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Völklingen: Feier zur Minaretteinweihung

Völklingen. Heute ab 13.30 Uhr wird gefeiert. „Jeder ist herzlich willkommen!“, sagt Ünal Subasi. Der 39-jährige Stahlwerker ist sonst ein nüchterner Mann. Jetzt aber klingt Überschwang aus seiner Stimme, der verrät, dass man den einladenden Satz wörtlich verstehen darf. Und dass Subasi sich freut, Fest-Gastgeber zu sein.

Er ist es nicht allein. Als Vorsitzender des Türkisch-Islamischen Kulturvereins – das ist der Trägerverein der Selimiye-Moschee im Völklinger Stadtteil Wehrden – spricht Subasi im Namen seiner Gemeinde. Die hat sich einen Wunsch erfüllt: Die tipptopp renovierte, ansonsten aber unscheinbare Moschee an der Schaffhauser Straße, ehemals ein Kino, hat nun ein Minarett und zwei Kuppeln auf dem Dach. Aufbauten ohne Funktion: Das Minarett, 8,5 Meter hoch und knapp 1,5 Meter im Durchmesser, ist nicht begehbar, kein Muezzin kann von dort zum Gebet rufen, darüber hinaus hat die Gemeinde per Grundbucheintrag auf jegliche Beschallung verzichtet. Die Aufbauten dienen als „Schmuck“, sagt Subasi. Und als sichtbares Zeichen, dass der Bau ein muslimisches Gebetshaus ist.

Zum Einweihungsfest fürs erste Minarett im Saarland sind nicht nur die Völklinger Nachbarn eingeladen. Sondern auch Politiker, die Rathausspitze, der Regionalverbandsdirektor. Und der Stadtrat. „Alle Fraktionen, alle“, sagt Subasi nachdrücklich – auch die, die das Bauvorhaben der Muslime skeptisch bis ablehnend begleitet haben.

Kritische Stimmen gab es viele, als das Minarett-Projekt Anfang 2010 bekannt wurde. Die Völklinger CDU appellierte an die Muslime, auf ein Minarett zu verzichten: Das sei ein religiöses Symbol, das Ängste heraufbeschwöre, womöglich gar als Provokation aufgefasst werde. Im Stadtteil – Wehrden hat einen Ausländeranteil von rund 20 Prozent, dabei sind die Türken nach den Italienern die zweitstärkste Gruppe – entbrannte heftiger Streit. Nein, erklärten Alteingesessene kategorisch, kein Minarett hierzulande, solange mancher islamische Staat Christen beim Kirchenbau behindere. Kirchenvertreter hingegen reagierten entspannt. Christian Weyer, Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Saar-West, wertete es als Zeichen gelungener Integration, wenn ein religiöser Bau der islamischen Gemeinde das Stadtbild präge. Minarett-Gegner wiederum wetterten, die Baupläne zeugten von Abgrenzung und mangelndem Integrationswillen.

Die Muslime hielten dagegen. Sie öffneten ihr Gotteshaus, präsentierten ihr Vorhaben im Stadtteilforum und vor dem Stadtrat, suchten das Gespräch mit der Nachbarschaft. Und ließen sich schließlich auf ein Moratorium ein: Ein Jahr lang legten sie ihre Pläne auf Eis.
Entlastung für Völklingens Stadtpolitiker: Damit war das heikle Thema erstmal raus aus dem Oberbürgermeister-Wahlkampf. Amtsinhaber Klaus Lorig (CDU) hatte sich zuvor als Minarett-Gegner positioniert; die Linke argumentierte pro Minarett, die SPD verwies vage auf den Bürgerwillen. Im September 2010 wurde Lorig wiedergewählt. Und vertrat Anfang 2011, als die Moscheegemeinde ernst machte mit ihrem Bauantrag, eine nüchterne Sicht der Dinge: Über das Minarett sei nicht politisch zu entscheiden, sondern allein nach dem Baurecht; und danach müsse die Stadt eine Genehmigung erteilen.

Als im November ein Kran das Minarett aufs Dach hievte – überraschend, die Montage war nicht angekündigt –, gab es noch einmal Aufregung. Aber nur kurz. Denn nun kann man sehen: Für einen rufenden Muezzin bietet die bescheiden dimensionierte Stahlkonstruktion tatsächlich keinen Platz. Und sie greift nur wenig ein in die Stadtsilhouette am Saarufer.
Jetzt sind die Handwerker fertig, das Gerüst ist abgebaut. Die Gemeinde feiert und lädt „alle“ dazu ein. Sie will ihre Gäste – Ünal Subasi rechnet mit mindestens 500 Menschen – gut bewirten und ihnen auch die Moschee zeigen (Führung um 16 Uhr). Wenn das Wetter es erlaubt, soll das Fest draußen stattfinden, jedenfalls will die Gemeinde Zelte aufstellen auf dem kleinen Platz zwischen Moschee und Saarufer. Denn drinnen könnte es eng werden, die Teestube vor dem Gebetsraum ist zwar geräumig, aber doch nicht riesig. Alle Hände voll zu tun für die Gemeindemitglieder – rund 20 Ehrenamtliche, sagt Subasi, teilen sich die Vorbereitungsarbeit fürs Fest. Wer kommt? Peter Gillo (SPD), Präsident des Regionalverbands Saarbrücken, hat zugesagt. Ansonsten lassen Subasi und seine Mitstreiter sich überraschen.

Hintergrund
Die Selimiye-Moschee im Völklinger Stadtteil Wehrden wird getragen vom örtlichen Türkisch-Islamischen Kulturverein. Dieser gehört dem Dachverband DITIB an, der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion. Der Dachverband arbeitet eng zusammen mit dem türkischen Religionsministerium. In Völklingen existieren noch zwei Moscheen mit anderer Ausrichtung, so im Stadtteil Luisenthal (Milli Görüs) und in der Innenstadt (Verband islamischer Kulturzentren, VIKZ).
Weitere DITIB-Moscheegemeinden im Saarland sind in Dillingen, Homburg, Merzig, Neunkirchen, Saarbrücken, Schmelz, St. Ingbert und Sulzbach zu finden sowie im Völklinger Stadtteil Ludweiler. dd
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