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Verlassener Dienstsitz: Im Saarland gibts ehemalige Zöllnerheime zu kaufen

Großrosseln. Oben auf einem kleinen Hügel in Großrosseln-Emmersweiler thront das ältliche Doppelwohnhaus. Gardinen hängen nur mehr in einer Hälfte, die zweite wartet leer auf neue Bewohner. Hier haben sich Sträucher, Bäume und Gräser Vorgarten und Eingangsbereich einverleibt. Die Tannen schießen hoch auf, verdecken den Blick in Richtung der nahen französischen Grenze. Dabei ist ausgerechnet diese der Grund, weshalb das Haus in dem Warndt-Dörfchen entstand; 1937 vom Deutschen Reich errichtet, bis heute in Bundesbesitz befindlich.

„Zollbeamte haben dort gewohnt“, erzählt Herr Haßlach von gegenüber. Er war noch ein Kind, als die Zöllner die Straße runter Richtung Grenze marschierten. „Dort unten, so 300 Meter, da war ja der Schlagbaum“, sagt Rudi Haßlach, weist ausschweifend, unmissverständlich die Straße herunter. Der Schlagbaum ist lange weg, die Zöllner auch. „Als ich 1968 nach Emmersweiler gezogen bin, haben dort schon Privatpersonen gewohnt“, erzählt eine andere Nachbarin.

Verlassener Dienstsitz

Nun, will auch der Bund weg aus Emmersweiler, das Haus steht zum Verkauf. „Früher waren solche Häuser als Dienstwohnungen ausgewiesen“, ergänzt Otmar Nikolay von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). „Heute brauchen wir sie nicht mehr.“ Das Haus zählt schon seit geraumer Zeit zum so genannten „nicht betriebsnotwendigen Vermögen“ des Bundes. Aufgabe der Bima ist es, solche Immobilien zu veräußern. Nikolay ist dafür zuständig, für das Gebäude in Emmersweiler einen Käufer zu finden. 138 000 Euro kann es der Staatskasse laut Gutachten einbringen.

 Zwei Milliarden Euro investiert

Saarlandweit besitzt die Bima Liegenschaften mit einer Gesamtfläche von rund 400 Hektar und 700 Wohnungen. Das ist vergleichsweise wenig. In Rheinland-Pfalz beispielsweise gehören noch rund 7000 Hektar Grund und 4800 Wohnungen der Bundesanstalt, obwohl diese bereits große Flächen verkauft hat. Allein in die Umnutzung von verlassenem Militärgelände wurden seit 1990 in Rheinland-Pfalz rund zwei Milliarden Euro investiert. Entstanden sind bekannte Einrichtungen wie die Urlaubsflughäfen Hahn und Zweibrücken, das Zweibrücker Style Outlet oder der Kaiserslauterer „PRE Park“, in dem sich unter anderem ein Großraumkino und ein Freizeitbad angesiedelt haben. Im Norden der Stadt wird derzeit eine 8,5 Hektar große militärische Wohnsiedlung konvertiert – also einem anderen Nutzen zugeführt. Dort, wo einst amerikanische Soldaten lebten, sollen bald Zivilisten ihr Heim haben. „Das ist ein guter Standort“, ist sich Joachim Wilhelm vom Stadtplanungsamt sicher: städtische Lage, Autobahnanbindung.

„Touristen statt Soldaten“

Vom guten Standort schwärmt derzeit auch der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Hermeskeil, Michael Hülpes. Er hat das Motto „Touristen statt Soldaten“ ausgerufen und beobachtet zufrieden das, was sich derzeit auf dem Gelände der ehemaligen Hochwaldkaserne tut. 2006 zog dort der letzte von einst 1400 Bundeswehrsoldaten ab, 2011 sollen die Touristen in das „Dorf Hochwald“ kommen: in ein neues Feriendorf mit 1000 Betten inklusive Vier-Sterne-Hotel, drei Restaurants, Wellness-Landschaft, Jugendherberge und jeder Menge Freizeitangeboten. Frank Schaal von der Investorgesellschaft „Investour“ lobt die „homogene Einheit“ in der Abgeschiedenheit des Hochwalds: „Kein Ärger mit Nachbarn und trotzdem bester Anschluss durch Nahverkehr und Autobahn.“ Dazu das hügelige, weitläufige Gelände. Bis zu 300 Arbeitsplätze sollen im Umfeld des Feriendorfs entstehen.

Mit seinen rund 200 Hektar wird das „Dorf Hochwald“ in etwa so groß sein wie der St. Wendeler Wendelinuspark – auch ein Fall von Konversion. 1999 zog dort das französische Militär ab. Jetzt schlagen Golfer ihre Bälle, Unternehmen haben sich angesiedelt, Skater und Wanderer ziehen Bahnen.

Kleinod in Marienthal

Bundesweit besitzt die Bundesanstalt heute 290 000 Hektar Land und 46 000 Wohnungen. Eines ihrer Schmuckstücke der Großregion wurde sie kürzlich los: Das einstige Verwaltungsgebäude des Regierungsbunkers, die „Villa Merres“ in Marienthal, kaufte sich eine wohlhabende Familie aus Bonn.

Die saarländischen Liegenschaften fallen eher weniger opulent aus. Im Juli verkaufte die Bima ein Wohnhaus in Güdingen. Auch dort wohnten einst Zöllner, so wie in Emmersweiler. Das dortige Gebäude versucht Verkäufer Nikolay schon seit Anfang 2009 an den Mann zu bringen. „Das sehen sie ja, wie die Hecke so runterwächst“, fällt Nachbar Haßlach sein Urteil über den Zustand des Hauses. Neue Interessenten sollen laut Nikolay kommen. Vielleicht stutzt auch bald wieder jemand die Hecke.

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