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VVS Saarbrücken will Gaskraftwerk an ZF verpachten

 Dieses VVS-Gaskraftwerk steht in unmittelbarer Nachbarschaft zum Gelände des Getriebebauers ZF.

Dieses VVS-Gaskraftwerk steht in unmittelbarer Nachbarschaft zum Gelände des Getriebebauers ZF.

Die Personalie kommt harmlos daher. Thomas Severin, Sprecher der Geschäftsführung des Saarbrücker Versorgungs- und Verkehrskonzern VVS, gehört seit gestern nicht mehr dem Vorstand des Strom-, Gas- und Fernwärme-Verkäufers Energie Saar-Lor-Lux (ESLL) an. Genannt werden „strategische Gründe“. Dahinter steckt allerdings ein aufziehender Konflikt zwischen VVS und ESLL. Dort ist die VVS mit 49 Prozent beteiligt. 51 Prozent hält die Deutschland-Tochter des französischen Energie-Konzerns GDF Suez.

Denn die VVS will ihr neues Gaskraftwerk, das sie vor knapp zwei Jahren im Saarbrücker Industriegebiet Süd in Betrieb genommen hat, an den Automatikgetriebe- Hersteller ZF verpachten. Das erfuhr unsere Zeitung aus gut informierten Kreisen. Das ZF-Gelände ist nur 500 Meter von der Gasturbine entfernt. Wegen dieser Nachbarschaft hätte ZF dann eine Eigenstrom-Erzeugung. Der Vorteil: Der Getriebebauer müsste für diesen Strom keine Abgabe mehr aus dem Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG) zahlen und wäre außerdem weitgehend von den Netzentgelten befreit. Mit dem EEG wird Strom aus Wind, Sonne oder Biomasse subventioniert. Ab 2014 steigt die EEG-Abgabe um fast einen Cent auf 6,24 Cent pro Kilowattstunde. Der Vorteil für die VVS wäre, dass sie mit ihrer Gasturbine wieder Geld verdienen würde. Derzeit schreibt das Kraftwerk, das 50 Millionen Euro gekostet hat, rote Zahlen. Es ist zu selten in Betrieb, weil grüner EEG-Strom im Netz Vorfahrt hat. Dennoch muss es im Winter Strom erzeugen und ihn an der Börse verscherbeln, weil über das Kraftwerk zahlreiche Fernwärme- Kunden versorgt werden müssen.

Die geplante Verpachtung des Kraftwerks an ZF passt ESLL allerdings nicht, weil der Getriebebauer einer der größten Stromkunden des Unternehmens ist. Daher müssen die „Kooperationspartner VVS und ESLL neue ergänzende Vertragsbedingungen ausarbeiten und verhandeln“. Weil Severin bei diesen Auseinandersetzungen befangen wäre, legte er gestern sein ESLL-Vorstandsmandat nieder. Die ESLL-Chefetage besteht künftig nur noch aus Jochen Starke und Joachim Morsch. Gestern wurde der Konflikt Beobachtern zufolge in einer mehrstündigen ESLLAufsichtsratssitzung bereits heftig diskutiert. ZF gibt sich noch zurückhaltend. Das Unternehmen suche im Rahmen ihres Energie-Managements nach Partnern, heißt es. Die VVS sei einer der Partner, mit denen man spreche.

Für vier kleinere VVS-Gasturbinen hat das Unternehmen ebenfalls eine Lösung parat, um mit ihnen nicht mehr rote, sondern schwarze Zahlen zu schreiben. Der Versorger will in ihnen künftig Biogas verfeuern und käme damit in den Genuss der subventionierten und komfortablen EEG-Tarife.
 

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