A62 Landstuhl Richtung Nonnweiler Zwischen AS Freisen und AS Birkenfeld Gefahr durch ungesicherte Unfallstelle (08:08)

A62

Priorität: Sehr dringend

1°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
1°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

VSE und Saarstahl betreiben Kraftwerk Ensdorf zusammen

Kraftwerk Ensdorf

Kraftwerk Ensdorf

Von Thomas Sponticcia und Lothar Warscheid (SZ)

Saarbrücken/Ensdorf. Seit Monaten wird hinter den Kulissen heftig um die Zukunft des Kraftwerks Ensdorf gerungen, das eine wesentliche Säule der Energieversorgung für die saarländische Industrie darstellt. Nun wollen der Elektrizitätsversorger VSE und die Völklinger Saarstahl AG den Block 3 des Kraftwerks Ensdorf übernehmen. Dieser gehört noch dem Essener Stromversorger RWE Power und wird von der VSE im Auftrag von RWE Power betrieben. Mit großer Leistung. So verfügt der RWE-Block über 310 Megawatt (MW), der Block 1 von VSE bringt es auf 120 MW Leistung. Durch die Übernahme des kompletten Kraftwerks Ensdorf zusammen mit der VSE hat vor allem Saarstahl künftig den strategischen Vorteil, dass von dort Strom für die industrielle Eigenerzeugung des Stahlkonzerns gewonnen werden kann.

 Das hätte auch den Charme, dass diese Stromlieferungen von der Umlage aus dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) befreit würden, die derzeit bei 3,5 Cent pro Kilowattstunde (kWh) liegt. Allein für 2011 rechnet Saarstahl mit einer EEG-Umlage von 24,7 Millionen Euro, wie Saarstahl-Chef Klaus Harste kürzlich vorrechnete. Allerdings gilt dieses Eigenstrom-Privileg nur, wenn dieses Modell der industriellen Eigenerzeugung bis zum 31. August unter Dach und Fach ist. Denn die elektrische Energie fließt vom Kraftwerk Ensdorf zu Saarstahl über das normale Stromnetz. Will jemand nach dem 31. August seine industrielle Stromerzeugung über ein allgemeines Netz lenken, sehen die gesetzlichen Bestimmungen vor, dass die EEG-Umlage gezahlt werden muss. Alle vorher betriebenen Anlagen genießen Bestandsschutz. Eigenstrom-Anlagen, die nach dem 31. August ihren Betrieb aufnehmen, werden nur noch von der EEG-Umlage befreit, wenn ein eigenes Netz vorhanden ist – zum Beispiel innerhalb eines großen Firmengeländes. Daher drängt für Saarstahl und die VSE die Zeit.

Doch auch wegen des enormen Strombedarfs kann sich eine regionale Lösung für Saarstahl schnell bezahlt machen. Denn schon heute benötigt das Unternehmen, nicht zuletzt wegen der hochmodernen Schmiede, jährlich rund 750 Gigawattstunden Strom. Mit weiter steigender Tendenz infolge einer zunehmenden Auftragslage. Zum Vergleich: Das ist jetzt schon mehr als der gesamte Strombedarf der Stadt Völklingen.

Die gefundene Lösung bringt also Planungssicherheit, aber durch den Einstieg von Saarstahl in den Ensdorfer VSE-Kraftwerkspark auch zusätzliches unternehmerisches Risiko. Daher hatte Saarstahl nach Auskunft aus Aufsichtsratskreisen auch einen Stresstest zur Voraussetzung gemacht, um in dieses Geschäft einsteigen zu können. Die Technik wurde auf Herz und Nieren überprüft, um mögliche Schwachstellen herauszufinden. Diese Überprüfung ist offenbar zur Zufriedenheit von Saarstahl ausgefallen, zumal RWE Power den Block 3 erst vor Jahresfrist einer gründlichen Revision unterzogen hat.

Dennoch bleiben trotz des Deals immer noch Risiken. Offen ist beispielsweise, wo sich die Handelspreise bei den CO2-Zertifikaten einpendeln, was künftig der Strom an der Leipziger Energiebörse EEX einbringt und wie sich die Weltmarktpreise für Kohle entwickeln werden. Diese liegen derzeit mit rund 100 Euro pro Tonne relativ hoch. Außerdem muss ab Mitte kommenden Jahres die gesamte Kohle importiert werden, da die saarländische Förderung endgültig wegfällt. Allerdings wurde das Kraftwerk rechtzeitig auf Importkohle umgestellt, die sich dem Vernehmen nach inzwischen sehr gut für den Einsatz im Kraftwerk eignet.


Hintergrund
Im Saarland beträgt die elektrische Leistung aller Kraftwerke rund 3000 Megawatt (MW). Hinzu kommen 773 MW, die als Fernwärme ausgekoppelt werden. In den meisten Kraftwerken wird Steinkohle zur Stromerzeugung eingesetzt. Die größten Anlagen sind das Kraftwerk Bexbach mit einer Leistung von 780 MW, gefolgt von Weiher.III (Göttelborn) mit 724 MW. Die beiden Blöcke in Ensdorf sind die ältesten Kraftwerke im Land. Sie gingen 1963 (Block I) und 1971 (Block 3) in Betrieb, wurden aber immer wieder ertüchtigt.

Die Landesregierung will die Energiewirtschaft bei dem Ziel unterstützen, „bestehende Kraftwerke zu modernisieren, die vorhandene Wertschöpfung im Saarland zu erhalten und neue und klimafreundliche Erzeugungsanlagen zu errichten“, heißt es in dem Masterplan Energie. low
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein