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Viele Gerüchte um den Saarbrücker Rabbiner-Rülf-Platz

Hier ist zu sehen, wie der Rabbiner-Rülf-Platz an der Berliner Promenade künftig aussehen soll.

Hier ist zu sehen, wie der Rabbiner-Rülf-Platz an der Berliner Promenade künftig aussehen soll.

Ein wenig durcheinander geht’s derzeit in der Diskussion um den Rabbiner-Rülf-Platz – den ehemaligen Taxi-Platz vor dem . Gerüchte geistern durch die Stadt, sorgen für Verunsicherung und Unmut über Dinge, die angeblich geplant oder beschlossen sein sollen – aber in Wirklichkeit Missverständnisse oder Hirngespinste sind. Deshalb rekapitulieren wir noch einmal die Fakten.

2008 beschloss der Bezirksrat Mitte, dass der Platz vor dem Saar-Center künftig Rabbiner-Rülf-Platz heißt. 2010 entschied der Stadtrat, dass dieser Platz „ein Erinnerungsort“ wird, wo ein Kunstwerk an die saarländischen Juden erinnert, die von Nazis ermordet wurden. Dazu gab’s  einen Künstler-Wettbewerb – Titel: „Erinnerungsort Rabbiner-Rülf-Platz“. Diesen Wettbewerb gewann – am 4. Juni 2012 – der Bildhauer Ariel Auslender mit seiner Skulpturengruppe „Der unterbrochene Wald“. Am 26. Juni 2012 entschied der Stadtrat, „dass der Entwurf von Ariel Auslender umgesetzt werden soll, wobei in Absprache mit dem Preisträger zusätzlich auch namentlich der saarländischen Opfer der Verfolgung der Juden gedacht werden sollte“ – so der Wortlaut. Die Behauptung, der Rat habe beschlossen, dass ein namentliches Gedenken erst noch „geprüft werden sollte“ trifft nicht zu. In den Erläuterungen zum Beschluss von 2012 taucht erstmals der Begriff „Mahnmal“ auf, bis dahin war in allen bekannten Unterlagen immer vom Erinnerungsort die Rede.

Anfang November 2013 soll „Der unterbrochene Wald“ installiert werden. Er besteht aus 40 in Bronze gegossenen Nachbildungen von abgesägten Baumstämmen, alle etwa 1,1 Meter hoch. Neun kommen auf die Freitreppe zur Saar (nicht 16 wie ein Gerücht sagt), vier werden zwischen der Treppe und der Feuerwehrzufahrt zur Berliner Promenade verankert – und 27 auf dem Rabbiner-Rülf-Platz. Im Internet erklärt die Stadtverwaltung, dass die abgesägten Baumstämme „Verlust und brutal gekappte Tradition“ symbolisieren.

In den Boden der Feuerwehrzufahrt kommt eine Metallplatte mit einem Zitat des Rabbiners Schlomo Rülf: „Es war eine große und schöne Gemeinde von 3000 Seelen“. Dieses Ensemble will die Stadt am 12. November 2013 einweihen. Die Behauptung, mit den Skulpturen werde eine „Tafel mit 1500 Opfernamen an der Seitenwand“ der Freitreppe installiert, trifft nicht zu.

Die Synagogengemeinde Saar wünscht sich, dass Messingtäfelchen mit Namen von jüdischen Nazi-Opfern an der Wand entlang der Freitreppe zur Saar eingelassen werden. Um zu zeigen, wie das aussehen könnte, hat die Synagogengemeinde eine Grafik erstellen lassen und sie unter anderem auf Facebook veröffentlicht. Auf dieser Darstellung der Täfelchen sind unter dem Namen des Opfers auch sein Geburts- und Todesdatum vermerkt sowie das Konzentrationslager, wo das Opfer ermordet wurde. Außerdem ist auf der Grafik zu sehen, dass die Synagogengemeinde das Zitat von Rabbiner Rülf nicht auf einer Metallplatte in der Feuerwehrzufahrt haben möchte, sondern auf der – Richtung Fluss gesehen – rechten Seitenwand der Feitreppe.

Die SZ wollte Richard Bermann, den Vorsitzenden der Synagogengemeinde, fragen, wie viele Täfelchen die Gemeinde sich wünscht, aber Bermann war leider nicht zu erreichen. Rabbiner Rülf glaubte offenbar, dass in den 1930er Jahren rund 3000 Juden im Saarland lebten. Allerdings hat das Stadtarchiv eine Liste mit rund 2400 Namen von Juden, die zwischen 1933 und 1945 allein in Saarbrücken gemeldet waren. Bei vielen auf dieser Liste ist klar, dass sie ermordet wurden. Das Schicksal anderer ist ungeklärt – denn einige flüchteten rechtzeitig.
Jörg Laskowski

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