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„Vierter Pavillon“: Ingenieur streitet Fehler ab

Im Untersuchungsausschuss »Vierter Pavillon« hat der Ingenieur
für Brandschutz den Vorwurf von Planungsfehlern zurückgewiesen.(Archivbild)

Im Untersuchungsausschuss »Vierter Pavillon« hat der Ingenieur für Brandschutz den Vorwurf von Planungsfehlern zurückgewiesen.(Archivbild)

Weder Pfusch noch Bauverzögerung: Die für den Hochwasserschutz und die technische Gebäudeausstattung am Saarbrücker Museumsanbau „Vierter Pavillon“ beauftragten Ingenieure haben gestern vor dem Untersuchungsausschuss des Landtags entsprechende Vorwürfe der Saarbrücker Gesellschaft WPW entschieden zurückgewiesen. Ihre Planungen hätten ohne Probleme fortgeführt werden können, sodass der Bau wie vorgesehen Ende 2011 hätte fertiggestellt werden können. Vielmehr übten sie Kritik am WPW-Abschlussbericht. „Das ist ein Gefälligkeitsgutachten, dessen Inhalt wenig nachvollziehbar ist. Alle Punkte sind haltlos zusammengebrochen“, sagte Klaus-Dieter Groß von KMW Ingenieure . KMW ist für die technische Gebäudeausstattung verantwortlich, nachdem der ursprünglichen Ingenieurgesellschaft RCI von der Bauherrin, der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz (SSK), gekündigt worden war.

Der von der WPW bestellte Gutachter, Professor Ulrich Busweiler, sei zudem befangen, da er erkennbare Verbindungen zu RCI habe, sagte Groß. So entlaste dieser das RCI-Konzept. Groß rechnete vor, dass sein Konzept Energie-effizienter sei als das der RCI. In puncto Heizung, Strom und Kühlung würde jeweils nur rund die Hälfte des Verbrauchs kalkuliert. Die WPW äußerte in ihrem Bericht auch Kritik am Hochwasserschutz . So sei nicht geklärt, wo das für den Hochwasserschutz notwendige Dammbalkensystem lagern soll. Auch gebe es keine Überlegungen zur Ablaufplanung im Ernstfall. „Lagerung und Ablauf sehe ich nicht als schwierig zu lösen an“, sagte der zuständige Bauingenieur Christian Kühner von der Hamburger Firma Wetzel und von Seht. Dies sei kein Grund für einen Baustillstand. Kritik am früheren Interimsvorstand der Stiftung Kulturbesitz, Meinrad Maria Grewenig, der im August 2011 entschieden hatte, dass vorerst nicht weiter gebaut wird, kam von Andreas Thiel vom Büro für Lichtgestaltung „Projekt Licht“.

Dieses war für die Entwurfsplanung des Lichtdesigns zuständig. Nachdem Grewenig das Ruder vom fristlos gekündigten Vorstand Ralph Melcher übernommen habe, habe Grewenig im Juni 2011 einen „Paradigmenwechsel“ eingeläutet und ein neues Lichtkonzept des Bonner Büros „Licht Kunst Licht“ gefordert. „Das ist eines der teuersten Büros in Deutschland“, so Thiel. LED-Lampen seien plötzlich unerwünscht gewesen. Stattdessen habe Grewenig Niedervolt-Lampen gefordert. „Das hätte negative Auswirkungen auf die Energie-Effizienz gehabt“, sagte Thiel. Dabei sei eine Forderung des inzwischen abgesprungenen Sponsors Edwin Kohl (Kohl Pharma) ein ökologisch nachhaltiger Bau gewesen. Grewenig war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Für die Fraktionen von Grünen und Piraten war nach der Zeugenvernehmung klar, dass der Vierte Pavillon bis Ende 2011 für 25 Millionen Euro hätte fertiggestellt werden können und der Bau damals keine Mängel aufwies.

„Wir vermuten, dass dieses Gutachten lediglich ein Auftragsgutachten war, um die öffentlich vorgetragenen Vorwürfe gegenüber Ralph Melcher und Projektsteuerer Gerd Marx und den verhängten Baustopp im Nachhinein zu rechtfertigen. Wir befürchten, dass dies die Folge eines CDUinternen Machtkampfes war“, sagte Grünen-Fraktionschef Hubert Ulrich . Durch den Baustopp entstünden wohl Zusatzkosten von 15 Millionen Euro. Die Planung von KMW und Wetzel und von Seht habe Qualität. Das zeige sich daran, dass die Firmen für den Weiterbau beauftragt worden seien. Der CDU-Abgeordnete Christian Gläser hatte dagegen erklärt, der Baustopp sei nicht wegen baulicher Mängel verfügt worden, sondern wegen der im Mai 2011 bekannt gewordenen Finanzierungslücke von rund drei Millionen Euro. „Dieser verhältnismäßig geringe Betrag kann nicht der Grund gewesen sein“, sagte der Piraten- Abgeordnete Michael Neyses. Er glaube nicht, dass Grewenig alleine die Baustopp-Entscheidung getroffen habe. Daher wolle man nun die politische Verantwortung des Kulturministeriums prüfen.
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