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Völklingen: Muslime feiern erstes Minarett im Saarland

So stellte sich die muslimische Gemeinde in Wehrden Kuppeln und Minarett auf ihrem Moschee-Gebäude im Vorfeld vor - hier noch eine Fotomontage. Inzwischen steht das Minarett.

So stellte sich die muslimische Gemeinde in Wehrden Kuppeln und Minarett auf ihrem Moschee-Gebäude im Vorfeld vor - hier noch eine Fotomontage. Inzwischen steht das Minarett.

Von SZ-Redakteur Peter Wagner

Völklingen. Die Frauen decken die Tische ein, die Kinder tragen einstudierte Verse vor, die wichtigen Leute halten ihre mehr oder weniger bedeutsamen Reden, danach wird ein rotes Band durchschnitten – und das Publikum freut sich, dass es etwas was zu essen gibt. So läuft es fast überall, wo Gebäude eingeweiht oder Dinge ihrer Bestimmung übergeben werden. Und so war es auch gestern in Völklingen- Wehrden, wo der türkisch-islamische Kulturverein die Eröffnung des Minaretts auf seiner Selimiye-Moschee

feierte. Bei sechs Grad Lufttemperatur und hoher Luftfeuchtigkeit fanden etwa 300 Menschen zu der Freiluftveranstaltung an der Rückseite des Gebäudes, einem ehemaligen Kino. Die meisten von ihnen hatten zuvor bereits am Freitagsgebet in dem Gottesdienst teilgenommen. Der Zuspruch aus der Wehrdener Wohnbevölkerung und auch aus der Bewohnerschaft der Innenstadt war dagegen auffallend gering. Die Völklinger Verwaltungsspitze war nicht durch den Minarett-kritischen Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU), sondern durch Bürgermeister Wolfgang Bintz vertreten, auch er ein CDU-Mann, der das etwa acht Meter hohe Minarett allerdings entspannt betrachtet.

„Herzliche Wünsche“ namens der Landesregierung entbot Klaus Kunz, Referatsleiter für Integration im Arbeits- und Familienministerium. „Völklingen ist uns sehr nahe gerückt, Ihre Moschee ist nun komplett“, sagte er. Der Landtag war durch Magnus Jung (SPD) und Hubert Ulrich (Grüne) vertreten. Beide vertraten die Auffassung, dass ein Minarett auf einer Moschee im Saarland etwas Besonderes sei, andererseits aber „etwas Normales“ sein solle. Dasjenige von Völklingen diene der Integration der Kulturen und Religionen im ganzen Saarland. Der Saarbrücker Regionalverbandsdirektor Peter Gillo (SPD) sagte, er „verstehe ein Minarett wie einen Kirchturm, als Symbol der Größe Gottes“. Außerdem stehe es für Religionsfreiheit und Toleranz.

Rasim Akkaya vom Dachverband der Moscheegemeinden DITIB versicherte, dass es den Initiatoren des Minaretts nicht um Abgrenzung gehe, sondern um „Glaubensfreiheit und Integration in einem modernen, weltoffenen Land“.
„Wir haben uns integriert“, sagte ein selbstbewusster Ünal Subasi, Vorsitzender des Türkisch-Islamischen Kulturvereins Wehrden und spielte damit auf einen Vorbehalt aus der Bevölkerung an, wonach es „noch zu früh“ für ein Minarett sei, da die Muslime den Prozess der Integration noch nicht weit genug vorangetrieben hätten. Zur Integration, so Subasi, gehöre aber immer auch die Bereitschaft, solch zuzulassen. Eine besondere Aufwertung erfuhr die Feier durch die Teilnahme von Aslan Alper Yüksel, den Generalkonsul der Türkei, der aus Mainz anreiste.
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