L125 Neunkirchen Richtung Saarbrücken-Johannisbrücke Kreuzung Neunkirchen-Sinnerthal Vollsperrung, Bauarbeiten bis 01.05.2018, eine Umleitung ist eingerichtet Die Sperrung erfolgt aufgrund von Sanierungsarbeiten am Brückenbauwerk und der Fahrbahn im Bereich "Plättches Dohle" (18.04.2017, 10:58)

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"Vielleicht schenkt mir ja jemand einen alten PC"

Bis vor Kurzem saß Bill täglich vor dem Eingang der Diskontopassage. Nach einem Unfall in seiner Wohnung war er plötzlich von der Bildfläche verschwunden.

Bis vor Kurzem saß Bill täglich vor dem Eingang der Diskontopassage. Nach einem Unfall in seiner Wohnung war er plötzlich von der Bildfläche verschwunden.

„Was macht eigentlich…?“ Wenn in Zeitschriften diese Frage auftaucht, steht am Ende meistens der Name eines Ex-Promis, bekannt aus Film und Fernsehen. Bill Baltes hat es zwar nicht zu Ruhm im TV gebracht, bekannt wie ein bunter Hund ist er dennoch, zumindest all jenen, die häufig in der Saarbrücker Innenstadt unterwegs sind.

Denn dort, am Eingang zur Diskontopassage vor Karstadt, war Bill jahrelang tagtäglich anzutreffen. Dort saß er und hielt seine Mütze vor sich in der Hoffnung, dass ein paar Münzen darin landeten. Als ein Geländer an „seinem Platz“ angebracht wurde, setzte er sich ein paar Meter weiter auf die Mauer am St. Johanner Markt. Und dann, von heute auf morgen, war Bill weg.

„Gerade letztens hat wieder einer zu mir gesagt, dass er dachte, ich sei tot, weil er mich schon so lange nicht mehr geseh’n hat“, erzählt Bill Baltes, schaut erst etwas betroffen und muss dann laut lachen. „So weit isses noch nicht“, sagt er. Aber umgehauen hat es den ehemaligen 200-Kilo-Mann im April dennoch. Ausgerutscht sei er damals, erzählt Bill, in seiner Wohnung in Burbach. Die Folge: Oberschenkelhalsbruch. „Das sah auf dem Röntgenbild echt kloor aus. Wie ein durchgebrochenes Streichholz.“ Es folgten Operation, Krankenhausaufenthalt, mehrere Wochen Reha und schließlich der Umzug in eine kleine Wohnung auf dem Eschberg, wo Bill auf die Unterstützung des Diakonischen Werks angewiesen ist.

Denn mit dem Laufen klappt es noch nicht so richtig. Nur mithilfe eines Rollators kann er ein paar Schritte gehen. „Alleine Einkaufen ist nicht drin, ich habe zwar immerhin 60 Kilo abgenommen, aber die Schmerzen sind noch verdammt groß.

Ich würde gerne wieder in die Stadt, mir fällt hier nämlich so langsam die Decke auf den Kopf“, sagt der 58-jährige Frührentner. „Ich sprooche doch so gerne“, fügt er hinzu und fängt an zu erzählen: von der Dame, die immer so „richtig herzlich“ mit ihm gelächelt hat und ihm eines Tages 250 Euro in seine Mütze legte. Erzählt von der saarländischen Prominenz – „de Oskar, de Klimmt, de Sexauer, die bleiben alle bei mir stehen, nur die Britz hat immer wenig Zeit“ –, von seiner Liebe zum FCS, von seinem Studium in Frankfurt und seiner Zeit als „Organisationsprogrammierer“ bei der Stadt Saarbrücken, aber auch von seinen Schicksalsschlägen und seiner Alkoholsucht.

„Als meine Freundin im letzten Jahr gestorben ist, war ich ganz unten. Ich habe richtig viel gesoffen. Ein bis zwei Flaschen Wodka pro Tag waren nicht selten. Ich hab’ nie auf der Straße gesoffen, immer nur zu Hause.“ Aber damit ist Schluss, denn seit mehr als einem halben Jahr ist Bill trocken. Und das, sagt er voller Überzeugung, soll auch so bleiben: „Der Unfall hatte also auch sein Gutes.“

Als studierter Programmierer seien Statistiken seine große Leidenschaft. Und so wertet er Daten aus, die er mit einer kleinen Wetterstation sammelt. „Ich würde das lieber mit einem Computer machen und mich wieder mit dem Programmieren beschäftigen, aber ich habe leider kein Geld, um einen zu kaufen.“ Mehrere Unternehmen hat er bereits angeschrieben, nach einem ausrangierten Computer gefragt. Bislang ohne Erfolg. „Aber es ist ja Weihnachten. Vielleicht schenkt mir ja jemand einen alten PC“, sagt Bill. Sein zweiter Wunsch: „Dass ich in die Stadt laufen und mich endlich wieder unterhalten kann.“ Über den FCS, de Oskar und die nette Frau.

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