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Viele Unis bieten Vorlesungen im Internet an

Um eine Vorlesung an der Uni zu besuchen, muss heute niemand mehr die heimische Couch verlassen. Ein paar Mausklicks reichen aus, um im Netz an einer Lehrveranstaltung teilzunehmen. Immer mehr amerikanische Hochschulen stellen Online-Seminare gratis ins Internet. Von Mathe bis zu Philosophie ist für fast jeden etwas dabei. Diese sogenannten Massive Open Online Courses (kurz: Mooc) sind kostenlos und zugänglich für jeden Nutzer. Auch von deutschen Hochschulen gibt es inzwischen erste Angebote.

Rund 400 verschiedene dieser Moocs finden Internetnutzer allein auf der Plattform coursera.org der Stanford University. Rund 80 Partner – darunter Eliteuniversitäten wie die Princeton University – stellen dort Kurse ein. Die meisten sind auf Englisch. Doch mit der „Einführung in Computer Vision“ ist auch eine erste Lehrveranstaltung auf Deutsch gestartet. Die Technische Universität München und die Ludwig-Maximilians-Universität München sind damit auch auf Coursera vertreten.

Wer zum Beispiel etwas über Systembiologie lernen möchte, kann den Kurs von Ravi Iyengar von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York besuchen. Dafür müssen sich Nutzer unter „Sign Up“ mit ihrem Namen, der Mail-Adresse und einem selbstgewählten Passwort registrieren. Danach kann die erste Lerneinheit gestartet werden.

Ganz neu sind Online-Vorlesungen nicht. Viele Professoren lassen schon seit längerer Zeit ihre Lehrveranstaltungen an der Uni filmen und ins Netz stellen. Neu an den Moocs ist aber, dass sie speziell fürs Web kreierte Lehrveranstaltungen sind – mit kurzen Videos, anschließenden Tests und Diskussionsforen. Dort können sich die Kursteilnehmer wie in einem Klassenzimmer untereinander austauschen. Vom Aufbau her ähneln Mooc den Lehrveranstaltungen herkömmlicher Unis. Sie beginnen an einem bestimmten Datum, es gibt Hausaufgaben und Abgabetermine für Arbeiten. Unterschiede zur realen Uni gebe es vor allem in der Präsentation der Inhalte, erklärt Christopher Buschow vom Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung in Hannover. Im Netz sind eher kürzere Lerneinheiten von zehn bis fünfzehn Minuten attraktiv.

Ort und Zeit kann sich jeder Teilnehmer bei den Mooc frei einteilen. Der Aufwand ähnelt dabei normalen Unikursen. Durchschnittlich drei bis vier Wochenstunden veranschlagt Coursera als Arbeitsaufwand für ein Online-Seminar.

In Deutschland steht die Entwicklung noch am Anfang. Bisher gibt es nur vereinzelte Experimente mit Moocs. Der erste Onlinekurs an der Universität Hildesheim fand im Januar statt und trug den Titel „Datenschutz bei Facebook & Co“. „Wir wollten dabei die Nutzer für das Thema Datenschutz sensibilisieren“, erklärt Joachim Griesbaum, Professor für Informationswissenschaft. Insgesamt haben sich für den Kurs über 600 Nutzer angemeldet.

Neue Anforderungen

Das Konzept der offenen Uni-Kurse im Netz bringt aber auch neue Herausforderungen mit sich. „Die Dozenten müssen sich stärker Gedanken um die Attraktivität der Inhalte und ihrer Vermittlung machen“, sagt Kommunikationswissenschaftler Buschow. Während Professoren früher eine Grundlagenvorlesung 20 Jahre fast ohne Qualitätskontrolle halten konnten, ist das bei einem Mooc kaum möglich.Eine Plattform deutscher Hochschulen fehlt bisher. Die Berliner Firma Iversity arbeitet aber an einem Konzept. Gründer Hannes Klöpper glaubt an die Zukunft von Moocs. Als Indiz dafür wertet er die über 250 Bewerbungen um das in Kooperation mit dem Stifterverband ausgeschriebene Mooc Production Fellowship. Mit insgesamt 250 000 Euro Preisgeld sollen zehn Onlinekurse in neun Monaten realisiert werden.
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