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Urlaub in Deutschland: Saarland hat aufgeholt

Die Küste: Ost- und Nordsee laufen traditionell gut. In Schleswig-Holstein legte die Ostseeregion im ersten Halbjahr um 6,5 Prozent auf 4,97 Millionen Übernachtungen zu. Das Urlaubsziel Nordsee schaffte ein Plus von 3,8 Prozent auf 3,7 Millionen. Auch Mecklenburg-Vorpommern profitiert vom boomenden Tourismus. Im gesamten Jahr wird mit 30,5 Millionen Übernachtungen ein Rekord erwartet. Innerhalb des Landes gibt es aber Unterschiede: Während die Küste enorm gefragt ist, gab es im ersten Halbjahr im Binnenland Rückgänge – obwohl es etwa mit der Mecklenburgischen Seenplatte und vielen Schlössern und Herrenhäusern attraktive Reiseziele gibt. Man habe noch Nachholbedarf beim Marketing, teilweise auch beim Angebot, heißt es.

 

 

Das Ruhrgebiet: Dass „der Pott“ mehr ist als Kohle und Stahl, hat sich spätestens im Kulturhauptstadtjahr 2010 rumgesprochen: Kunst auf alten Halden, Theater in Industriehallen, malerische Altstädte. Seit 2001 wartet der größte Ballungsraum Deutschlands außerdem mit einer Welterbestätte auf: Zeche und Kokerei Zollverein. Jährlich besuchen 1,5 Millionen Menschen das weitläufige Industriedenkmal. Vor allem für Kurzreisen ist die Region beliebt. Im ersten Halbjahr zählten Statistiker mehr als 3,1 Millionen Übernachtungen, plus 3,3 Prozent.

 

 

Die Mittelgebirge: Harz, Rhön, Erzgebirge, hier läuft es unterschiedlich. Das Sauerland konnte 2015 bei den Gästezahlen einen kräftigen Zuwachs verbuchen. Viele kamen aus dem Ausland, vor allem aus den Niederlanden und Belgien. Anderswo ist die Entwicklung eben – mittel. Die Touristiker in den südniedersächsischen Mittelgebirgen sind mit dem Jahr bisher ganz zufrieden. Von einem Boom könne aber keine Rede sein, heißt es bei den Verbänden im Harz und im Weserbergland. Einzige Besonderheit: Mehr Gäste aus Holland und Dänemark kommen in den Harz.

 

Das Saarland: Im ersten Halbjahr war die Lage bescheiden. Der Zuwachs bei den Übernachtungen betrug lediglich 0,1 Prozent – nur drei Bundesländer waren noch schwächer. Insgesamt läuft es im Saar-Tourismus aber gut bis sehr gut. Seit der Eröffnung des Center Parcs am Bostalsee Mitte 2013 sind die Zahlen in die Höhe geschossen – von 2,28 Millionen Übernachtungen 2012 auf 2,98 Millionen 2015. In diesem Jahr will die Chefin der Tourismus-Zentrale, Birgit Grauvogel, die Drei-Millionen-Grenze knacken. Auch nach dem schwächeren Jahresbeginn sei das „machbar“. Erfreulich sei bisher das deutliche Plus bei Übernachtungen von französischen Gästen um fast 20 Prozent gewesen. Insgesamt hätten inzwischen viel mehr Menschen das Saarland als Reiseland „auf dem Schirm“. Unter anderem wegen einer starken Präsenz in den neuen Medien. Für Grauvogel, seit 14 Jahren Tourismus-Chefin, hat das Saarland gegenüber der Konkurrenz vor allem einen großen Vorteil: „Wir haben auf kleiner Fläche viel zu bieten.“

 

 

Die Städte: Man muss ja nicht immer nur auf Berlin schauen. Auch „Hypezig“ macht seinem Namen alle Ehre. In der als hip geltenden Stadt Leipzig wächst nicht nur die Bevölkerung, sondern auch bei den Besucherzahlen geht es seit Jahren aufwärts. 2015 gab es mit rund 2,83 Millionen Übernachtungen den zehnten Rekord in Folge. Auch das erste Halbjahr 2016 lief gut. Auch anderswo boomen Städtetrips, etwa in Hessen: Im ersten Halbjahr zählten Hotels und Pensionen so viele Übernachtungen wie nie, rund 15,5 Millionen. Grund für die steigenden Zahlen sind besonders die vielen Geschäftsreisenden nach Frankfurt und ins Rhein-Main-Gebiet. „Die Städte boomen, das Wachstum auf dem Land ist weniger stark“, heißt es beim Tourismusmarketing. Das merkt man auch in Rheinland-Pfalz: Dort hatte es im ersten Halbjahr die Eifel schwer. Die Zahl der Übernachtungen sank im Jahresvergleich um 7,1 Prozent.

 

 

Der Süden: Für das erste Halbjahr meldet Bayern knapp 41 Millionen Übernachtungen, etwa fünf Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Beliebteste Ziele? Oberbayern und München, das Allgäu und der Bayerische Wald. Gerade auch Ausländer mögen die Gegend: Im Zehn-Jahres-Vergleich war Bayern vor allem bei Urlaubern aus den USA, den Niederlanden und der Schweiz gefragt. Weiter westlich liegt der Nordschwarzwald. Auch dort trifft man heute mehr Tagesgäste, die 14-Tage-Urlauber gibt es kaum noch.

 

 

Der Osten: Eingelegte Gurke, Kahnfahrt – damit wirbt der Spreewald seit Jahren. Das Unesco-Biosphärenreservat zählt mit seinem kleinteiligen Wassernetz zu den beliebtesten Zielen in Brandenburg. Und es kommen immer mehr Touristen – aus dem In- und Ausland. Die Zahl der Übernachtungen stieg laut Tourismusverband im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund elf Prozent. Viele Berliner machen einen Abstecher in die Region, auch ein Pluspunkt.

 

Meinung:

 

Auf dem richtigen Weg

Von SZ-Redakteur Thomas Schäfer

 

Auch wenn die jüngsten Zahlen etwas anderes sagen: In Sachen Tourismus ist das Saarland auf einem guten Weg. Falls die Prognosen zutreffen, wird es an Silvester knapp eine Million Übernachtungen mehr gegeben haben als noch vor sechs oder sieben Jahren. Fraglos hat daran der Center Parc am Bostalsee den entscheidenden Anteil. Aber auch die Saarland-Therme oder ganz frisch der Baumwipfelpfad an der Saarschleife sorgen dafür, dass sich mehr Menschen für das Saarland interessieren. Dazu kommen globale Entwicklungen: Der Terror in der Welt, eine neue Faszination für die Natur oder der demografische Wandel – alles keine Nachteile, wenn es darum geht, neue Leute ins Land zu locken.

 

Die besser gewordenen Chancen sollte das Saarland konsequent nutzen. Doch wir müssen es auch wollen, müssen uns darauf einlassen, eine Touristenregion zu sein. Dazu gehört vor allem, Gäste freundlich zu empfangen. Zwar kommt keiner nur wegen der netten Leute. Aber niemand kommt nochmal, wenn sie unfreundlich waren.
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