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Untreue: Drei Jahre Haft für Saarländerin

Saarbrücken. Vor eineinhalb Jahren wirkte sie selbst noch als ehrenamtliche Richterin beim Saarbrücker Amtsgericht an Urteilen in Strafprozessen mit. Gestern wurde die Ex-Schöffin und frühere Kreditsachbearbeiterin der Sparkasse Saarbrücken selbst verurteilt. Die 47-Jährige, die seit ihrer Geburt schwer körperlich behindert ist, soll nach dem Spruch der vierten großen Strafkammer des Landgerichts wegen 34 Untreue-Fällen, die zwischen 2001 und 2007 zumindest teilweise gewerbsmäßig begangen wurden, für drei Jahre ins Gefängnis.

Der Vorsitzende Richter Udo Kuklik bescheinigte der geständigen Frau eine „erhebliche kriminelle Energie“ und zugleich eine „intellektuelle Meisterleistung“. Kuklik sprach – mit Blick auf die Behinderung der verheirateten Angeklagten – von einem „außergewöhnlichen Fall“. Sie habe „ohne wirkliche Not gehandelt“. Mit einem gemeinsamen Netto-Einkommen von 4000 Euro hätte das Paar eigentlich gut über die Runden kommen können. Die Frau habe aber ihrer Stiefmutter und ihrem hochverschuldeten Halbbruder helfen wollen. Als die eigenen Finanzen dafür nicht mehr ausreichten, habe sie als Kreditsachbearbeiterin bei der Sparkasse Geld umgeleitet. Die Kontrollmechanismen bei der Bank seien ausgehebelt worden. Das Vertrauen von Kollegen und Vorgesetzten habe sie missbraucht. Teilweise wurden Darlehen, die von echten Kunden nicht abgerufen wurden, an die Angehörigen überwiesen. In anderen Fällen legte sie Darlehen unter falschen Namen an und zahlte das Geld an Stiefmutter und Halbbruder aus.

Eine Meisterleistung sei es dabei gewesen, über Jahre hinweg, alle Vorgänge unter Kontrolle zu haben, so dass diese Machenschaften nicht frühzeitig auffielen. Als sie befürchtete, aufzufliegen, habe sie sich offenbart. Der Richter: „Sie befand sich in einem Teufelskreis!“ Alte Kredite wurden mit neuen fingierten Darlehen getilgt. Der Halbbruder der sich angeblich nach China abgesetzt hat, soll rund 400000 Euro Finanzhilfe erhalten haben, die Stiefmutter rund 100000 Euro.

Die Sparkasse Saarbrücken geht von einem Schaden – einschließlich der Zinsen – von mehr als einer Million Euro aus. Das Gericht listete eine Summe von über 800000 Euro auf. Richter Kuklik kreidete der Frau an, dass sie „teilweise in die eigene Tasche“ gewirtschaftet habe und sich ein Luxus-Leben finanzierte. Sie habe deutlich „über ihre Verhältnisse gelebt“, an nur einem Tag 10000 Euro für Kleider ausgegeben. Zu Gunsten der nicht vorbestraften Ex-Bankmitarbeiterin würdigte das Gericht neben ihrem Geständnis auch das Bemühen, um Wiedergutmachung des Schadens. Obwohl ihr derzeitiges Einkommen unterhalb der Pfändungsfreigrenze liege, zahle sie monatlich 500 Euro. Die Frau hatte sich vor dem Urteil unter Tränen entschuldigt: „Es tut mir unheimlich Leid. Ich würde es gerne ungeschehen machen, aber ich kann es nicht. Ich war gerne bei der Sparkasse.“

Staatsanwalt Raffael Becker hatte eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und zwei Monaten beantragt. Verteidigerin Martina Despi plädierte auf eine Bewährungsstrafe. Sie argumentierte unter anderem, ein Teil des Schadens werde von einer Versicherung der Sparkasse gedeckt. Die Anwältin will prüfen, ob sie Revision gegen das Urteil einlegt. Das Gericht wies darauf hin, dass die Frau, die wegen ihrer Behinderung besonders haftempfindlich sei, ein Gnadengesuch beim Generalstaatsanwalt stellen könne. 
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