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„Urban Art“ im Weltkulturerbe Völklinger Hütte: Ein Mekka für Sprüher und Rapper

„Wir haben uns als eines der wichtigsten Zentren urbaner Kunst international etabliert“, sagt Meinrad Maria Grewenig . Der Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte neigt zum Gebrauch von Superlativen. In diesem Fall liegt ein solcher tatsächlich auf der Hand, liest man die Liste der mehr als 80 Künstler aus 21 Ländern, die bei der diesjährigen „Urban Art Biennale“ vertreten sind: Viele – wie zum Beispiel Jef Aérosol, Cope2, Shepard Fairey oder Swoon – gehören zu den Stars der internationalen Szene, deren Sprüh-Kunst mittlerweile Einzug in Museen weltweit gefunden hat. Einige waren schon bei den „Urban Art“-Ausstellungen 2011 und 2013 dabei, darunter die Saarländer Raks und Reso alias Patrick Jungfleisch. Letzterer ist in der Sprayer-Szene bestens bekannt und vernetzt. Er hat Grewenig und sein Team bei der Künstlerauswahl beraten. In Völklingen ist man sicher: ,,Wir sind am Puls der Zeit.“ Tatsächlich greift die Kunst von der Straße brandaktuelle Themen wie den Islamistischen Terrorismus und die Anschläge auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ auf.

In diesem Jahr wird die Ausstellung noch größer. Man habe neben der 10 000 Quadratmeter großen Möllerhalle neue Räume für die großformatige Graffiti-Kunst erschlossen, und im „Das Paradies“ genannten Industriekulturgarten sollen bis Ende April rund 30 „Murals“ (mit Lack gesprühte Wandgemälde) und Installationen entstehen. Am 14. April wird dieser Parcours eröffnet. Einige dieser temporären Kunstwerke sollen dauerhaft in der Hütte bleiben.

Mit Straßenkunst aus dem arabischen Raum und speziell Ägypten setzt die Biennale erstmals einen Länderschwerpunkt. „Dort zeigt sich die Urban Art als Triebfeder einer Revolution“, nimmt Grewenig Bezug auf den Arabischen Frühling. „Diese Kunst, die in den Stadtraum eingreift, ist extrem aussagekräftig und erfordert eine Stellungnahme.“ Auch Künstler aus Polen und Russland werden vertreten sein – als Referenz zum diesjährigen Motto der Musikfestspiele Saar, denn Grewenig hat immer auch kulturelle Vernetzung und Vermarktung im Blick.

Auch deshalb setzt er auf die Jugendkultur, auf Graffiti und HipHop – und will die „Urban Art Biennale“ langfristig zu einem Event mit einer ganzen Reihe von Angeboten ausbauen, die auf ein jüngeres, mobiles, gut vernetztes Publikum zugeschnitten sind, das auch über die Musik zur Kunst kommt – oder umgekehrt. Deshalb wird es am 17. Juli erstmals ein „HipHop-Festival“ auf dem Hüttenareal geben, zu dem sich einige der angesagtesten Rapper Deutschlands angekündigt haben (siehe Info-Kasten). Zwei Tage später findet die dritte Ausgabe des „Electro Magnetic Festivals“ für elek-tronische Musik und Lichtinstallation statt – mit bekannten DJs aus aller Welt. Jeweils 10 000 Besucher erwartet man pro Festival – doch die Zielgruppen seien ganz verschieden, so Grewenig.

Überhaupt denkt der Kulturmanager ganzheitlich. „Wir wollen mehr als nur eine Regionalversorgung mit Kultur“, sagt er. „Die Fördertöpfe werden immer kleiner, deshalb geht es immer auch um touristische Fragestellungen und kulturwirtschaftliche Effekte.“ Mit der „Urban Art“ treffe man einen Nerv, sie sei eine maßgebliche Kunstrichtung des 21. Jahrhunderts und gehöre ins Zentrum, nicht an die Peripherie. Von „breitensubventionierter Elitenkultur“ will der Generaldirektor nichts wissen. Die Sprüher und Rapper passen also bestens ins Weltkulturerbe.

 

Zum Thema:

Die „Urban Art Biennale 2015" läuft bis 1. November. Eröffnung am Sonntag, 17 Uhr, mit einer HipHop-Party mit Toni-L und Aphroe. Das erste „Urban Art HipHop-Festival (www.urbanart-festival.de) mit deutschsprachigen Rappern wie Genetikk, Kollegah, Haftbefehl, SSIO, DCVDNS, Antilopen Gang, Karate Andi, Drehmoment und anderen findet am 17. Juli statt. 19. Juli: Drittes „Electro-Magnetic“-Festival für elektronische Musik. Zu den aktuellen Ausstellungen „Ägypten – Götter. Menschen. Pharaonen“ (bis 12. April), „Die Röchlings und die Völklinger Hütte“ (bis 26. April), „Urban Art“ und im „Science Center Ferrodrom“ gibt es am Sonntag stündlich Führungen, auch für Kinder. Freier Eintritt am Sonntag. esb  
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