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Völklinger Mythenjäger bereiten Wettbewerb rund um Sirup „Fenner Harz“ vor

Der Anfang ist gemacht: In den ersten Schaufenstern Völklinger Geschäfte stehen Dosen von „Fenner Harz“. Dazu erklärt ein Plakat die neue Aktion der Mythenjäger, eine stadtgeschichtliche Initiative der örtlichen Volkshochschule. Seit einigen Monaten spürt die engagierte Gruppe dem Mythos des zäh-klebrigen Rübensirups nach (wir berichteten), rekonstruiert historische Daten und Fakten. Weder den Fenner Hof, einen ehemaligen Landwirtschaftsbetrieb, noch die Lolly-Werke und die Storck-Gruppe gibt es noch, sie alle produzierten den preiswerten Brotaufstrich in Völklingen . Der Sirup kommt heutzutage in knallgelben Kunststoffdosen mit der Aufschrift „Grafschafter Goldsaft“ daher und wird von einer westfälischen Firma produziert.

Als in den 1970er Jahren der Umsatz hier zu Lande komplett einbrach, so berichtet das Oberhaupt der Mythenjäger, Kunsthistoriker Hendrik Kersten, betrieb das Unternehmen Ursachenforschung. Das Resultat: Exklusiv fürs Saarland gibt es seitdem den Zusatzaufkleber „Fenner Harz“. Und siehe da, die Verkaufszahlen schnellten mit dem alten Namen nach oben. Die knallfarbenen Dosen möchte Kersten mit seiner Mitstreiterin Susanne Rist an viele Adressen verteilen: „Die ganze Innenstadt soll in Gelb getaucht sein.“ Bei der Metzgerei Hachenthal stehen sie. Auch in der Poststraße sieht man die Dosen bereits bei Schuhe Agostini, bei Bücher Balzert, bei Logo-Shirt. „Klar kenne ich Fenner Harz – schon von Kind an“, sagt Inhaber Gerold Uhlig. Allerdings sei er froh, dass es den Sirup jetzt in Tuben gibt, das sei hygienischer.

In den nächsten Wochen müssen die Mythenjäger Gas geben, sagt Susanne Rist. Überzeugt werden sollen Lokale, Restaurants, Spezialgerichte anzubieten. „Fenner Harz eignet sich auch hervorragend für Soßen, aber auch für Drinks“, sagt Susanne Rist, die immer wieder Rezepte zu Hause ausprobiert. Schließlich kennt auch sie den Sirup als etwas Altvertrautes aus der Kindheit und schmiert ihn wiederum ihren vier Kindern auch aufs Butterbrot.

Auch im Globus haben die Mythenjäger bereits den Fenner Harz beworben und vorgestellt „Unsere fünf Dosen mit unserem Aufkleber waren plötzlich auch in Einkaufswagen gelandet“, schmunzelt Kersten im Nachhinein. Insgesamt 250 Dosen Rübensirup hat die Herstellerfirma kostenlos zur Verfügung gestellt, die Mythenjäger konnten sie von ihrem Projekt nach anfänglicher Skepsis überzeugen.
 

Arena aus 500 Kilo Rüben

Zeitgleich bereitet das Team die erste saarländische Meisterschaft im „Haarzschmiereesse“ unter dem Titel „Mythos Fenner Harz – Süßes vom Acker“ vor, das am Sonntag, 11. Oktober, ab 14 Uhr vor und in der Fenner Turnhalle über die Bühne geht. Das Finale, mit dem jeweils jedes Mythenjäger-Projekt endet. Die Location gegenüber dem einstigen Lollyfabrik-Gelände sei ideal, sagt Kersten. Und als 50er-Jahre-Bau passe die Halle auch zur Hoch-Zeit des Sirups.

Während der Wettbewerb auf dem Dorfgemeinschaftsplatz in der „Rüben-Arena“ (ein eingezeichneter Kreis) vor der denkmalgeschützten Turnhalle stattfinden soll, wird es in der Halle eine Ausstellung geben über die recherchierten Hintergründe, die Geschichte des Sirups. Verschiedene Verpackungen werden gezeigt. „Wir wollen auch noch andere Rüben-Sirupe vorstellen“, sagt Susanne Rist, „aus dem Rheinland, aus Ostdeutschland, und wenn es klappt, aus den Niederlanden.“ Der Sirup soll dann aus „Harz-Pumpen“ (Schokobrunnen) fließen. Dass man als Mythenjäger „schon ein bisschen verrückt sein muss“, wie Susanne Rist sagt, beweist der schier grenzenlose Zeit- und Kraftaufwand, den die Truppe betreibt. Auch fürs Finale: Eine halbe Tonne Zuckerrüben holt das Team per Anhänger im 350 Kilometer entfernten Meckenheim bei den „Grafschaftern“ ab, um daraus die Ummantelung für die „Rübenarena“ zu bauen. Alles Material, dazu gehört auch die Ausbeute der drei Stammtische mit Zeitzeugen zum Thema Fenner Harz, findet Niederschlag in einem Booklet – wie zu jedem Mythos, dessen sich die Mythenjäger seit 2011 annehmen. Das Booklet wird auch ab 11. Oktober angeboten. „Es wird sogar Rezepte darin geben“, verrät Susanne Rist.

Vielleicht können Mix-Experten dann auch den Cocktail nachlesen ist, den die Mythenjägerin exklusiv zu Hause ausprobieren will – auf der Basis von Kümmelschnaps unter Zugabe von Fenner Harz. Boah!
 

 

Zum Thema:

Hintergrund So funktioniert die erste saarländische Meisterschaft im „Harzschmiereesse“: Jeweils zwei Mannschaften mit je vier Teilnehmern sollen gegeneinander antreten. Jeder muss möglichst schnell seine Brotscheibe mit portionierter Butter und Fenner Harz beschmieren, das Brot aufessen. Dann erst darf er das Messer mit dem Ruf „Fenner Harz“ wie einen Staffelstab an seinen Nachbarn weiter reichen. 20 Mannschaften fände Susanne Rist ideal, „sieben oder acht haben bereits zugesagt, wie das Verkäuferinnen-Team von der Bäckerei Speicher", meint sie. Die Bäckerei backt übrigens auch das spezielle Brot für den Wettbewerb, „ein dunkles, kräftiges, leckeres Brot aus Roggen, Schrot und Weizen mit Anteilen von Fenner Harz“, erklärt Susanne Rist. Anmelden können sich Mitarbeiter aus Firmen oder auch Privatleute über ein Formular, das bei der Volkshochschule ausliegt. af mythen-jaeger.de.

 

Zum Thema:

Die bisherigen Projekte der Mythenjäger waren: Historische Kinonacht „100 Jahre Völklinger Filmtheater“ (2011), „Mythos Schichtwechsel. Aufstieg und Fall des Völklinger Kneipenquartiers“ (2012), „Mythos Gründerzeit/Carl (Röchling) der Kühne“ (2013), „Mythos Dampfwagen“ (2014). red
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