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Völklinger Fischzucht geht in den Testbetrieb

Völklingen. So richtig was zu sehen gibt es nur beim Biofilter. Hier sprudelt das Wasser, zigtausende weißer Bällchen wirbeln zwischen den Strudeln umher. „Zimmer frei“ könnte an den Bällchen stehen, denn hier sollen sich Bakterien ansiedeln, die später das Wasser reinigen. Ein paar Wochen muss das Wasser durch das Becken sprudeln, dann hat sich quasi aus den Bakterien der Luft der Biofilter ausgebildet.

Mit gut dreijähriger Verzögerung nimmt jetzt Schritt für Schritt die Meeresfischzuchtanlage in Völklingen ihren Betrieb auf. Eines von vier Becken ist befüllt – zurzeit nur mit 2500 Kubikmetern Süßwasser, das Salz wird erst später zugegeben. „Jetzt sind wir im technischen Test“, sagt Bert Wecker, Geschäftsführer der Firma Neomar, die die Meeresfischzucht betreibt. Erst einmal würden Pumpen und Sensoren getestet, die Abläufe angepasst. Aber schon in wenigen Wochen sollen nach und nach alle Becken gefüllt und endlich auch die ersten Fische eingesetzt werden – gut drei Jahre später als bei Projektstart 2007 geplant. Der Wolfsbarsch werde wohl den Anfang machen, sagt Wecker. Die Setzlinge sollen ebenso wie die Doraden aus Frankreich nach Völklingen kommen. Störe hatte die Fischzucht schon vor längerer Zeit geordert, sie allerdings werden wohl noch ein wenig in ihrem Zwischenquartier im sächsischen Mutzschen ausharren. „Im Dezember und Januar ist es für einen Transport wohl zu kalt“, sagt Wecker.

Fische gibt es in den enormen Betonhallen noch nicht zu sehen. Nur riesige Becken, zumeist leer, und viel faszinierende Technik. Die Meeresfischzucht ist quasi ein Salzwasser- Aquarium – nur in groß. Gigantische Trommelfilter sind dort ebenso zu bewundern wie überdimensionierte Abscheider, bei denen die Aquarium-Fans unter den Besuchern mit leuchtenden Augen stehen bleiben.

Dass das alles funktioniert – und Wecker ist fest überzeugt, dass es das tun wird – dafür sorgt auch das Forscherteam von Uwe Waller an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW). In der benachbarten Forschungshalle steht eine Meeresfischzucht in klein. Hier schwimmen in blauen Becken beeindruckend große Exemplare des Yellowtail Kingfish, der auch bald bei der Meeresfischzucht heimisch werden soll. In der Forschungshalle wird nicht nur der Ablauf der Fischzucht getestet, hier arbeiten die Wissenschaftler auch an einem geschlossenen Kreislaufsystem, bei dem die Fische aus Larven herangezogen werden können. In wenigen Jahren soll es möglich sein. die dann auch für die Fischzucht zu nutzen.

Völklingens Oberbürgermeister Klaus Lorig ist nicht nur überzeugt, dass das Konzept Meeresfischzucht funktioniert, er geht auch davon aus, dass sie nicht zu einer finanziellen Belastung für Völklingen wird: „Das wird sie definitiv nicht.“ Und doch blieb gestern eine entscheidende Frage ungeklärt: Wer nämlich die rund 650 Tonnen Fisch abnimmt, die ab Ende 2013 jährlich in Völklingen produziert werden. Jochen Dahm, Geschäftsführer der Stadtwerke-Tochter Völklinger Meeresfischzucht, bleibt hier kurzsilbig. Er sei mit Interessenten in Gesprächen, Verträge könnten aber erst geschlossen werden, wenn die Fischzucht liefern kann. Auch die Weiterverarbeitung der Fische ist noch ungeklärt. Vielleicht werde ein Betrieb angebaut, vielleicht ein Auftrag an externe Unternehmen vergeben, sagt Dahm. Doch wie sein Oberbürgermeister gibt auch er sich optimistisch, dass der wirtschaftliche Erfolg eintreten werde. Mit sieben bis acht Euro pro Kilo Fisch sei der Umsatz kalkuliert, das sei angesichts „galoppierender Fischpreise" zu erlösen. Und auch die 16 Millionen Euro, die die Fischzucht letztlich gekostet hat, seien damit zu finanzieren. Vielmehr noch: Dahm bleibt überzeugt, dass es weitere Fischzucht-Anlagen in Völklingen geben wird. Das hatte er schon 2010 angekündigt, dann aber die Investorensuche wieder gestoppt. Die solle nach der Inbetriebnahme wieder in Angriff genommen werden, sagt er.



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