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Verzweifelt gesucht: Rosi Strohfus aus Dudweiler wird seit Wochen vermisst

Rosi Strohfus ist 59 Jahre alt und etwa 1,60 Meter groß.Vermutlich fuhr Rosi Strohfus mit diesem Dacia Logan (Kennzeichen SB-RH 7000) in der Nacht zum 26. Dezember weg.

Rosi Strohfus ist 59 Jahre alt und etwa 1,60 Meter groß.Vermutlich fuhr Rosi Strohfus mit diesem Dacia Logan (Kennzeichen SB-RH 7000) in der Nacht zum 26. Dezember weg.

Horst Strohfus sitzt am Tisch im Wintergarten. Allein. „Das hier ist unser Leben“, sagt er mit leiser Stimme. Der 59-Jährige zeigt nach draußen. Der gepflegte Garten. Das Holzhäuschen. Ein Idyll – für ihn und seine Frau Rosi. Der Wintergarten ist ihr Lieblingsplatz. Auf dem Stuhl neben Horst Strohfus sitzt sie sonst immer, macht ihre Sudoku-Rätsel. Rosis graue Freizeitjacke hängt über der Rückenlehne. Im Hintergrund läuft der Fernseher. Er zeigt ein Standbild: die verwaschene Fassade eines tristen Plattenbaus. Keine Menschenseele zu sehen. Einsamkeit. Es scheint wie eine Momentaufnahme des Spielfilms, der sich in Horst Strohfus' Leben gerade abspielt. Er erzählt von der Nacht auf den 26. Dezember 2014: „Ich bin zwischen zwei und drei Uhr wach geworden. Rosi war nicht im Bett. Ich dachte, sie sei auf der Toilette.“ Gegen 22.30 Uhr waren sie schlafen gegangen. Ab dann verliert sich die Spur von Rosi Strohfus und dem blauen Dacia Logan mit dem Kennzeichen SB-RH 7000. „Ich habe irgendwann aus dem Fenster geschaut: Das Auto war weg. Dann habe ich im Keller ihr Nachthemd gefunden . . .“ Rosi Strohfus ist verschwunden. Spurlos. Ohne Handtasche. Ohne Medikamente. Ohne Kleider. Ohne Abschiedsbrief.


Im Wintergarten wachen treu an Horst Strohfus' Seite Ghina und Elvis – ein Mischling und ein Australian Shepherd. „Die zwei sind unsere Kinder“, sagt der Versandleiter bei einem Bübinger Unternehmen. Er fährt auf der Suche nach seiner Frau oft die Orte ab, an denen sie mit den beiden Gassi ging. Die Hunde sind jedes Mal enttäuscht, wenn es klingelt und nicht Rosi an der Tür ist. „Sie geben mir Halt“, sagt Horst Strohfus. Er kämpft mit den Tränen. Die Ungewissheit, die Frage nach dem Warum – sie quälen. Gab es Probleme in der Ehe? Ist ihm gar mal die Hand ausgerutscht? „Es gab nie Streitigkeiten, ich habe sie nie geschlagen“, sagt Horst Strohfus. Es gibt keine Antworten. „Doch die Hoffnung gebe ich nicht auf.“ Seine Frau war schon einmal nachts weg. Die 59-Jährige leidet seit einer Brustkrebs-Diagnose an Depressionen. Und seit kurzem unter dem Beginn der Alzheimer-Krankheit. „Sie war zu ihrer Tochter gefahren“, erzählt Horst Strohfus: „Rosi war damals etwas verwirrt.“ Das war im September.

Im März haben sie 34. Hochzeitstag. Vor 20 Jahren waren sie mal getrennt. „Drei bis vier Monate“, erzählt er. Seither meisterten sie das Leben wieder Seite an Seite. Auch die schweren Tage, als die Krankheiten mit voller Wucht zuschlugen. Doch jetzt ist seine Frau einfach verschwunden. Die Polizei tappt im Dunkeln. „Ich hatte es noch nicht mit einem solchen Fall zu tun, in dem es keinerlei Ansatz gibt“, sagt Kriminalhauptkommissar Günther Rzeznik von der Polizei in Sulzbach. „Diese Frau hinterlässt keinerlei elektronische Spur.“ Rosi Strohfus hat kein Handy mitgenommen. Keinen Ausweis. Keine EC-Karte. Die Ermittler können sie nicht orten oder bargeldlose Zahlungen verfolgen. Ob seine Frau vor ihrem Verschwinden eine größere Summe Bargeld abgehoben hat? Das weiß Horst Strohfus nicht. Das Geldinstitut darf ihm nicht sagen, ob seine Frau ein eigenes Konto hat. Bankgeheimnis. Genauso wenig darf ihm der Arzt sagen, ob bei seiner Frau womöglich eine weitere Krankheit festgestellt wurde. „Die ärztliche Schweigepflicht gilt auch gegenüber dem Ehepartner“, erklärt Polizist Rzeznik: „Es sei denn, eine schriftliche Vollmacht entbindet den Arzt davon.“

765 Personen wurden im Saarland im Jahr 2013 vermisst gemeldet, sagt die Statistik der Polizei . Fast 87 Prozent sind nach spätestens sieben Tagen wieder aufgetaucht. „Wir klammern uns an jeden Hinweis“, sagt Horst Strohfus, der auch über das Internet nach seiner Frau sucht. Er sitzt vor seinem Handy und spielt eine Sprachnachricht ab. Eine Freundin erzählt von einer Zeugin. Diese will Rosi Strohfus an Silvester am Saarbrücker Hauptbahnhof gesehen haben. Sie habe ein Ticket nach Trier kaufen wollen. In Trittenheim bei Trier wohnen Freunde der Strohfus‘. Eine heiße Spur? „In Deutschland gibt es keine Vorratsdatenspeicherung“, erklärt Rzeznik: „Die Aufnahmen der Kameras im Bahnhof werden maximal 72 Stunden lang gespeichert.“ Die Zeugin meldete sich einige Tage, nachdem sie Rosi Strohfus gesehen haben will. Da waren die Aufnahmen bereits gelöscht. Bei den Freunden kam Rosi Strohfus nicht an. Auch andere Zeugen wollen die Vermisste gesehen haben. Verifizieren lässt sich ihr Aufenthalt nirgendwo.

Rosi Strohfus ist seit fast dreieinhalb Wochen verschwunden. „Die Angst, dass sie sich etwas angetan hat, gibt es natürlich“, sagt Horst Strohfus, der kein gläubiger Mensch ist. „Doch Gedanken an ihren Tod schiebe ich beiseite.“ Laut Polizei-Statistik werden 95,3 Prozent aller Vermisstenfälle innerhalb eines Monats geklärt. Der Aufenthaltsort der Person wird ermittelt. Sie kehrt zurück. Oder wird tot gefunden. Von den 765 Personen, die 2013 im Saarland vermisst gemeldet waren, wurden zwölf nur noch tot aufgespürt.

Um auszuschließen, dass Rosi Strohfus auf ihrem Anwesen etwas zugestoßen ist, setzte die Polizei einen Spürhund ein. „Wir wollten Gewissheit, dass im Haus nichts passiert ist“, erklärt Rzeznik. Das sei übliches Prozedere und der Polizist stellt klar: „Horst Strohfus ist Geschädigter, Angehöriger und Zeuge. Wir verdächtigen ihn zum derzeitigen Ermittlungsstand nicht.“ Doch ein Beigeschmack bleibt in Augen Unbeteiligter oft. Wie geht Horst Strohfus damit um? Er kommt zurecht, sagt er: „Ich weiß genau, dass ich unschuldig bin. Wir haben uns geliebt.“ Er streichelt die Hunde, schaut auf den leeren Stuhl im Wintergarten. Mit leiser Stimme sagt er: „Rosi, mein Schatz. Bitte melde dich und komm nach Hause. Wir vermissen dich.“

Hinweise an die Polizei in Sulzbach unter (068 97) 93 30 oder jede andere Dienststelle.
 

 

Zum Thema:

HintergrundIn der Statistik ist die Zahl der Fälle nicht mit der der Vermissten gleichzusetzen. Gerade bei Minderjährigen kommt es oft vor, dass eine Person mehrmals verschwindet. 2013 wurden 217 Personen häufiger – bis zu 22 Mal – vermisst gemeldet. Der kontinuierliche Anstieg im Bereich der Kinder und Jugendlichen lässt sich auch auf die gestiegene Zahl allein reisender Flüchtlinge zurückführen. Sie kommen nach dem Aufgriff in eine Jugendhilfe-Einrichtung. Oft verschwinden sie von dort, um ihre Reise fortzusetzen. Die Vermisstenzahlen von 2014 lassen allgemein einen leichten Anstieg erwarten. mak  
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