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Uniklinik: Am Pflegepersonal wird zuviel gespart

Der kaufmännische Direktor des Uniklinikums, Ulrich Kerle, hatte zur allgemeinen Erheiterung beim Neujahrsempfang des UKS zugegeben, er habe 2013 öfter ein Blutdruckmessgerät benutzt. Paul Staut, der Pflegedirektor, sagte gestern, er habe bestimmt noch irgendwo eine Narrenkappe.

Die wolle er demnächst auch benutzen, denn man habe ihn von Seiten der Politik aufgefordert, „für bessere Stimmung“ zu sorgen. Doch mit der Narrenkappe werde er wohl kaum etwas ausrichten, vermutet Staut. Zuerst müsse sich die Politik bewegen. Und zwar nicht mit närrischen Beiträgen, sondern mit finanziellen.

„Es ist einfach eine Ungerechtigkeit, dass Unikliniken in Deutschland, die 365 Tage im Jahr rund um die Uhr für alle Eventualitäten gerüstet sind, nicht ordentlich finanziert werden. Es muss doch einleuchten, dass wir einen viel größeren Umfang zu bewältigen haben als ein kleines Kreiskrankenhaus.“ Die Unterfinanzierung müsse irgendwo aufgefangen werden, „und das passiert dann regelmäßig bei Einsparungen bei der Pflege“.

Stauts Überzeugung: „Pflege ist nicht delegierbar“. Nun ist schon seit längerer Zeit in der Diskussion, gewisse Arbeiten von Pflegehelfern machen zu lassen, was Staut auch begrüßt: „Eine examinierte Krankenschwester muss nicht ihre Zeit damit verbringen, den Patienten zu zeigen, wie die Telefonkarte funktioniert, wie man den Fernseher bedient, sie muss nicht aufräumen und abräumen oder Wasser bringen.“ Andererseits, gibt Petra Jost, geschäftsführende Pflegedienstleiterin, zu bedenken, dass man am Patienten die Arbeiten nicht strikt trennen könne: „Wir bedienen ja keine Maschinen“.

Vor zwei Jahren wurde ein Pilotprojekt am Neurozentrum gestartet, das nun schon in die Routine überführt wurde: „Aufgabenverlagerung Pflege und Service“ heißt es. Petra Jost ist zufrieden mit dem, was erreicht wurde. Die Tätigkeiten der Hilfskräfte wurden eindeutig definiert: „Die Hilfskräfte werden nicht benutzt, um Lücken in der Pflege zu stopfen.“

Andererseits: Was für die eine Station machbar ist, geht an der anderen womöglich nicht. Verschiedene Abteilungen, verschiedene Anforderungen, Arbeit mit Menschen von 0 bis 100 Jahre – „das ist ein sehr komplexes Gebilde“, sagt Staut, „und es bringt gar nichts, hier Einheitssystem zu verordnen.“ Außerdem würden die Patienten immer älter, und wer mit 80 noch eine Hüft-OP bekomme, stelle andere Ansprüche an die Pflege als jemand mit 40 Jahren. Das Gutachten der Unternehmensberatung Roland Berger, das vor einigen Wochen angefertigt wurde und jetzt an die Öffentlichkeit gekommen ist, sieht Einsparungen beim Pflegepersonal vor, 140 Stellen könnten wegfallen. Paul Staut und Petra Jost sehen die Entwicklung mit Sorge.

Wenn gespart werde, dann beginne man immer von der Pflege abwärts, betonen beide. Spaß, mit oder ohne Narrenkappe, mache das nicht, sagt Pflegedirektor Staut.

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