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Untreueverdacht bei der Tafel: Caritas zieht Konsequenzen

Kelsweilerstraße 15: Hier ist die St. Wendeler Tafel untergebracht. Mittlerweile leitet eine Caritas-Festangestellte die Ausgabe an Bedürftige. Fotos: Matthias Zimmermann

Kelsweilerstraße 15: Hier ist die St. Wendeler Tafel untergebracht. Mittlerweile leitet eine Caritas-Festangestellte die Ausgabe an Bedürftige. Fotos: Matthias Zimmermann

Das Richtige wollen und das Richtige tun – das sind zwei Paar Schuhe. So sieht es Michael Schütz. Damit bezieht sich der Direktor der Caritas Schaumberg-Blies auf Vorkommnisse bei der St. Wendeler Tafel, für die sein Verband als Träger verantwortlich ist. Staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen eine Mitarbeiterin wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten hatten die Einrichtung Ende 2015 in die Schlagzeilen gebracht. Demnach sollte die Ehrenamtliche bei Spenden zugelangt haben, die eigentlich für Bedürftige bestimmt waren. Mittlerweile sind viele dieser Vorwürfe vom Tisch (siehe: „Hintergrund“).

 

Schütz stellt sich demonstrativ vor die Betroffene. „Meine persönliche Meinung ist, dass sie nichts Unrechtes vor hatte.“ Was der Caritas-Chef vielmehr mit seiner Einschätzung darlegen will: Ehrenamtliche Kollegen zeigten viel Engagement.

 

„Aber die Arbeit der Tafel hat an Komplexität zugenommen.“ Rechtliche Bestimmungen zum Beispiel bei der Spenden-Ausgabe an Empfänger müssten bis ins kleinste Detail beachtet werden. Dazu gebe es bei der Caritas mittlerweile einen schriftlichen Leitfaden. „Da kann man schnell den Überblick verlieren“, gibt Schütz zu. Dadurch könne aus dem „gut gemeint“ des gemeinnützig Tätigen nicht immer ein „gut gemacht“ werden. Vielleicht sei es deswegen bei der Beschuldigten zu Irritationen gekommen, die in staatsanwaltschaftliche Ermittlungen mündete.

 

Die Caritas habe daraus Konsequenzen gezogen: „Seit dem 1. Januar haben wir eine halbe Hauptamtlichenstelle eingerichtet“, vermeldet Schütz. Sie habe von der Ehrenamtlichen die Leitung der St. Wendeler Tafel übernommen, die an drei Tagen pro Woche an rund 250 Haushalte hauptsächlich Lebensmittel, aber auch andere Spenden ausgibt. Damit erreiche die Einrichtung laut Caritas-Sprecher Christof Scheid geschätzte 800 Menschen aus dem Landkreis St. Wendel , die wöchentlich die Hilfe in Anspruch nehmen. Insgesamt seien 1200 berechtigt, sich an die Tafel zu wenden. Seit dem sprunghaften Zuzug von Flüchtlingen im Vorjahr habe sich der Anspruch an die Tafel erhöht. „Das ist der stärkste Zuwachs, den ich seit Bestehen erlebt habe“, kommentiert Schütz. Die St. Wendeler Tafel hatte am 21. März 2007 ersten Ausgabetag und versorgte die Menschen anfänglich einmal wöchentlich.

 

Die neue Hauptamtliche werde nach Schütz' Angaben von einer weiteren Mitarbeiterin unterstützt. Diese Professionalisierung soll rechtlichen Grauzonen wie zuletzt entgegenwirken. Gleich nach Bekanntnwerden der Vorwürfe gegen die ehrenamtliche Kollegin habe Schütz mit seiner Führungsriege dieses „Krisenmanagement“ als Konsequenz gestartet.

 

Das lasse sich Caritas dieses Jahr einiges zusätzlich kosten, erläutert deren Direktor. So klaffe ein dickes Minus: 45 800 Euro muss der Verband als Träger trotz Zuweisungen des Bistums Trier und sonstiger Fördertöpfe draufzahlen. Ein Jahr zuvor ´habe das Defizit bei 28 880 Euro gelegen. Pro Jahr gibt Caritas 248 000 Euro für die Tafel aus.

 

Wegen dieses Kostensprungs setzt der Caritas-Direktor auf Unterstützung durch die Kreisstadt. Diese weise seit Jahren keine Zuschüsse aus, teilt er mit. Anders im Nachbarkreis, wo Neunkirchen 15 000 Euro pro Jahr zuschießt. Auch dort betreibt die Caritas Schaumberg-Blies eine Tafel.

 

Zum Thema:

 

Hintergrund Wegen des Verdachts, eine ehrenamtliche Mitarbeiterin soll sich an Spenden der St. Wendeler Tafel bereichert haben, die für Bedürftige bestimmt waren, ist die Einrichtung sowie das Zuhause der Beschuldigten im November 2015 durchsucht worden. Kollegen hatten sie angezeigt. Außerdem ermittelte die Saarbrücker Staatsanwaltschaft gegen die langjährige Helferin. Des Weiteren ging es mutmaßlich um Unregelmäßigkeiten bei Abrechnungen eines dienstlich genutzten Privatautos, Versicherungsbetrug und um eine geplünderte Kaffeekasse. Ein Großteil der Vorwürfe wurde im Juli dieses Jahres fallen gelassen. Übrig blieb ein Untreuevorwurf. Demnach soll die Frau Gutscheine für sich benutzt haben, die für Tafel-Bezieher gedacht waren. Die Angelegenheit liegt nun beim St. Wendeler Amtsgericht zur Entscheidung. Die Betroffene, die sieben Jahre ehrenamtlich für Caritas die Arbeit koordinierte, ist nicht mehr im Dienst. Ihren Job übernahm zum Jahreswechsel eine Hauptamtliche. hgn  
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