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Urban Art: Graffiti-Treffen startet heute

Das Einhorn, das aus dem Sprühnebel kam: Loomit, alias Mathias Köhler, war der erste, der zum Urban Art Meeting anreiste und an der Saarbrücker Graffiti-Wand arbeitete.

Das Einhorn, das aus dem Sprühnebel kam: Loomit, alias Mathias Köhler, war der erste, der zum Urban Art Meeting anreiste und an der Saarbrücker Graffiti-Wand arbeitete.

Saarbrücken. Offiziell startet das Urban Art Meeting erst am heutigen Freitag. Doch aufmerksamen Staden-Spaziergängern dürfte aufgefallen sein: Einige Graffiti-Künstler haben am Mittwoch schon angefangen, die große Autobahnwand zu bearbeiten. Loomit etwa, einer der Stars der Szene und einer der Pioniere der ersten Stunde, der schon einmal 1994 an einem Meeting auf dem Saarbrücker Schlossplatz teilnahm.

„Ich muss Freitag schon weiter nach Wiesbaden zum nächsten Festival“, erklärt der vielgefragte 44-Jährige, der mit bürgerlichem Namen Mathias Köhler heißt, den Grund. Er ist im Ostallgäu aufgewachsen, hat schon als Kind viel gemalt und gezeichnet. „Das hat sich nicht nur auf Papier beschränkt, sondern ging über die Gartenmauer bis an die Tapeten meines Kinderzimmers“, erzählt er. Als er hörte, dass in New York Jugendliche U-Bahnen besprühen, hat er sich dann am örtlichen Wasserturm vergriffen. Als er ein Jahr später, 1983, mit der Mutter nach München umzog, war er ebenfalls der erste Graffiti-Mann und sorgte für Furore, als er einen kompletten S-Bahnzug mit der Sprühdose verzierte. „Am Anfang war alles illegal, aber ich hab mich schon 1985 drum gekümmert, dass es in München legale Flächen gab“, betont Loomit. Denn er hatte den Ehrgeiz, „möglichst groß und viel zu machen, und nachts ist die Zeit ja sehr begrenzt und man musste zusehen, das man davonkommt.“

Seine legalen Arbeiten auf einem ehemaligen Militärgelände mit Flohmarkt erregten damals das Interesse erster Kunden, die ihm bezahlte Aufträge gaben. Seit 1988 kann der Münchner von der Graffiti-Kunst leben. „So 30 bis 40 Prozent meiner Arbeiten wird bezahlt“, sagt Loomit. „Ich achte darauf, dass ich meine Miete und das Essen bezahlen kann, aber im Großen und Ganzen mache ich das noch aus Spaß und Leidenschaft an der Malerei.“

Das gilt auch für Nychos alias Nikolaus Schuller. Der knapp 33-jährige Wiener, der in Sarbrücken mit einer zehnköpfigen Crew ein Abendmahl-Gemälde gestalten will, ist knapp 20 Jahre nach Loomit eingestiegen. Auch er hat schon immer leidenschaftlich gern gezeichnet und auf Leinwand gemalt. Wie die meisten in der Szene sind Nychos und Loomit Autodidakten. Man entwickele sich weiter, indem man sich an anderen orientiere, aber auch an der Kunstgeschichte und vor allem durch Üben. „Du zeichnest wie ein Wahnsinniger“, lobt Loomit den Jüngeren. Eine gute Zeichnung ist das A und O für gelungenes Graffiti, sind sich beide einig.

Nychos lebt seit 1999 von der Sprühkunst und reist viel. Gerade war er in Bristol und in Lyon. In Frankreich werde Graffiti viel mehr als Kunst anerkannt als in Deutschland und Österreich, findet Nychos. In Frankreich hat auch Loomit sein Motiv für Saarbrücken ausgesucht, wegen der Grenznähe. Er will „Die Dame mit dem Einhorn“, Motiv eines Gobelins aus dem 15. Jahrhundert, für sein Werk an der Autobahnwand verarbeiten. „Das wird aber keine Märchenfee“, sagt Loomit. Sondern vielleicht eine mit Cowboyhut.



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