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Vierter Pavillon: Murks und Chaos für 30 Millionen?

12,6 Millionen Euro sollte der Saarbrücker Museumsneubau ursprünglich kosten, nun gehen Experten von 29,4 Millionen Euro aus.

12,6 Millionen Euro sollte der Saarbrücker Museumsneubau ursprünglich kosten, nun gehen Experten von 29,4 Millionen Euro aus.

Saarbrücken. Fünf dicke Aktenordner hatte Werner Backes, Chef der Saarbrücker WPW Ingenieur- Gesellschaft, im kleinen Handgepäck, als er dem Kuratorium der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz (SSK) gestern Nachmittag seinen Abschlussbericht aus Controller- Sicht zum Neubau des Vierten Pavillons der Museumslandschaft präsentierte. Backes, der sich selbst als Profi in Baufragen bezeichnet, gilt eigentlich, wenn es um seine Wortwahl geht, als zurückhaltender Typ. Ein Gutachter eben, der stets um eine seriöse und prägnante Formulierung bemüht ist. Sein Fazit zur Museums-Großbaustelle in der Bismarckstraße, deren Kosten und Planung er überprüfen sollte, fällt allerdings sehr salopp aus: „Sehr viel Murks, der Rohbau hat aber gute Qualität. Aus dem kann man noch was machen.“

Am Rande der Kuratoriumssitzung plauderten Experte Backes, Kulturminister und Stiftungskurator Stephan Toscani (CDU) sowie Finanzstaatssekretär Gerhard Wack mit Journalisten und legten neueste Zahlen und Kalkulationen auf den Tisch. 29,4 Millionen Euro brutto, rechnet WPWChef Backes vor, wird das Kultur- Großprojekt kosten. Die 30- Millionen-Grenze würde demnach haarscharf unterschritten. Im nächsten Atemzug weist der Controller aber dann schon auf weitere „finanzielle Risiken“ hin, die den Steuerzahler als Museums-Sponsor noch zusätzlich belasten könnten. Diese Kostenfaktoren, etwa für Sicherheitstechnik und Rechtsstreitigkeiten, seien derzeit noch nicht zu beziffern. Beiläufig kommt der Hinweis auf mögliche Einsparungen, wenn etwa das Gerüst für die Dauer des Baustillstandes demontiert und der Wachdienst eingestellt wird.

Die Kostenansätze für den Betonklotz, der einmal Museums- Pavillon werden soll, sind demnach von ursprünglich einmal 12,6 Millionen (Wettbewerbs- Vorgaben 2006) über entsprechende Fortschreibungen auf 24, 6 Millionen (2008) und jetzt auf 29,4 Millionen Euro explodiert. Zuletzt hatte der Landesrechnungshof auf gravierendes Missmanagement hingewiesen und den Bau im November 2011 auf 26,2 Millionen Euro taxiert. Gutachter Backes nimmt deutliche Worte in den Mund, berichtet von „Abrechnungsund Planungschaos“, das er vorgefunden habe. Er bestätigt die Rechnungshof-Diagnose vom Missmanagement am Bau und lässt kein gutes Haar am angeblich überforderten Projektsteuerer Gerd Marx.

Es existiere „keinerlei qualifizierte Kostenverfolgung“, die jederzeit eine aktuelle Kostenkontrolle ermöglicht hätte. Marx ist zwischenzeitlich gekündigt und klagt gegen die Stiftung, die wiederum Regressforderungen gegen ihn geltend macht. Die Nebenkosten, damit meint der Profi vom Bau das Geld, das für Planer ausgegeben wurde, seien mit 7,74 Millionen Euro „völlig aus dem Ruder gelaufen“. Teilweise sei doppelt und dreifach abgerechnet worden, mitunter unnötig und überdimensioniert geplant worden. Exakt in der Position der Baunebenkosten liegen die Kalkulationen der WPW-Controller und des Rechnungshofes (4,24 Millionen Euro) um 3,5 Millionen Euro auseinander. Verstärkung haben sich die WPW-Experten in Sachen Haustechnik an die Seite geholt. Hier existierten gleich zwei Planungen, die der Darmstädter Professor Ulrich Busweiler als vereidigter Sachverständiger überprüft habe. Backes: „In der Haustechnik ist einiges faul.“ Ein Ingenieur, der aus dem Projekt „rausgemobbt“ wurde, habe handwerklich vernünftige Arbeit mit kleinen Fehlern abgeliefert. Die zweite Planung sei schlicht „unseriös“. In Sachen Sicherheitstechnik sei derzeitiger Sachstand, dass Aufträge vergeben wurden, aber keine Planung vorliege. Wird der Vierte Pavillon also zum Millionengrab? Backes empfiehlt, den Bau fortzusetzen. Alles andere sei „töricht“. Die Alternative zum Museumsbau für 29,4 Millionen Euro sei eine Ruine. Ein Stillstand bis zum Sommer sei kaum zu vermeiden, da professionelle Projektsteuerer und Planer für die Problembaustelle gefunden werden müssen. Mit etwas Optimismus kann, so der Controller, Ende 2013 oder Anfang 2014 die Kunst in den Pavillon einziehen. Die Politik jedenfalls will das Projekt „entscheidungsreif“ machen. Minister Toscani sagte gestern zu, ein „tragfähiges Konzept“ bis zur Landtagswahl am 25. März vorzulegen. Die Vorbereitungen, dass die Hochbauabteilung des Landes das Problem-Projekt aus der Krise managt und die Landesentwicklungsgesellschaft eingebunden wird, laufen. Das vorerst letzte Wort, die politische Entscheidung, bleibe aber der neuen Landesregierung vorbehalten.
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