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„Urin tötet Blumen“

Der Kirchgarten der Saarbrücker Johanneskirche wird zunehmend von Drogen- und Alkoholkranken als Toilette und Drogenumschlagplatz missbraucht.

Der Kirchgarten der Saarbrücker Johanneskirche wird zunehmend von Drogen- und Alkoholkranken als Toilette und Drogenumschlagplatz missbraucht.

  Wenn die Menschen mit den Kuscheltieren kommen, wird es unangenehm. Im Inneren der Plüschspielzeuge, sagt Isabel Freund, seien nämlich die Drogen versteckt, die im Garten neben der Johanneskirche verkauft werden – am helllichten Tag.

Isabel Freund arbeitet im Café Exodus gegenüber. Und was sie und andere aus der Nachbarschaft immer öfter beobachten, mache Angst, sagt die junge Frau: „das schwierige Zusammentreffen von Schulschwänzern aus bildungsfernen Schichten mit Drogenabhängigen“. Dass durch die Begegnung von Jugendlichen, die keine Lust auf Schule haben und lieber im Kirchgarten in der Nähe der Saarbahnhaltestelle „abhängen“, und den Drogen- und Alkoholkranken, die sich ebenfalls dort aufhalten, neue „Drogenkarrieren“ entstehen, ist nur eine Sorge der Anwohner. Die andere: Der Kirchgarten wird zur Toilette dieser beiden Gruppen und zum Ort, an dem man sich Drogen spritzt.

„Uns ist aufgefallen, wie oft Leute da nicht nur sitzen, sondern reinpinkeln. Beim Absperren haben wir auch Spritzen gefunden. Schade, es ist so ein schöner Garten“, sagt Luisa Fuchs vom Exodus. „Da sitzen auch manchmal Mütter mit Kindern. Und es muss ja nicht sein, dass ein Kind, das da spielt, ruft: ,Mama, ich habe eine Spritze gefunden’“, findet sie. Das Exodus-Team, das Hotel Madeleine und die Eisdiele am Kirchgarten, verwalten die Schlüssel für die Tore des Gartens. „Der Park muss offen bleiben. Deshalb haben wir das mit den Schlüsseln neu organisiert und engagieren uns da“; sagt Exodus-Leiter Martin Bauer. Um so größer sei der Ärger, weil „das mit den Spritzen zugenommen hat“. Auch hinterm Stromkasten direkt neben dem Jugendkulturcafé seien ab und zu Spritzen zu finden. Um diejenigen, die den Park missbrauchen, auf das Problem aufmerksam zu machen, haben die jungen Leute Schilder aufgestellt. „Schreib dich nicht ab. Lern, die Toilette zu benutzen!“, steht da drauf. Oder: „Urin tötet Blumen.“ Und: „Gib AIDS keine Chance.“ Auch der Hinweis, dass „Pipi“ nur in Zusammenhang mit „Langstrumpf“ schön ist, fehlt nicht.

Früher habe sie den Park gar nicht als öffentlichen Ort wahrgenommen, sagt Eva Gressung vom Exodus. Eben weil die Türen immer zu waren. So weit soll es nicht mehr kommen. Das findet auch Lieselotte Hartmann von der Initiative Nauwieser Viertel. Der Park könne sogar noch an Bedeutung für das Viertel gewinnen, wenn man sich gut um ihn kümmert, glaubt sie.

Ob ein paar Schilder da helfen? Man habe das alles bewusst auch etwas lustig gestaltet, sagt Luisa Fuchs. „Das kommt hoffentlich nicht böse rüber“, hofft sie – sondern als Hilferuf von Menschen, die eine grüne Oase, einen Ort der Ruhe nicht einfach preisgeben wollen. Man setze aber nicht nur auf die Schilder. Das Exodus-Team hat auch bereits mit der Polizei gesprochen. Die wolle öfter mal vorbeischauen im Kirchgarten.

Hintergrund

Der Garten an der Johanneskirche wurde Anfang Juli 2003 eröffnet. Sieben Jahre lang hatten zuvor unter anderem Stadtverwaltung, Stadtverordnete und das Saarbrücker Bürgerforum um die Zukunft des Kirchgartens gerungen.

Probleme mit Drogen gibt es nicht zum ersten Mal. 2006 hatte Pfarrerin Martina Rief über „Schmutz, Vandalismus, Drogenhandel“ im „geschützten Raum“ des Kirchgartens geklagt und die Polizei zu Hilfe gerufen. ols

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