A623 Friedrichsthal Richtung Saarbrücken Zwischen AS Saarbrücken-Herrensohr und Einmündung Rodenhof Bauarbeiten, linker Fahrstreifen gesperrt, Stau zu erwarten bis 19.10.2017 05:00 Uhr (17.10.2017, 16:49)

A623

Priorität: Dringend

11°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
11°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Uni-Präsident: Einstellungs- Stopp, wenn Studiengebühr kippt

Die Hochschulen des Saarlands bereiten sich auf das Ende der Studiengebühren vor. Eine erste Entscheidung könnte schon am Donnerstag fallen. Uni-Präsident Volker Linneweber schlägt einen Einstellungsstopp für neue aus Studiengebühren finanzierte Hilfskräfte vor. Rund 1200 Stellen werden derzeit an der Uni aus diesen Einnahmen finanziert.

Von SZ-Redakteur Peter Bylda

Saarbrücken. Noch sind die Studiengebühren im Saarland nicht abgeschafft. Doch angesichts der denkbaren politischen Koalitionen nach der Landtagswahl bereiten sich die Vertreter der beiden großen Hochschulen bereits auf die Zeit danach vor. Professor Wolfgang Cornetz, Rektor der Hochschule für Technik und Wirtschaft, sieht dabei seine mit rund 4000 Studenten deutlich kleinere HTW besonders betroffen. Denn hier ist der Anteil der Studienbeiträge am Gesamtetat höher als an der Uni, die rund 15.500 Studenten zählt. Bei einem HTW-Gesamthaushalt von 21 Millionen Euro, machen Studiengebühren (über 2,1 Millionen Euro) zehn Prozent aus. Der Anteil dieser Einnahmen ist an der Uni – Etat rund 150 Millionen Euro, Studiengebühren neun Millionen Euro – geringer. Cornetz: „Es stellt uns vor ernsthafte Probleme, wenn die Studiengebühren nicht komplett ersetzt werden.“ An der HTW werden, so Wolfgang Cornetz, insgesamt rund 200 Stellen, meist Tutoren, aus studentischen Beiträgen finanziert. Gebe es keinen Ersatz, „wären die alle bedroht.“

Diskussion auf dem Campus

Der Präsident der Saar-Universität, Professor Volker Linneweber („Wir brauchen eine schnelle Entscheidung“), will auf Nummer sicher gehen. Am Donnerstag werde er wegen der unsicheren finanziellen Lage im Präsidium erst einmal einen Stellenstopp für neue aus Studiengebühren finanzierte Jobs vorschlagen, kündigte Linneweber an. Der Präsident der Saar-Uni sieht gleichwohl das letzte Wort in Sachen Studiengebühren noch nicht gesprochen. Er möchte in den kommenden Tagen auf dem Campus eine große bildungspolitische Diskussionsrunde mit Vertretern aller Parteien organisieren, bei der über mögliche Folgen der Abschaffung gesprochen werden soll. Denn die seien vielfältig und in ihrer ganzen Tragweite noch nicht erkannt.

Der Uni-Präsident sieht unter anderem Folgen für den Globalhaushalt der Saar-Universität voraus. Hier sei seine Hochschule in Ziel- und Leistungsvereinbarungen Verpflichtungen eingangen, die bei Abschaffung der Gebühren möglicherweise nicht zu halten seien. Im Extremfall könne das für die Saar-Uni Einnahmeverluste in bis zu siebenstelliger Höhe bedeuten. Linneweber fürchtet, dass die Absolventenzahlen der Saar-Uni sinken, wenn die Studiengebühren abgeschafft werden und damit der finanzielle Druck auf die Studenten nachlässt, zügig zum Abschluss zu kommen.

Ein erstes großes Opfer der Neuregelung auf dem Campus der Saar-Uni zeichnet sich bereits ab. Die heftig umstrittene Aufstockung des Gebäudes C.5.2 der Philosophischen Fakultät um ein komplettes Stockwerk mit studentischen Arbeitsräumen, Kostenpunkt rund 1,6 Millionen Euro, könnte kippen. Das Projekt war mit knapper Mehrheit in der Gebühren-Kommission der Uni beschlossen worden, hatte aber auf dem Campus letztlich den damaligen Asta gesprengt. Der neue Asta lehnt diesen Erweiterungsbau kategorisch ab. Universitäts-Präsident Linneweber sieht juristische Probleme, das kreditfinanzierte Bauvorhaben auf anderem Weg zu realisieren. Der Asta würde dem Projekt, so Vorsitzender Konrad Hilsenbeck, keine Träne nachweinen. „Auf C5.2 können wir verzichten.“ Arbeitsräume für Studenten seien sinnvoll, aber an anderen Stellen auf dem Campus.



Meinung

Baustelle Bildung


Von SZ-Redakteur Peter Bylda

Bildung ist wichtig, gerade für ein kleines Land. Da sind sich in der Politik alle einig. Weil Bildung so wichtig ist, hat die vergangene Landesregierung Studiengebühren eingeführt – und die kommende schafft sie genau deshalb wahrscheinlich wieder ab. Das mag man beklagen – die Hochschulen können den Gebühren-Zickzack jetzt aber auch geschickt nutzen, um für sie günstige Kompensationszahlungen auszuhandeln. Das Thema Studieren hatte in der politischen Debatte schon lange keinen so hohen Stellenwert wie heute. Die Hochschulen haben damit gute Chancen, bei der künftigen Landesregierung einen Ausgleich für die wegbrechenden Gebühren-Einnahmen durchzusetzen. daraus Kapital zu schlagen. Das Geld wäre gut angelegt. Denn Bildung ist wichtig für ein kleines Land.







Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein