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Versuchter Mord: Wie langt schweigt der Angeklagte?

Saarbrücken. Es war eine ganz normale Radarkontrolle der Polizei in der Nacht des fetten Donnerstag. Drei Beamte hatten drei Autos in Wallerfangen angehalten und prüften die Papiere der Fahrer. Plötzlich brach einer der Polizisten zusammen. Eine Bleikugel des Kalibers 22 hatte ihn im Rücken getroffen und schwer verletzt. Sie war offenbar aus einem Wäldchen an der gegenüberliegenden Straßenseite abgefeuert worden. Das Ganze passierte im Februar 2005.
Mehr als sieben Jahre später beschäftigt der heimtückische nächtliche Angriff die Justiz. Seit Freitag muss sich der mutmaßliche „Heckenschütze von Wallerfangen“ wegen versuchten Mordes vor dem Schwurgericht verantworten.
Der 44-Jährige schweigt zu den Vorwürfen. Er wird aus Sicht der Staatsanwaltschaft von objektiven Indizien und Aussagen aus seiner Familie schwer belastet. Seine Angehörigen hatten ihm zunächst 2005 ein Alibi geliefert, dies aber rund sieben Jahre später widerrufen und den Mann als Schützen benannt. Direkte Zeugen der Tat gibt es nicht. Die Verteidigung des Angeklagten setzt deshalb offenbar auf einen möglichen anderen Täter und Freispruch. Wie das Schwurgericht dies am Ende des vorerst auf sieben Tage terminierten Prozesses sehen wird, ist offen.

Vor diesem Hintergrund ging es am ersten Sitzungstag um die objektiv unstreitigen Abläufe in jener Nacht im Februar 2005. Dazu wurden die kontrollierten Fahrzeuginsassen und die Polizisten als Zeugen gehört. Unter ihnen war auch der damals schwer verletzte Beamte. Er ist heute 55 Jahre alt und arbeitet im Innendienst. Ihm musste 2005 ein Teil der Lunge entfernt werden. Bruchstücke der Bleikugel trägt er immer noch in seinem Körper. Er sagte zu den Ereignissen jener Nacht: „Plötzlich war alles anders. Ein Zischen, ein Schlag, ein Sausen im Kopf. Und es war klar: Etwas stimmt nicht.“ Aber an einen Schuss habe er nicht gedacht. Dafür habe es keine Anzeichen gegeben: „Ich wusste damals doch nicht, wie sich das anfühlt.“ Dann habe er versucht zu atmen, aber das habe nicht richtig funktioniert. Erst da habe er realisiert: es war ein Schuss. Seine Kollegen hätten darauf noch gesagt: „Hör auf, mach keine Scherze.“ Aber dann hätten sie gesehen, das es ernst ist, ihn in Sicherheit gebracht und die Kontrollstelle gesichert.

Aber wer war der Schütze? Eine Mordkommission machte sich auf die Suche. Sie hatte den heutigen Angeklagten in Verdacht. Der war wegen Randalierens am Tattag kurz in Polizeigewahrsam gewesen und hatte sich darüber extrem aufgeregt. Aber die Angehörigen des Mannes, die nun vor Gericht Anfang Dezember gehört werden, gaben ihm 2005 ein Alibi. Sollte das falsch gewesen sein, können sie als Angehörige laut Strafgesetzbuch dafür wohl nicht bestraft werden.

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