L 365, Vollsperrung für Fahrzeuge ab 7,5 Tonnen in der Ortsdurchfahrt Sitzerath, aufgrund eines liegengebliebenen Schwertransportes Für Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen besteht keine Vollsperrung. (01:43)

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Viele Parkverbotsschilder sollen verschwinden

Berlin. Wie kann der Schilderwald in Deutschland gelichtet werden? So viel steht fest: Ein geordneter Kahlschlag ist nicht in Sicht. Nach Informationen unserer Zeitung sind Bund und Länder aber darum bemüht, den Abbau von Verkehrszeichen weiter „behutsam“ vorzunehmen. Dazu gehört auch die Idee, Halte- und Parkverbotsschilder womöglich durch gelbe Fahrbahnrandmarkierungen und Bordsteinkanten zu ersetzen. So, wie das in England, Belgien, Italien oder Holland schon der Fall ist. Verkehrsexperten der schwarz-gelben Koalition finden den Plan grundsätzlich gut.

„Die Zahl der Verkehrszeichen, die in Deutschland aufgestellt sind, ist nicht genau bekannt. Es besteht zwischen Bund und Ländern aber Konsens, dass zu viele Verkehrszeichen angeordnet sind“, heißt es in der kürzlich auf den Weg gebrachten Neufassung der Straßenverkehrsordnung. Dass der große Wurf offenbar nicht möglich ist, haben jedoch Bund und Länder inzwischen eingesehen. Dafür sind die Zuständigkeiten und Interessen mit Blick auf das Verkehrszeichen-Dickicht zu unterschiedlich gelagert.

Schon 2009 kamen die Bundesländer daher auf die Idee, mit „Straßenmarkierungen gegen den Schilderwald“ vorzugehen. Laut Beschluss sollten zur Probe in Hamburg Fahrbahnrand-Markierungen und Bordsteinkanten gelb gestrichen werden und so die Halte- und Parkverbotsschilder ersetzen. Eine durchgehende, gelbe Linie sollte signalisieren, dass man am Fahrbahnrand mit dem Auto nicht stehen bleiben darf. Dadurch, so das Argument der Länder, könnten zahlreiche Häufungen und Schilderwiederholungen innerorts vermieden werden, die die Verkehrsteilnehmer nur unnötig ablenkten. Bislang ist der Plan aber aus Kostengründen noch nicht umgesetzt worden.
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) ist gleichwohl dafür. Er unterstütze das Projekt, heißt es in einer Stellungnahme des Ministers von Ende September. Auch auf Fachebene sei dies den Ländern signalisiert worden. Nach Auffassung Ramsauers müssen allerdings die Länder die gelbe Umrüstung der Bordsteinkanten finanzieren. Da dies noch nicht der Fall ist, liegt das Projekt derzeit auf Eis. Aus Ramsauers Ministerium heißt es allerdings, man sei durchaus gesprächsbereit, falls ein Land gegenüber dem Bund signalisiere, den Modellversuch durchführen zu wollen. Druck kommt zudem von den Verkehrsexperten der schwarz-gelben Regierungskoalition, die der Idee positiv gegenüber eingestellt sind: Die Reduzierung des Schilderwaldes führe zu mehr Sicherheit und weniger Bürokratie, so der saarländische FDP-Bundestagsabgeordnete Oliver Luksic. „Der kurzzeitige Mehraufwand rechnet sich langfristig.“ Die Initiative müsse daher jetzt von den Ländern umgesetzt werden. Unions-Experte Gero Storjohann ergänzt: „Die Durchführung des Modellversuchs wäre interessant.“ Dann zeigten sich eventuell auch Schwierigkeiten aufgrund der Wetterverhältnisse in Deutschland. Schnee könne schließlich die gelben Linien verdecken, so Storjohann.

Ob mit oder ohne gelbe Linie, der Schilderwald bleibt in Deutschland ein Problem: Laut ADAC gibt es über 20 Millionen Verkehrszeichen, im Durchschnitt steht an den Straßen alle 28 Meter ein Schild. Experten betonen, dass es viel mehr gibt, als ein Autofahrer wahrnehmen kann. Dadurch werde die Verkehrssicherheit gefährdet. Über 600 Schilder finden sich in der Straßenverkehrsordnung, allein von der blauen Tafel mit dem „P“ für Parken gibt es an die 30 Varianten. Während einige Kommunen abbauen, forsten viele andere weiter auf. Billig ist das sicher nicht.

Hintergrund
Allein in Saarbrücken gibt es rund 29.000 Verkehrsschilder. Die Kosten pro Schild betragen nach Angaben von Stadtsprecher Robert Mertes im Durchschnitt inklusive Mast und Installation 195 Euro. An den etwa 660 Kilometern Straße im Stadtgebiet stehen also Schilder im Wert von mehreren Millionen Euro. Laut Mertes überprüfen Mitarbeiter der Stadt bei Ortsterminen regelmäßig, ob eine Beschilderung wirklich sinnvoll ist. Überflüssige Schilder würden entfernt. „Wir stellen Schilder nur dort auf, wo sie zwingend notwendig sind“, sagt Mertes. Manche Bürger würden sich häufig noch zusätzliche Schilder wünschen. tho


  „Fahrbahnmarkierungen sind leichter zu erkennen“ Weniger Schilder, mehr Markierungen auf der Fahrbahn. Das fordert ADAC-Verkehrspsychologe Ulrich Chiellino. Im Gespräch mit SZ-Redaktionsmitglied Stefan Lehmann erklärt er das „Schilderwald“-Problem – und mögliche Lösungs-Ansätze.

Herr Chiellino, ist der Schilderwald denn ein typisch deutsches Phänomen?
Chiellino:Die vielen Kombinationsmöglichkeiten verschiedener Schilder finden wir jedenfalls nirgendwo anders – vor allem bei Halteverboten. Alles ist bis ins Detail geregelt. Man fragt sich manchmal, weshalb man zwölf Schilder für drei Parkplätze braucht.

Es gibt bereits Pilotprojekte in Deutschland, die mit wenigen Verkehrszeichen auskommen. In diesen Zonen gilt fast ausschließlich „Rechts vor Links“. Welche Idee steckt dahinter?
Chiellino:Das Konzept heißt „Sicherheit durch Verunsicherung“: Der Autofahrer wird in eine Situation gebracht, in der er unsicher ist – und sein Verhalten dieser Situation anpasst. Die Aufmerksamkeit steigt. Aber solche Zonen sind an strenge Vorgaben geknüpft. Man könnte dieses Projekt zum Beispiel unmöglich in der gesamten Saarbrücker Innenstadt umsetzen.

Das Verkehrsministerium will Halteverbotsschilder durch gelbe Markierungen ersetzen. Was halten Sie davon?
Chiellino: Das kann helfen. Schilder kann man schon einmal übersehen, vor allem im Dunkeln oder wenn sie durch andere Fahrzeuge verstellt sind. Fahrbahnmarkierungen sind leichter zu erkennen – wobei man sie dann im Winter auch von Schnee und Streusalz freihalten müsste. Wir fordern einfache Bodenmarkierungen – etwa Richtungspfeile – übrigens auch für die Auf- und Abfahrten von Autobahnen, um versehentliche Geisterfahrten zu verhindern. Sie sind eben auch bei Nebel oder Dunkelheit leicht wahrnehmbar.

Wie lässt sich denn der deutsche Schilderwald weiter lichten?
Chiellino: Potenzial gibt es in jeder einzelnen Gemeinde. Letztlich ist da aber immer eine Vor-Ort-Begehung nötig. Grundsätzlich kann man sich bei jedem Schild fragen: Brauche ich es an dieser Stelle? Bei den meisten würde man darauf mit „Ja“ antworten, auf viele könnte man aber auch verzichten.



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