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Verband: Zu wenig Saarländer gehen ins Museum

Von SZ-Redakteurin Cathrin Elss-Seringhaus

Saarbrücken. Bei Jubiläen setzt man gerne die rosarote Brille auf. Im Fall des Saarländischen Museumsverbandes e. V. (SMV) wäre das sogar angemessen, zumindest mit Blick auf die eigene Entwicklung. Denn was vor 25 Jahren als eine Art Heimatforscher-Club begann, ist heute eine Dienstleistungs-Zentrale: aus dem Mini-Verband der Heimatmuseen wurde der Dachverband nahezu aller Saar-Museen. Über 60 sind es, von der ehrenamtlich geführten Dorf-Heimatstube bis zum Massenmagneten und Top-Profi Weltkulturerbe. Fast die Hälfte der Museen sind volks- und heimatkundlicher Art (30), nur sieben Kunstmuseen gibt es. Weil auch Kommunen und Landkreise Mitglied sein können, liegt die Mitgliederzahl bei 104. Also wäre heute, beim Festakt in der Alten Völklinger Hütte, ein erfreuliches Wachstum zu feiern.

Doch wenn man dem (ehrenamtlichen) Geschäftsführer des SMV, Rainer Raber (66), eines nicht nachsagen kann, ist es Selbstgefälligkeit. Man habe zwar Grund, stolz zu sein, sagt er und verweist auf die Qualifizierungs- und Professionalisierungs-Angebote des Verbandes. Auch kann Raber – seit 1997 an der Verbandsspitze – einen seiner Meinung nach satten Tätigkeitsbericht abliefern: vom Anschluss des Saarlandes an die bundesweite Digitalisierung der Bestände aller Museen (DigiCult), über die Plattform „Museumswelten“ auf der Saarmesse, bis hin zum „Museumstipp des Monats“, den die Tourismuszentrale Saar unterstützt, und zum Saarland-Führerschein für Grundschüler („Regional total“).

Doch zugleich spricht er über die „mangelnde Akzeptanz“ der Saarländer wie ihrer Politiker gegenüber den Museen. Er stellt fest: „Den passionierten Museumsbesucher gibt es hier nicht. Das Saarland ist ein künstliches Gebilde. Die Idee für den Erhalt des kulturellen Erbes kam verspätet an, erst in den 80er Jahren. Deshalb ist die Beziehung zwischen den Menschen und den Museen noch nicht wirklich gewachsen.“

Dabei sieht die Statistik für ein Land mit einer Million Einwohner auf den ersten Blick gar nicht übel aus: 2010 wurden 816.169 Besuche gezählt. Zudem herrscht im Vergleich mit anderen Bundesländern eine überdurchschnittlich muntere Ausstellungstätigkeit. Im Jahr 2009 waren es jedoch nur 503.838 Besuche. Derart starke Schwankungen sind typisch, verursacht werden sie durch die Groß-Events etwa des Weltkulturerbes oder des Saarlandmuseums. Der Anteil allein dieser Institutionen an der Gesamtbesucherzahl liegt durchschnittlich bei 400 000 Besuchen. Laut Raber bleiben für die kleineren Häuser mitunter nur 250 bis 350 Besucher pro Jahr: „Damit kann man sich unmöglich zufrieden geben“.

Er hält das Saarland in Sachen Resonanz auf Museumsangebote nicht nur quantitativ für das Schlusslicht im Bundes-Ranking. Woran liegt’s? „An fehlender Attraktivität. Die Museumsleute begreifen sich noch nicht als Gastgeber, und die Bürgermeister haben noch nicht erkannt, welche Rolle als Begegnungsstätten und Identifikationspunkte die Museen spielen könnten.“ Hilfreich seien innerörtliche Partnerschaften, um für Belebung zu sorgen. Denn: „Wenn niemand mehr kommt, bleiben die Museen irgendwann zu.“ Raber nimmt das Wort Museumssterben nicht in den Mund. Er spricht von einem „Selektionsprozess“: „Wir werden sehr bald die Aufteilung in aktive und inaktive Museen erleben.

Wir geben allen die Chance zur Modernisierung. Aber wer sich nicht bewegt, wird verschwinden.“ Auch sei es eine oft praktizierte Unsitte, jede private Sammlung anzunehmen und zum Museum zu deklarieren. Dies führe landesweit zu vielen Doubletten. „Wir brauchen dringend strukturelle und qualitative Verbesserungen“, sagt Raber. Deshalb macht sich der Museumsverband auch für eine Erweiterung der Stiftung Kulturbesitz zu einer großen Stiftung der Gedächtniskultur stark. Standorte und Bestände müssten neu geordnet werden: „Wir brauchen eine übergreifende Strategie für alle Museen“, so Raber – klare Forderungen an die Landesregierung statt jubiläumsseliger Schönfärberei.

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