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Völklingen hat "Zwei-Klassen-Internet"

Heidstock. Marc Reinstein hat ein Problem. Für seine Arbeit, sagt er, benötige er ständig das Internet. Und das sei auf dem Völklinger Heidstock derartig langsam, dass er und seine Mitarbeiter nicht richtig tun könnten, was sie tun müssten. Er brauche unbedingt eine schnellere Datenverbindung. Sonst müsse er seinen Firmensitz womöglich anderswohin verlegen. Reinstein, promovierter Maschinenbau- Ingenieur, leitet eine Firma, die nach eigener Auskunft weltweit Ingenieursdienstleistungen anbietet, Beratung in Sachen Energieanlagen und Kraftwerke. Dabei zähle die Kommunikation. Und die finde zum guten Teil via Internet statt. Etwa über E-Mails mit hochauflösenden Fotos und anderen großen Dateianhängen, über Videokonferenzen, über Telefonie mit dem Internetdienst Skype. Das funktioniere aber nur, wenn die Leitung große Datenmengen transportiere.

Doch auf dem Heidstock betrage die Internetgeschwindigkeit nur ein Megabit pro Sekunde (Mbit/s) – „untragbar“, sagt Reinstein. Zum Vergleich zieht er Düppenweiler heran, Wohnsitz eines Mitarbeiters: Dort sei das Netz 16 Mal so schnell. Bei der Telekom habe er erfahren, dass das Problem den ganzen Heidstock betreffe, sagt Reinstein: Der nächste Einspeisepunkt sei drei Kilometer entfernt. Abhilfe schaffen könne wohl ein Signalverstärker. Doch den baue die Telekom nicht von sich aus ein. Die Frage sei also, „inwieweit die Stadt sich mobilisieren lässt, hier tätig zu werden“. Internet gehöre schließlich zur wirtschaftlichen Infrastruktur. Und dafür müsse eine Stadt, die einen so hohen Gewerbesteuersatz fordere wie Völklingen, doch das Ihre tun. Im Rathaus weckte die SZAnfrage dazu erstmal Ratlosigkeit. Über Internet-Leitungen wüssten in der Verwaltung nur wenige Spezialisten genau Bescheid, und die seien gerade nicht greifbar, sagte Stadtpressesprecher Uwe Grieger gestern bedauernd. Und verspricht, man werde Antworten schnellstmöglich nachliefern. Aber im Internet, nämlich im Breitbandatlas des Bundeswirtschaftsministeriums, findet man Bestätigung für Reinsteins Klage.

Die Ruwerstraße, in der der Ingenieur wohnt und arbeitet, zählt zu den Gebieten, in denen nur ganz wenige Haushalte Internetanschlüsse mit mehr als einem Mbit/s haben. Das habe tatsächlich mit der Entfernung vom Einspeisepunkt zu tun, sagt André Hofmann, Telekom- Pressesprecher für die Region West. Ein Signalverstärker als Abhilfe? „Nein, den Zahn muss ich Ihnen gleich ziehen“: Damit lasse sich die Leistung der lahmen Leitung allenfalls verdoppeln, immer noch viel zu wenig für Videokonferenzen oder Skype-Telefonie. Aber: „Einen Geschäftsanschluss mit zehn Megabit pro Sekunde kann die Firma von uns haben“ – gegen entsprechende Gebühr. Gelte es aber, einen ganzen Stadtteil mit schnellen Verbindungen zu versorgen, sei die Kommune gefordert. Sie könne ihre Bürger befragen, wer solche Anschlüsse wolle, und dann die Breitbandverkabelung ausschreiben. Ausbau oder nicht, das hänge im Endeffekt von der Wirtschaftlichkeit ab. Es müssten schon genug Anschlüsse her; denn ein Kilometer Glasfaser- Neuverkabelung könne bis zu 70 000 Euro kosten.
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