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Viele Saarbrücker fahren zum Tanken über die Grenze

Saarbrücken. Die hohen Spritpreise in Saarbrücken ärgern die Autofahrer. Hinzu kommt, dass die Preise tagsüber schwanken und schwer auszumachen ist, wann der Tankstellenbesuch weniger kostet, wann mehr. Aber im Grunde kennen die Spritkosten offenbar langfristig nur eine Richtung: aufwärts. Viele sehen dafür keine triftigen Gründe.

Bernd Jager aus Saarbrücken zum Beispiel. Er bezeichnet sich als „Vielfahrer“, sagt, er sei oft mit dem Auto unterwegs. Und er verstehe die Preisschwankungen nicht: „Selbst der ADAC prangert das an. Es hat doch nichts mit dem Krieg in Libyen zu tun, wenn der Spritpreis im Tagesverlauf mehrfach nach unten oder oben verändert wird“, sagt der 43-Jährige. Für Menschen, denen man Mobilität abverlange, sei das ein schwerwiegendes Problem. Vor Ferien und langen Wochenenden gingen die Preise regelmäßig hoch. Das sei ja nun beim besten Willen kein Zufall, sagt der Jurist. 

Der Finanzbeamte Volker Arnold sieht das genauso. Der 42-Jährige aus Gersweiler kommt mit dem Bus zur Arbeit und wird das beibehalten. Damit spart er Parkgebühren und Benzin. „Wir brauchen trotzdem ein Ende der Preisspirale, damit Mobilität bezahlbar bleibt“, fordert er. Ein großer Faktor bei den Benzinpreisen sei die Steuer. Diese sei aber eine Bundessteuer, und über sie könne nur in Berlin entschieden werden.
Michael Klein (45), von Beruf Visagist, fährt einen Diesel. Er sucht Trost in einem Scherz: „Ich tanke immer für 50 Euro.“ Aber ihn wurmt doch sehr, dass er für sein Geld immer weniger Treibstoff bekommt. „Ich habe mich jetzt aber nicht eingeschränkt, weil ich ja auch vorher nie unnötige Fahrten unternahm“, sagt er. „Die Preise sind übel, aber wir können da ja nichts tun“, fügt er resignierend hinzu.

Axel Fuhrmann-Kornbrust (49) ist wenig betroffen. Der Saarbrücker Fotograf ist Rad-, Bus- und Zugfahrer. „Nur gelegentlich benutze ich eine Vespa“, sagt er. Trotzdem sei die Debatte um die Benzinpreise und die Sorte E?10 ein unrühmliches Kapitel der deutschen Politik. „Es ist doch peinlich, wenn Autofahrer über die Boulevardpresse aufgeklärt werden, was sie tanken können“, sagt er. Und die Preise seien in den Arabischen Emiraten weit niedriger als bei uns, da die Steuer den hohen Spritpreis ausmache und nicht der Preis des Rohöls.

Sylvia Ebersold kommt aus Contwig und tankt in Saarbrücken, weil sie einen Ausflug in den Zoo machen möchte. Ihr Mann arbeite in Pforzheim und lege als Pendler täglich 300 Kilometer zurück. „Wir haben enorme Spritkosten, auch wenn die Firma das bezuschusst“, sagt sie. Aber umziehen könne sie mit der Familie nicht. Das Haus lasse sich nur mit großem Verlust verkaufen, und die Kinder seien in den Schulen verwurzelt. Also nehme ihr Mann die Strecke in Kauf. 1200 Euro im Monat gingen aus dem Familienbudget an die Tankstellen, sagt sie. „Der Staat will Geld verdienen, das ist der einzige Grund für die hohen Preise“, fügt sie an.

Susanne Bläsius ist Verkäuferin in einer Tankstelle. Bei ihr machen die Kunden ihrem Ärger Luft: „Mich nervt es, wenn die Leute mich fragen, wann es denn zwei Euro kosten wird. Ich mache die Preise nicht.“ An ihrer Tankstelle gibt es einen Superkraftstoff für 1,76 Euro. „Auch der wird getankt. Es gibt Leute, die wissen, dass man damit weiter fahren kann und der Treibstoff sauberer verbrennt.“

Viele wollen beim Tanken jenseits der Grenze sparen. „Ich tanke nur im Ausland, weil es dort fast neun Cent billiger ist als in Deutschland“, erzählt der 50-jährige Thomas Wendel an einer Tankstelle in Forbach.
„Die Preisschwankungen in Saarbrücken sind wirklich extrem. Wenn ich montags morgens zur Arbeit fahre, sind die Preise hoch und in der Woche relativ niedrig. Zum Wochenende steigen sie wieder an“, erzählt der Kraftwerksmeister aus Ludweiler.

Auch Thomas Roth tankt in Frankreich. „In Forbach bin ich, weil es gerade auf meinem Weg lag. Allerdings tanke ich immer außerhalb von Deutschland. In Saarbrücken sind die Preise zurzeit unverschämt und wie jedes Jahr typisch für die Zeit um Ostern“, sagt der 39-Jährige aus Homburg.
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