem Jahresbericht schreiben die Sozialarbeiter der Caritas , dass Selbstbild und Ziele bei den Patienten massiv gestört sind. Sie neigen zu intensiven, aber unbeständigen Beziehungen. Selbstmorddrohungen und Selbstverletzungen sind möglich. Die Borderliner diesen Typs leiden unter Spannungs- und Angstgefühlen, haben ein chronisches Empfinden von Leere. Genetische Veranlagung und frühe traumatische Ereignisse werden als Ursache angenommen. mbe
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