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Vierter Pavillon: Geschockte Ausschuss-Mitglieder

Erstmals konnten gestern Landtagsabgeordnete und Medien-Vertreter den Rohbau des Vierten Pavillons für das Saarlandmuseum besichtigen.

Erstmals konnten gestern Landtagsabgeordnete und Medien-Vertreter den Rohbau des Vierten Pavillons für das Saarlandmuseum besichtigen.

Saarbrücken. Es war ein bisschen wie bei einer Geisterbahnfahrt. Den schockierendsten Moment der Begehung hatte sich Meinrad Maria Grewenig bis zum Schluss aufgehoben. Der Interims-Chef der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz (SSK), mit der Aufräumarbeit des Bau-Missmanagements beim Skandal- und Streitobjekt Vierter Pavillon betraut, führte die Journalistenschar an die Rückfront des Rohbaus: Vorstellung der Muster-Platten für die „Außenhaut“. Das Versprechen, die Fassade des schlichten Kubus von twoo-Architekten (Köln) erhalte eine sensationelle Bunt-Schimmer-Optik, gab einst mit den Ausschlag dafür, dass dieses Büro zum Zuge kam, wenngleich nur fünfter Wettbewerbs-Sieger. Und nun das: sechs unauffällig-elefantengraue, undurchsichtige Muster-Platten aus Glas, die wie Billig-Blech wirken. „Ich war hoch enttäuscht, als ich das sah“, sagte Grewenig gestern. Nun wird nachgebessert, nachverhandelt. Denn die Stiftung hat genau diese Platten bereits fest bestellt. Bei der Firma, die die raffinierte Fassade des Münchner Museums Brandhorst gebaut hat, also weit mehr kann als die spannungsarme Saarbrücker Banal-Lösung.

Wer hat die Fassaden-Entscheidung final zu verantworten? Der beurlaubte Ex-Vorstand Ralph Melcher? Mit oder ohne den Segen des Stiftungs-Kurators? Dies lässt sich laut Grewenig mangels nicht geleisteter Dokumentationen von Planungs- und Entscheidungsprozessen beim Museumsbau nicht rekonstruieren. Es ist dies eine für das Gesamtbauvorhaben exemplarische Situation. Sie löste Dauer-Kopfschütteln der Journalisten aus, die gestern erstmals Zutritt erhielten zum Rohbau. Der Rundgang verlief als inszenatorisches Kabinettstückchen. Grewenig verbreitete Zuversicht – „Ich möchte Ihnen vermitteln, dass dieser Bau wert ist, weiter entwickelt zu werden“ –, während er zugleich eine schier unendliche Kette von Missständen aufzählte. Lagen sie bereits in der Logik des twoo-Entwurfs? Der 35 Meter lange und 14 Meter hohe Bau, der in Höhe des ehemaligen Archipenko an das Schönecker-Ensemble Moderne Galerie angedockt wurde, sollte möglichst wenig Grünfläche beanspruchen. So ragen nun zwei Geschosse unter die Erde, zur Bismarckstraße hin liegen zwei Etagen, je rund sieben Meter hoch. Im Erdgeschoss befindet sich der Wechselausstellungs-Bereich (600 Quadratmeter).

Gestern lautete die häufigste Grewenig-Vokabel: „bisher nicht geplant“. Nach seiner Darstellung fehlten Standorte für das Hochwasser-Dammsystem oder die Müll-Lagerung der Gastronomie. Anlieferungs-Wege, auch für die Kunst, sind gar nicht mitbedacht oder als Umweg-Parcours angelegt. Der Behindertenaufzug fährt nur bis zur ersten Etage, die Garderobe ist falsch platziert, dafür gibt es eine Überkapazität an Toiletten. Die Restaurierungs-Werkstätten, die idealerweise Tageslicht brauchen, liegen derweil im Keller – eine kerkerartige Dunkelkammer, trotz Riesengröße. Und: Der Wechselausstellungs-Pavillon dürfte für Groß-Ereignisse viel zu klein sein.

Was hat Projektsteuerer Gerd Marx eigentlich richtig gemacht?, lautete irgendwann die Frage der Journalisten. Jedenfalls lässt sich die Hauptaufgabe jetzt als Korrigieren im Bestand definieren. Ein teurer Spaß. Denn laut Grewenig funktioniert der Bau wie ein in sich verzahntes Kartenhaus: „Jedes Loch, das gebohrt wird, bedingt eine statische Umplanung.“

Was den Rundgang zusätzlich zu einer ernüchternden Angelegenheit machte, war folgende Erkenntnis: Das Saarland wird für 30 Millionen Euro keine aufregende Museumsarchitektur bekommen. Auch innen bietet sich eine sehr brave Anmutung, die man kaum mehr als ansprechend und akzeptabel nennen kann. Nur zwei Räume – die mit großen Fenster-Flächen – lösen so etwas wie Begeisterung aus. Dank bester Aussichten, etwa nach Alt-Saarbrücken hinüber. Dem hingegen werden die Terrassen-Gäste des Restaurants nicht verwöhnt: Der Durchblick zur Saar ist verbaut, sie schauen auf die Wände der Modernen Galerie.

„Museen sind die Königsdisziplin der Architektur“, sagte einer der beiden twoo-Architekten, als man sein Büro, das noch nie ein Museum gebaut hatte, mit der Realisierung beauftragte. Heute klingt es wie Hohn. Im Saarland war man ihr nicht gewachsen.

Hintergrund
Die Kulturausschuss-Mitglieder aller Parteien haben sich gestern erschüttert und geschockt gezeigt über die Missstände. „Dass man so viele Fehler machen kann, wusste ich nicht“, sagte Horst Hinschberger (FDP). Er hält die „Unbedarftheit“ von Bauherr und Projektsteuerer für den Hauptgrund. Auch Thomas Schmitt (CDU) erklärte: „Es war niederschmetternd.“ Er warnt davor, die Fassade so auszuführen, wie bisher geplant. Lothar Schnitzler (Linke) konstatiert „Chaos pur“ und kritisiert den „teuersten Billigbau überhaupt in Einheitsgrau“. Isolde Ries (SPD) spricht von „Stümperei“. Die politische Kontrolle habe total versagt. Und Claudia Willger (Grüne) ist fassungslos ob der mangelnden Sorgfalt: Jeder private Bauherr gehe professioneller vor.ce
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