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Verkehrsentwicklungsplan für Saarbrücken soll alte Missstände beseitigen und neue verhindern

Krach, Abgas, Stress – 2900 Saarbrücker werden täglich zu „Verkehrsopfern“. Denn dort, wo sie wohnen, herrscht jeden Tag gesundheitsgefährdender Lärm – im offiziellen Sprachgebrauch: über 70 Dezibel im Tagesmittel. Und Flucht ist unmöglich, denn der Lärm umbrandet ja ihr Zuhause. Er bildet die akustische Kulisse, den „Soundtrack“ für ihr Frühstück, ihren Feierabend, ihr Familienleben und ihre Nachtruhe.

Spektakulärstes Beispiel ist die Lebacher Straße. 800 Lkw jeden Tag, 100 davon in der Nacht. Der Verein Mags hat sie gezählt und wünscht sich – fürs Erste – ein Nachtfahrverbot für Lkw und Tempo 30 in der Lebacher Straße. Baudezernentin Rena Wandel-Hoefer versichert, die Stadt wolle beides, brauche allerdings für beides auch die Zustimmung der obersten Straßenverkehrsbehörde beim saarländischen Wirtschaftsministerium.

Und um die zu bekommen, werde jetzt genau geprüft, ob es für beides irgendwelche verborgenen Hinderungsgründe gibt. „Aber die Lebacher Straße ist ja nicht die einzige, in der die Menschen so unter dem Verkehr leiden“, sagt Wandel-Hoefer: „Wir haben ähnliche Situationen beispielsweise in der Breite Straße, der Hochstraße, der Brückenstraße, der Luisenthaler Straße, der Dudweilerstraße, in der Paul-Marien- und der Egon-Reinert-Straße und in der Kaiserstraße in Schafbrücke. Um nur ein paar zu nennen.“ Ein paar der Straßen, in denen die täglichen 2900 „Verkehrsopfer“ leben.

Ihnen will die Stadt jetzt helfen, und zwar dauerhaft und nicht „nur“ mit Sofortmaßnahmen à la Nachtfahrverbot und Tempo 30 – sondern durch kalkulierte Eingriffe in die Saarbrücker Verkehrsströme. Möglich machen soll das ein wahres Megaprojekt, der neue Verkehrsentwicklungsplan (Vep).

Wandel-Hoefer: „Zunächst geht es vor allem darum, die Menschen, die an den besonders belasteten Straßen leben, vor Lärm und Abgas zu schützen. Aber das ist erst der Anfang. Auf Dauer soll der Vep dafür sorgen, dass solche Notsituationen erst gar nicht mehr entstehen.“

Noch ist der Vep in der Mache. Bislang ist Folgendes passiert: Zuerst machte die Verwaltung eine Bestandsaufnahme. 2010 befragte sie knapp 19 000 Haushalte und die 500 größten Firmen der Stadt zum Thema „Wer ist wie, wann und wo in Saarbrücken unterwegs?“ – rund 6000 Antworten kamen. Außerdem ließ die Verwaltung Pkw, Lkw und Menschen zählen, an 100 Kreuzungen, 100 Bushaltestellen, in 35 Straßen und an allen Bahnhöfen.

Erstaunlichstes Ergebnis: Täglich gibt's in Saarbrücken rund 60 000 Pkw-Fahrten über „Entfernungen“ von weniger als zwei Kilometern.

Weiter sammelte die Stadt von 2011 bis einschließlich 2014 sämtliche Bürgeranliegen, die zum Thema Verkehr im Bürgeramt, beim Beschwerdemanager und im Büro der Oberbürgermeisterin aufgeschlagen waren – insgesamt 1000 an der Zahl.

Zusätzliche Anregungen ließ die Verwaltung sich 2015 auf ihrer Internet-Seite zum Vep geben und bei Info-Veranstaltungen – einem Bürgerforum, mehreren Info-Radtouren und -Spaziergängen – zu denen insgesamt rund 450 Saarbrücker kamen. Parallel dazu tagte mehrfach ein Vep-Beirat, in dem unter anderem der Verein für Handel und Gewerbe, die Arbeitskammer und die IHK vertreten sind. Alles was sich aus diesen Kanälen gewinnen ließ, gab die Stadt dann weiter an ein privates Unternehmen für Stadtplanung.

Die Spezialisten dort analysierten die Saarbrücker Fakten und verglichen sie mit Daten aus anderen Städten. Das Ergebnis ist eine 335 Seiten lange Bestandsaufnahme, nachzulesen auf der Internetseite vom Saarbrücker Vep.

Die nächste Station des Vep ist heute, 29. September, ab 18 Uhr der Veranstaltungsraum der Saarbahn GmbH auf dem Busbetriebshof, Hohenzollernstraße 115. Dort geht es – natürlich – um Saarbahn und Bus. Das ist der richtige Termin, für alle, die noch Wünsche und Beschwerden haben. Die Verwaltung wird einen Stadtplan aufbauen, wo die Bürger ihre Anliegen anpinnen können.

Bislang, so berichtet Wandel-Hoefer, verliefen alle Veranstaltungen zum Vep ohne grundlegende Konflikte – die Ziele seien unumstritten: „Die meisten Leute, die zu den Bürgerforen kommen, wollen eine Stadt, wo der Mensch der Maßstab ist – allerdings muss er auch seinen Parkplatz haben.“



vep.saarbruecken.de
 

 

Meinung:
 

Rekordverdächtiger Kraftakt

Von SZ-RedakteurJörg Laskowski

Hut ab! Da steckt ja eine Heidenarbeit drin. Kein Zweifel: Die Verwaltung hat den neuen Saarbrücker Verkehrsentwicklungsplan (Vep) vorbildlich vorbereitet. Alles, was dazugehört, ist im Internet so ausführlich dokumentiert, dass man von der Faktenmasse glatt erschlagen wird. Allein die Bestandsaufnahme ist 335 Seiten lang. Und die Tatsache, dass die Stadt vier Jahre lang 1000 Bürgeranliegen zum Thema Verkehr gesammelt hat, ist rekordverdächtig. Das alles zeigt: Die Verwaltung nimmt die Bürger ernst. Das ist bei diesem Thema besonders wichtig. Denn (beinah) jeder von uns weiß ja was dazu. Jeder kann und will mitreden. Jeder ist betroffen. Viele leiden unter Krach, Abgas, Stress . Andere wurden Unfallopfer. Vom Straßenverkehr verstehen alle was, denn alle sind beteiligt, alle sind täglich mittendrin. Deshalb empfinden viele Menschen die Verkehrspolitik als Prüfstein für die Demokratie. Und sie sind ruck, zuck auf der Palme, wenn sie das Gefühl haben, dass sie dabei nicht mitreden dürfen oder nicht für voll genommen werden – sondern nur schweigend im Stau stehen oder entgeistert ihre Tassen festhalten sollen, wenn ein 40-Tonner durch ihre Straße rumpelt. Wenn sie also fürchten müssen, dass sie wieder einmal überfahren werden. Also gut so und weiter so mit dem Vep. Den brauchen wir dringend. Erinnern wir uns: In Saarbrücken sind jeden Tag 60 000 Autofahrten kürzer als zwei Kilometer. Wenn da kein Vep kommt, kriegen wir sicher irgendwann auch noch das Kilo vor den Metern weg. Das müssen wir verhindern.

 

Zum Thema:

Auf einen BlickDie wichtigsten Zahlen aus und über die Bestandsaufnahme zum Verkehrsentwicklungsplan (Vep): Für 56 Prozent aller Wege, die Menschen täglich in Saarbrücken zurücklegen, benutzen sie den Pkw – auch für ein Drittel der Wege, die kürzer als zwei Kilometer sind. Und das sind 60 000 Fahrten jeden Tag. Für 17 Prozent ihrer täglichen Wege nehmen die Saarbrücker Bus und Bahn, in anderen vergleichbaren Städten sind es 22 Prozent. 82 Prozent aller Saarbrücker Haushalte haben mindestens ein Auto , aber nur 50 Prozent haben ein Fahrrad. Im Bundesschnitt macht der Radverkehr 10 Prozent am gesamten Verkehr aus, in Saarbrücken 4 Prozent. 15 Prozent der Saarbrücker meinen: Radfahren macht Spaß. In Tübingen (einer Stadt mit vielen Steigungen) sagen das 54 Prozent. Im Schnitt geht jeder Saarbrücker pro Tag 950 Meter zu Fuß, Frauen 900 Meter, Männer 1000 Meter. Alle diese Zahlen und viele andere interessante Fakten bietet die Internetseite www.vep.saarbruecken.de. Allein für die dort nachzulesende Bestandsaufnahme (335 Seiten) als Basis des neuen Vep hat Saarbrücken rund 100 000 Euro an ein Gutachterbüro bezahlt. Und die Bürgerbeteiligung lässt sich Saarbrücken weitere 80 000 Euro kosten. fitz
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