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Völklingens OB Lorig rät, nur eine Kuppel statt Minarett zu bauen

Die Gerüchte bordeten über: Höher als der benachbarte Kirchturm werde das geplante Minarett auf der Wehrdener Moschee werden, wurde gemutmaßt. Beim Freitagsgebet wurden die Wogen geglättet.

Von SZ-Redakteur Bernhard Geber


Völklingen. Im Gebetssaal der Moschee im Völklinger Stadtteil Wehrden predigt Iman Nihat Okutan auf Deutsch über den Islam und den verbindenden Geist der Liebe und Versöhnung. Freitags um die Mittagszeit müssen viele noch arbeiten, aber dennoch sind gestern rund 250 Menschen zum Gebet in dem früheren Kinosaal an der Saarstraße gekommen. Die Moscheegemeinde hat an diesem Tag die Bevölkerung zum Kennenlernen eingeladen, und rund drei Dutzend Gäste, Bürger und Kommunalpolitiker sind der Einladung gefolgt. Nachdem der Plan, ein Minarett auf dem Gebäude zu errichten, zuvor in der Öffentlichkeit kräftig Wellen geschlagen hat.

Zunächst führen zwei junge Frauen, Elif Dedemen und Fatima Sahin,, die ansonsten in der Türkei Theologie studiert, durch die Moschee und erläutern wesentliche Dinge wie die Gebetsnische und ihre Ausrichtung auf Mekka, die Funktionen von Predigt- und Lehrkanzel. Zuvor machen Besucher die grundlegende Erfahrung, dass man vor Betreten des mit dickem Teppich ausgelegten Gebetssaales die Schuhe auszieht. Und dass der Gebets-Rufer hier auf einer kleinen Galerie im Raum sitzt.

Das ging nämlich bereits als Horrorvision in Wehrden um: ein Minarett, höher als der benachbarte Kirchtum von St. Josef, von dem aus dann bereits am frühen Morgen Gebetsrufe erschallen. Rund acht Meter hoch solle der Aufbau auf dem Dach werden und nur als Zierde dienen, bekräftigt dagegen Ünal Subasi, zweiter Vorsitzender des Trägervereins, gestern in einer Gesprächsrunde in der Teestube der Moschee. Zum Besucherkreis ist inzwischen auch Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU) gestoßen. Lorig rät den Muslimen dazu, sich noch in Geduld zu üben und „als ersten Schritt“ nur eine Kuppel aufs Dach zu bauen. Derweil diskutieren Besucher über ihre neuen Erfahrungen. „Ich war bisher noch nie in einer Moschee“, bekennt die Völklingerin Helga Weigand. „Aber es hat sich gezeigt, dass wir doch viel gemeinsam haben. Da einen Krieg um ein Minarett zu führen, finde ich wirklich unnötig.“ Moschee-Vorstand, Vertreter der Bürger-Organisation Stadtteilforum Wehrden und OB Klaus Lorig haben inzwischen in der Teestube vereinbart, dass die Gespräche um die Baupläne in kleinem Kreise weitergehen sollen, um die Fragen „Schritt für Schritt abzuarbeiten“.




Gelegenheit zum Kennenlernen


Iman Nihan Okutan predigte auf Deutsch. Ansonsten konnte man Vertreter der Moscheegemeinde fragen, was man wissen wollte. Gestern beim öffentlichen Freitagsgebet ging’s nicht nur ums Minarett.


Von SZ-Redakteur Bernhard Geber


Wehrden. Gegen Vorbehalte hilft oft ein besseres Kennenlernen. Unter diesem Leitsatz hatte die Moscheegemeinde in Wehrden gestern zum öffentlichen Freitagsgebet eingeladen. Auf die rund drei Dutzend nicht-islamischen Besucher wartete gleich eine Überraschung: Zwei redegewandte junge Frauen gestalteten die Führung: Elif Dedemen, modisch-westlich gekleidet, und Fatima Sahin, sie eher erwartungsgemäß mit langem Rock und Kopftuch. Wobei hinzuzufügen ist, dass sich die gebürtige Saarländerin derzeit in der Türkei auf eine Laufbahn als Theologin vorbereitet.

In der Moschee sind an diesem Tag (fast) alle Besucherfragen erlaubt. Zum Beispiel auch die, warum man neben den Führerinnen nahezu keine Frauen in der Moschee sehe. Die seien um diese Mittagszeit zu Hause, mit Familie und Kindern beschäftigt, heißt es zurück. Das Freitagsgebet hat seine feste Uhrzeit, und die Muslime hier zu Lande haben dann halt keinen Sonntag. Und deshalb seien auch nur relativ wenige Männer da. Wenn der Freitag auf einen christlichen Feiertag falle, kämen doppelt so viele Gläubige (gestern rund 250, dann rund 500). Was man von der Unterdrückung von Christen in islamischen Ländern halte? In einer Moschee rede man grundsätzlich nicht über Politik, aber „so etwas finden wir auf keinen Fall richtig“, sagt Ünal Subasi, zweiter Vorsitzender des Trägervereins.

Doch Anekdoten darf man schon mal präsentieren: Wie Stadtvererordneter Paul Ganster (Linke), der erzählte, wie ein junger Kurde in seiner Gegenwart auf den Anblick der Versöhnungskirche reagierte: „Ihr habt mal eine komische Religion. Da sitzt ja ein Huhn auf dem Turm!“ Eines von vielen möglichen Missverständnissen, aber der Dialog soll ja auf beiden Seiten weitergehen.

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