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Verzweiflung an der Saar-Uni: Sind Sparvorgaben undurchführbar?

Auch wenn alle
Lehrstühle gestrichen werden,
reicht das nicht, um die Sparvorgaben
der Landesregierung einzuhalten,
so der Uni-Präsident.

Auch wenn alle Lehrstühle gestrichen werden, reicht das nicht, um die Sparvorgaben der Landesregierung einzuhalten, so der Uni-Präsident.

450 Seiten umfasst das Gutachten des Wissenschaftsrats zur Zukunft der Hochschullandschaft des Saarlands. Viele Vorschläge zu teils schmerzhaften Einschnitten stehen darin, doch kaum Zahlen zu deren finanziellen Konsequenzen. Das sei beim Umfang des Auftrags in der knappen Zeit von den Arbeitsgruppen ebenso wenig zu leisten gewesen wie ins Detail gehende Fachbegutachtungen einzelner Fakultäten, erklärte Thomas May, Generalsekretär des Rates, in der vergangenen Woche vor dem Wissenschaftsausschuss des Landtags. Sicher sei allerdings bereits jetzt, erläuterte May den Abgeordneten, dass Einschnitte bei den Studiengängen keine unmittelbaren Spareffekte haben können. Das liegt daran, dass selbst bei der Notabschaltung eines Studiengangs dessen bereits eingeschriebenen Studenten ihre Ausbildung abschließen können und die Professuren unangetastet bleiben. Wenn parallel dazu Strukturen auf dem Campus um- und Kooperationen aufgebaut werden sollen, dann kostet das in der Übergangszeit sogar zusätzlich. Das Gutachten formuliert dies in der gedrechselten Sprache der Wissenschaftsbürokratie so: „Vielmehr müssen während dieser Phase ausreichend Mittel zur Realisierung des strukturellen Umbaus zur Verfügung stehen.“

Die finanziellen Konsequenzen des Umbaus auf dem Campus errechnen zur Zeit Arbeitsgruppen von Universität und HTW. Und die ersten Ergebnisse an der Uni verheißen nichts Gutes. Selbst wenn die Hochschule sämtliche 87 bis zum Jahr 2020 aus Altersgründen frei werdenden Professuren – darunter 14 Juniorprofessuren – nicht wiederbesetze, Zeitverträge an den Lehrstühlen beim Ausscheiden eines Professors auslaufen lasse, andere Mitarbeiter auf dem Campus versetze und in den zentralen Einrichtungen frei werdende Stellen kassiere, reiche das nicht aus, um bis zum Jahr 2020 die vom Land verlangte Sparquote zu erbringen, so Universitäts-Präsident Volker Linneweber.

Diese Zahlen sind unter der Annahme jährlicher Gehaltssteigerungen im öffentlichen Dienst von zwei Prozent gerechnet worden. Die Universität erhält dafür vom Land keinen Ausgleich. Eine solche Situation sei in der deutschen Hochschullandschaft einmalig, kritisiert der Uni-Präsident. An welchen weiteren Stellschrauben das Präsidium drehen könne, um die Haushaltsvorgaben der Landesregierung trotzdem zu erfüllen, werde jetzt in der Verwaltung durchgerechnet.

In dieser Situation sei es allerdings wenig hilfreich, so der Uni-Präsident, wenn der Wissenschaftsrat ohne eine detaillierte Fachbegutachtung den Stab über einer Fakultät wie der für Rechts- und Wirtschaftswissenschaften breche. So sei die Tatsache, dass es dort in der Vergangenheit mehr bundesweit bekannte Professuren gegeben habe, jetzt vorschnell zum Anlass genommen worden, einen Qualitätsverlust zu diagnostizieren. Für solche Geringschätzung gebe ein Generationenwechsel keinen Anlass. Leider führe dies in der Diskussion über die vom Wissenschaftsrat vorgeschlagene Business School dazu, „dass sich die Wirtschaftschaftswissenschaften nun noch verschlossener zeigen“. In Saarbrücken unterrichten 53 Professuren an Universität und HTW das Fach Wirtschaftswissenschaften, erklärte Thomas May im Wissenschaftsausschuss.

Ihre Forschung und Lehre unter dem Dach einer gemeinsamen Business School zusammenzufassen, biete dem Saarland die Chance, etwas Innovatives aufzubauen. Diesen Vorschlag will die Universität „konstruktiv aufgreifen“, so Volker Linneweber. Die Entwicklung der Fakultät Rechtsund Wirtschaftswissenschaften habe er mittlerweile zur Chefsache gemacht. Geprüft werde ein Modell einer Business School, das über den Rahmen einer Kooperation zwischen Saar-Uni und HTW hinaus auch die Hochschulen in Kaiserslautern und Luxemburg einbeziehe.

Die Universität könne dann auf ihre Bachelor-Ausbildung in den Wirtschaftswissenschaften verzichten und diese Abteilung auf die Hälfte ihrer heutigen Größe reduzieren. Bei der Masterausbildung wäre es möglich, ein schmaleres Programm anzubieten, dessen Inhalte mit der HTW und den beiden Nachbar- Universitäten abgestimmt werden müssten.

AUF EINEN BLICK

Die Saar-Uni zählt 18 100 Studenten, von denen jeder sechste aus dem Ausland kommt. In Saarbrücken und Homburg unterrichten 279 Professoren, die von 1937 wissenschaftlichen Mitarbeitern unterstützt werden, 1441 von ihnen haben befristete Verträge. Dazu gibt es 1265 Mitarbeiter in Verwaltung und Technik, davon 321 mit befristeten Verträgen. Die Uni erhält vom Land 2014 gut 184 Millionen Euro. Der Betrag schrumpft bis 2020 auf rund 179 Millionen.

62 Prozent des Landeszuschusses entfallen auf Personalkosten. byl

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