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Völklingen: Grüne und Bergbaubetroffene reklamieren Unterstützung

Rund zehn Jahre lang träumte man von einem schönen, neuen „Grünen Quartier mit Zukunft“ im bergbaugebeutelten Fürstenhausen. Zur Schaffung dieser neuen Ortsmitte sollte auch der Sportplatz verlegt werden. „Das Grüne Quartier ist tot“, konstatierte dann Völklingens Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU) bei einem SZ-Redaktionsgespräch im vergangenen Januar. Nun hat der Völklinger Verwaltungschef einen ausgewählten Kreis für Montag, 24. Februar, zu einem Runden Tisch ins Rathaus eingeladen. Lorig will hier Verwaltung, Planer und örtliche Akteure zusammenbringen, um die weiteren Planungen für Fürstenhausen zu formulieren.

„Skandalöse Kanäle“

„Ohne die notwendige Finanzierung ist jegliche Planung sinnlos“, sagt derweil Manfred Jost, Vorsitzender der Bergschadensgemeinschaft und der Grünen in Völklingen. Jost will deshalb das anstehende Treffen dazu nutzen, eine Resolution an die Landesregierung auf den Weg zu bringen. Im Kern soll sie so lauten: „Die Teilnehmer des Runden Tischs zur Zukunft Fürstenhausens fordern das Land auf, für die Jahre 2015 bis 2020 einen Betrag von einer Million Euro jährlich aus dem Sondervermögen Zukunftsinitiative II nach Völklingen fließen zu lassen, um ein für alle Betroffenen erträgliches Erbe des saarländischen Steinkohlebergbaus sowie den notwendigen Strukturwandel in Völklingen zu gestalten.“

Jost erinnerte an den Vertrag aus dem Jahr 2009 zwischen RAG und Saarland, wonach das Bergbauunternehmen dem Land für die Dauer von zehn Jahren jährlich zehn Millionen Euro zukommen lasse. Bergbaubetroffene empfänden es als skandalös, in welche Kanäle über die Hälfte der bereits erhaltenen 30 Millionen Euro geflossen seien. Für das Projekt Bostalsee neun Millionen Euro zu verwenden, sei „nicht nur unangemessen, sondern unanständig“. Noch schlimmer sei es, dass die Landesregierung aus den für den Strukturwandel vorgesehenen Mitteln den Wegfall der Studiengebühren teilweise kompensiere. Jost: „Und am tollsten sehen wir die Absicht der Landesregierung, 2,5 Millionen Euro für ein multifunktionales Stadion in Saarbrücken sowie eine Million Euro für die Überdachung der Saarlandhalle zu verwenden.“
Die Mittel zum Strukturwandel, so Jost, seien zumindest zu einem Teil dort einzusetzen, wo der Bergbau seine schlimmsten Spuren hinterlassen haben. Und für die bergbaubedingte Zerstörung des Ortsbildes in Fürstenhausen sei auch das Land mit seiner damaligen Genehmigungspraxis verantwortlich.

Erste Mahnung schon 2010

Schon im Januar 2010 hatte Jost den damaligen Ministerpräsidenten Peter Müller (CDU) und die damalige Umweltministerin Simone Peter (Grüne) aufgefordert, den Wiederaufbau in Fürstenhausen mit Hilfe der RAG-Mittel anzukurbeln. Und bereits die Jamaika-Koalition hatte mit dem Argument geantwortet, dieses Geld sei für den Strukturwandel im Saarland bestimmt.
 
Hintergrund
Der Kohleabbau im Westfeld des früheren Bergwerks Warndt-Luisenthal von 1993 bis 2005 hat im Völklinger Stadtteil Fürstenhausen 700 Grubenschäden an den 727 Häusern im Ort verursacht. 95 Häuser gelten als Totalschäden. Im Rahmen der Regionalen Strukturkonferenz befasste sich eine Arbeitsgruppe mit dem Wiederaufbau des Stadtteils. 2008 erarbeiteten vier Planungsbüros Entwürfe für die Neugestaltung der Ortsmitte. Den siegreichen Entwurf des Püttlinger Architekten Willi Latz  verabschiedete der Stadtrat 2008 als Bebauungsplan. Latz’ „Grünes Quartier mit Zukunft“ umfasste einen Landschaftspark (Kosten: etwa eine Million Euro), Passiv- und Niedrigenergie-Häuser (rund fünf Millionen Euro teuer), Seniorenwohnen, Kindergarten, Läden. Investoren fanden sich aber nicht; der Fußballverein protestierte gegen die geplante Verlegung seines Sportplatzes. Verwaltung und Rat haben sich jetzt vom „Grünen Quartier“ verabschiedet. Aus der Städtebauförderung gab es für Fürstenhausen bisher nur knapp 350.000 Euro für die Planung. Das Geld ist ausgegeben. dd
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