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Völklingen kann von Saarstahl-Walzwerk profitieren

Die Wirtschaft entwickelt sich positiv, die Zeit von Investitionen ist gekommen. Unser Foto zeigt einen Einblick in die Völklinger Schmiede der Saarstahl AG.

Die Wirtschaft entwickelt sich positiv, die Zeit von Investitionen ist gekommen. Unser Foto zeigt einen Einblick in die Völklinger Schmiede der Saarstahl AG.

Völklingen. In Sachen Sicherheitsschuhe – sie gehören hier normalerweise zur „PSA“, der persönlichen Schutzausrüstung, ein großes Schild vorm Eingang weist darauf hin – drücken die Saarstahl-Leute ein Auge zu: Besucher dürfen auch in Alltags-Tretern ins Walzwerk. Nur bitte nicht mit Absätzen, denn damit könnte man hängenbleiben. Ansonsten aber sind die Gastgeber unerbittlich: Zusätzlich zum Schutzhelm ist auch die orange-graue Jacke aus schwer entflammbarem Stoff Pflicht. Der Baumwolldrell ist fest und warm, bringt einen auf dem Stahlgittersteg hoch überm Hallenboden ins Schwitzen – von unten weht Hitze empor. Besucher-Frotzeleien à la „Könnten Sie bitte mal die Heizung abstellen?“ beantworten die Walzwerks-Mitarbeiter mit einem breiten „Nööö“ und noch breiterem Grinsen. Denn was da heizt, ist der Daseinszweck der 1,2 Kilometer langen Halle im Nauweiler Gewann: frisch gewalzte Stahlstäbe.
Noch glühend schießen sie über einen Rollgang aufs Kühlbett. Das ist brandneu, und die Walzwerker sind stolz auf die hochmoderne Errungenschaft: ein Rechenkühlbett, so genannt, weil die Rand-Zähne, die für den Weitertransport der Stäbe verantwortlich sind, ein wenig erinnern an die Zinken eines Gartenrechens. Ingenieur Mario Wilhelm erklärt den Vorteil der neuen Anlage: Die Stäbe werden so weiterbewegt, dass sie nach und nach von allen Seiten Luft bekommen. Bei ihrem langen Weg von roter Glut zu kühlem Stahlgrau verziehen und verformen sie sich daher nicht – ein Qualitätssprung für die Produktion.

Die Rollgänge laufen leise. Und von selbst, die Riesenhalle ist fast menschenleer. Das war mal anders, noch vor einigen Jahren traf man viel mehr Saarstahler in der Halle. Detlef Boudier, Werkleiter der Walzwerke Volklingen, nickt: „Das nennt man Effizienzsteigerung“, sagt er trocken. Der heutige Walzwerks-Prozess, erläutert er, laufe weitgehend automatisch ab. Boudier weist auf die Steuerstände zwischen den Maschinen: „Sie sehen ja, die Mitarbeiter haben nur noch Steuerungsaufgaben.“ Doch dafür brauche man außerordentlich gut qualifizierte Leute, „sie müssen den gesamten Prozess wirklich verstehen“.

Was auch für die Prüfanlagen gilt, die sich hintereinander reihen: geschlossene Kästen, die dem Laienauge ihre Funktion nicht offenbaren, aber Eingeweihten tiefe Blicke in die innere Struktur der Stahlstäbe gestatten. Saarstahl, sagt Uwe Schneider, im Unternehmen zuständig für die Kommunikation, liefere seinen Kunden nicht mehr nur „Halbzeug“, das sie dann für die Bedürfnisse der eigenen Kunden weiterverarbeiten. Sondern auch die Garantie, dass der gelieferte Stahl genau den gewünschten Qualitätsvorgaben entspricht, Prüfzertifikate inklusive. So könnten die Kunden auf eigene Materialuntersuchungen verzichten – ersparter Arbeitsaufwand, ein Kostenvorteil; Saarstahl sei so Lieferant und Dienstleister zugleich. Und zwar je nach individuellen Kundenwünschen. Man fertige sozusagen einen Maßanzug.

In Kästen verborgen stecken auch die Geräte, die die Stäbe weiterbearbeiten. Funkensprühen? Selbst beim Zerschneiden der langen Stahlteile entsteht statt üppigen Sternenregens nur unspektakulär spärliches Geglitzer. „Jeder Funke, der nicht entsteht, kann auch niemandem ins Auge gehen“, sagt Boudier. Rauch oder Dampf beim abschließenden Vergüten, bei dem die Stäbe zuerst erhitzt, dann mit Wasser-Polymer-Gemisch abgeschreckt und schließlich neu erhitzt werden? Fehlanzeige, die Schwaden werden direkt abgesaugt; sonst bekämen die Kranführer sie ja ab in ihren Kabinen unterm Hallendach, erklärt Mario Wilhelm. Lärm? Der Schallpegel hält sich in Grenzen – Arbeitsschutz, sagt Detlef Boudier, spiele eine ganz wichtige Rolle. Ihm dient auch der blaue Streifen auf dem Hallenboden: Dort und nur dort gehören Fußgänger hin, dann sind sie sicher vor den Schienenfahrzeugen in der Halle.

Am Schluss des Produktionsprozesses wird es doch noch laut – das Geräusch, mit dem fertige Stäbe zum Bündeln in bewegliche Mulden poltern, Stahl auf Stahl, lässt sich nicht dämpfen. Und jedes Bündel ist tatsächlich anders, von der Stahl-Legierung über die Maße bis hin zur Vergütung? „Ja, klar“, sagt Wilhelm, als verstehe sich das von selbst – Maßschneiderei in Stahl.

Auf einen Blick
In ihre Völklinger Produktions-Anlagen hat die Saarstahl AG in den vergangenen Jahren kräftig investiert. Allein in die Modernisierung des Blasstahlwerks sind rund 166 Millionen Euro geflossen: Das teilte Uwe Schneider, bei Saarstahl für die Kommunikation zuständig, auf SZ-Nachfrage mit. 500 Millionen Euro hat das Unternehmen in die Schmiede gesteckt, davon 435 Millionen in den Neubau am Völklinger Saarufer. Für den neuen Gasometer hat Saarstahl weitere 16 Millionen Euro aufgewendet. Und für die technische Aktualisierung des Walzwerks im Nauweiler Gewann, die jetzt abgeschlossen ist, noch einmal 160 Millionen Euro. Das macht zusammen stattliche 842 Millionen Euro. Doch damit noch nicht genug – im Stahlwerk geht es weiter: Dort will Saarstahl jetzt für 144 Millionen Euro eine neue Sekundärmetallurgie einbauen, die Ende 2012, Anfang 2013 in Betrieb gehen soll. Die Gesamt-Investitionssumme in Völklingen beläuft sich dann auf 986 Millionen Euro.

Auch an anderen Saarstahl-Standorten hat es umfangreiche Modernisierungs-Investitionen gegeben, so in Burbach und Neunkirchen. Gemeinsam mit der Dillinger Hütte hat Saarstahl zudem bei den Gemeinschaftsunternehmen Roheisengesellschaft Saar (Rogesa) und Zentralkokerei Saar (ZKS) investiert. dd
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