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Verbandschefs: Strompreise werden stark ansteigen

Von SZ-Redakteur Lothar Warscheid

Saarbrücken. Die Strompreise werden im Jahr 2013 stärker steigen als bisher angenommen. Davon sind der Vorstandsvorsitzende des Verbands der Energie- und Wasserwirtschaft (VEW) Saar, Hanno Dornseifer, und der Landesgruppenchef des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), Werner Spaniol, überzeugt. Sie rechnen damit, dass sich die Stromrechnung für einen Vier-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von 4000 Kilowattstunden (kWh) im kommenden Jahr um mehr als 100 Euro erhöhen wird. Dies sei eine Steigerung von gut zehn Prozent.

Denn nicht nur die Umlage aus dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) zur Finanzierung von Strom aus Sonne, Wind oder Biomasse werde ab 2013 von derzeit 3,6 Cent pro kWh auf voraussichtlich 5,3 Cent steigen. Hinzu komme ein Aufschlag bei der KWK-Umlage. Mit diesem Geld werden Anlagen der Kraftwärme-Kopplung (KWK) subventioniert, die gleichzeitig Strom und Heizwärme produzieren. Außerdem sei mit einer Erhöhung der Netzentgelte zu rechnen, weil sowohl die großen Übertragungsnetze als auch die regionalen Verteilnetze ausgebaut werden müssen, damit der grüne Strom auch transportiert werden kann. Bei den Netzkosten wirke sich außerdem preistreibend aus, dass stromintensive Betriebe bei den Netzentgelten entlastet werden und der Netzbetreiber diesen Erlösausfall den übrigen Kunden in Rechnung stellt. „Ferner wird im kommenden Jahr eine neue Offshore-Haftungsumlage zu Buche schlagen“, erläutern Dornseifer und Spaniol. Mit diesem Geld sollen die Risiken abgefedert werden, die der Bau von Windparks auf hoher See und deren Anschluss an das Stromnetz mit sich bringen. Auf dies alles werde auch Mehrwertsteuer erhoben.

Heftige Kritik üben die Verbandsvertreter vor allem an den Subventionen für die Photovoltaik. Deren Ausbau orientiere sich nicht am Stromverbrauch, sondern an den Subventionen, die dafür gezahlt werden. In den relativ wohlhabenden Regionen Bayerns sei die Photovoltaik massiv ausgebaut worden, so dass nach VEW-Angaben rund 1,1 Milliarden Euro mehr an EEG-Geldern in den Freistaat fließen, als die bayerischen Stromverbraucher zahlen müssen. Im Saarland liegt dieser Saldo bei minus 40 Millionen Euro und in Nordrhein-Westfalen bei minus 2,25 Milliarden Euro. „Die ärmeren Regionen finanzieren die reicheren“, sagen Dornseifer und Spaniol. „Das EEG muss dringend umgebaut werden und die erneuerbaren Energien mittelfristig in den Markt entlassen werden.“ Wenn sich nichts ändere, werde die EEG-Umlage von derzeit 14 Milliarden Euro bis zum Jahr 2016 auf 24 Milliarden Euro ansteigen.

Weil der grüne Strom Vorrang hat, werde außerdem nicht mehr in Gas- oder Kohle-Kraftwerke investiert, da diese inzwischen zu selten laufen. Daher sei der Kraftwerkspark stark überaltert. Irgendwann würden die Versorger diese „alten Mühlen“ abschalten, „obwohl sie dringend zur Stromproduktion gebraucht werden, wenn die Sonne nicht scheint und Windstille herrscht“.

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