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Viele Deutsche kennen das Saarland nicht

Das Saarland hat ein Image-Problem und wird überregional kaum wahrgenommen. Das ist nicht nur ein entscheidender Standortnachteil gegenüber anderen Regionen in der Werbung um Neuansiedlungen und junge Fachkräfte. Es ist auch das Ergebnis einer Image- Umfrage unter Saar-Unternehmern, jungen Saarländern und Bundesbürgern zwischen 18 und 40 Jahren. Um zu ermitteln, was in der Region besser werden muss, damit mehr Menschen als Fachkräfte an die Saar kommen, hat das Land über die landeseigene Gesellschaft Saar. is (früher Zentrale für Produktivität und Technologie, ZPT) diese 37 000 Euro teure Image- Befragung in Auftrag gegeben. Sie ist Grundlage für eine neue Marketing-Kampagne, die die Landesregierung heute der Öffentlichkeit vorstellen wird. Die Erkenntnisse hat das Institut TNS Emnid/Thomas Hippchen Sozial- und Marktforschung telefonisch ermittelt.

Bei der Vorstellung der Ergebnisse sahen gestern sowohl Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) als auch der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Saarland, Volker Giersch, noch enormen Handlungsbedarf, um das Image des Landes zu verbessern. Denn eine ernüchternde Erkenntnis der Umfrage lautet: In der Wahrnehmung junger Bundesbürger wird das Land von 53 Prozent der Befragten als „gesichts- und profillos“ empfunden, nur 29 Prozent von 528 Befragten empfinden die Region als „eher fortschrittlich“, 18 Prozent dagegen als „eher rückständig“. 53 Prozent der befragten Bundesbürger wissen demnach überhaupt nichts über das Saarland.

Gerade in diesem Punkt äußern sich auch zahlreiche Saar-Unternehmer pessimistisch: 37 Prozent stützen demnach die These vom „gesichts- und profillosen Land“, 22 Prozent halten das Image gar für „sehr schlecht“. Großen Handlungsbedarf sehen die Saar-Unternehmer in einer konsequenten Verbesserung des Kinderbetreuungs-Angebotes für Berufstätige. Dies sei eine wesentliche Voraussetzung, um mehr Fachkräfte mit ihren Familien an die Saar zu locken. Unter 300 befragten Unternehmern beurteilen 49 Prozent diese Angebote als „eher schlechter“, nur 28 Prozent als „eher besser“.

Große Überzeugungsarbeit kommt auf die Landesregierung sowie die Saar-Wirtschaft in ihrer gemeinsamen Marketing- Strategie vor allem bundesweit zu. Denn ein Großteil der Saarländer selbst sieht die eigene Heimat überwiegend positiv. Unter 306 befragten jungen Saarländern (18 bis 40 Jahre) sagten immerhin 48 Prozent, sehr stolz auf ihr Land zu sein. Etwa zwei Drittel würden auch künftig gerne an der Saar bleiben, wenn sie hier Arbeit haben und attraktive Lebensverhältnisse vorfinden. Genau hier liegt aber das nächste Problem. Denn mit am skeptischsten werden von Jugendlichen die Aussichten am Arbeitsmarkt, die wirtschaftliche Lage und die Verkehrsinfrastruktur, insbesondere der öffentliche Nahverkehr, bewertet.

 

Pfiffige Botschaften wecken Interesse

Meinungsforscher Schöppner gibt Saarland Tipps zur Verbesserung des Images

Klaus-Peter Schöppner, langjähriger Geschäftsführer des Instituts TNS Emnid Medien- und Sozialforschung, war an der Image- Umfrage beteiligt. Er gibt Empfehlungen, wie das Saarland attraktiver werden kann.

Nach Erkenntnissen der jüngsten Image-Umfrage ist das Saarland „wahrscheinlich das unbekannteste deutsche Bundesland“, ein weißer Fleck auf der Landkarte. Diese Schlussfolgerung zieht Klaus-Peter Schöppner, langjähriger Geschäftsführer des Instituts TNS Emnid Medien- und Sozialforschung und vielen Menschen auch bekannt aus Präsentationen von Emnid-Umfragen im Nachrichtensender n-tv. Schöppner sieht in der Unbekanntheit des Saarlandes zwar einen Nachteil, aber auch die Chance für eine zielgerichtete und interessengesteuerte Kommunikation. Sein Rat: Mehr informieren, Kenntnisse über das Saarland verdichten.

Dies sei der erste notwendige Schritt für eine erfolgreiche Marketing- Kampagne. Da das Saarland über wenig Geld verfügt, müssen die Botschaften laut Schöppner „anders, pfiffig, leicht wiedererkennbar, regional passend und unverwechselbar sein“. Erfolgreiches Saarland- Marketing müsse daher überregional Geschichten über die Region erzählen, die ein „Aha-Erlebnis“ auslösen. Weil das Saarland gerade bei jungen Leuten aus der Region „positiv wahrgenommen wird“ und diese auch kommunikationsfreudig seien, müsse man gerade solche Menschen dazu ermuntern, zu „Botschaftern ihres Landes“ zu werden.

Sie sollten auf Reisen und bei Besuchen von Menschen in anderen Regionen Positives über ihre Heimat berichten. Zumal sich gerade „die Jüngeren auch durch eine hohe Reisemobilität auszeichnen“, so Schöppner. Junge Saarländer in ihrem Urteilsvermögen könnten bundesweit dazu beitragen, dass manche Vorurteile verschwinden, gerade auch, wenn es um die Attraktivität als Wirtschaftsstandort und Lebensmittelpunkt geht. Das Saarland könne „mit seinen sympathischen Bewohnern und einem guten Regionalumfeld punkten“.

Es müsse sich mehr als Bildungs- und Innovationsland darstellen mit einem „starken industriellen Kern“ und einer „Wirtschaft, die sich in Zeiten großer Verunsicherung zu ihrem Standort und der mit ihm verbundenen Verantwortung bekennt“. Und als ein Land, das sich eng an Bürgerinteressen orientiere und auch die Lebensart der Franzosen zu schätzen wisse. ts
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