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Völklinger ist nun hoch angesehener Weinkenner

Der „Master of Wine“ ist einer der höchsten Titel der Weinbranche. Frank Roeder, Weinhändler aus Völklingen, hat die Ausbildung als dritter Deutscher geschafft – neben seinem Haupt-Job als Lufthansa-Pilot.

Von SZ-Redakteurin Cathrin Elss-Seringhaus


Völklingen. „Einen Kaffee?“ – diese Begrüßungsfrage, in den Probier-Räumen einer Weinfirma, klingt durchaus kurios. Aber Frank Roeder (51) ist nur konsequent: „Wein trinke ich ausschließlich zum Essen.“ Ansonsten spuckt er ihn aus. Kein Tropfen läuft die Kehle runter, wenn Roeder zusammen mit seinem Geschäftspartner Christian Löw bis zu 100 Weine am Tag verkostet, in Völklingen, blind. Rund 3000 sind es pro Jahr. Eine Zahl, die andere schwindlig, ihn stolz macht. Weil Roeder die „Verkostungsintensität“ als Besonderheit seiner Firma sieht: Verkauft wird nur das, was die Zwei-Zungen-Probe übersteht. Selbst Folge-Jahrgänge von Verkaufsklassikern werden nicht einfach beim Stamm-Winzer bestellt. Solch ein Verfahren sei die Ausnahme, meint Roeder. Nicht erst seit seiner Master-of-Wine-Ausbildung irritiert ihn das „erschreckend niedrige Kompetenzniveau“ seiner rund 5000 Händlerkollegen in Deutschland: „Jeder, der mit einem Kofferraum voller Wein aus dem Urlaub nach Hause kommt, darf sich so nennen.“

Roeder selbst darf mehr als das. Er trägt seit September 2009 – wie nur 280 Menschen weltweit – das begehrte „MW“ hinter seinem Namen, eine Art Experten-Adelstitel: „Das hat mich fünf Jahre lang mehr Kraft gekostet als der Aufbau der Firma“, sagt er. Büffeln, bei den Kunden präsent bleiben und die Vaterrolle ausfüllen – Roeder hat zwei indische Adoptivkinder im Teenie-Alter. und die Vaterrolle ausfüllen. Roeder hat zwei indische Adoptivkinder im Teenie-Alter. Die Pilotenausbildung bot ihm für all das ein Top-Training: „Man lernt Disziplin, bei komplexen Problemstellungen einen klaren Kopf zu behalten und Prioritäten richtig zu setzen.“ Seit 1984 fliegt Roeder für Lufthansa, mittlerweile Langstrecke, von Seattle bis Sao Paolo, von Tokio bis Kapstadt. Noch länger, seit 1977, ist er Wein-Fan. Beim zukünftigen Schwiegervater, der sonntags Elsässer ausschenkte, holte er sich den Wein-Virus. Das Weingut Wittmann, das er dort kennen lernte, findet sich bis heute im Programm.

„Hilf mir mal. Welcher Wein passt wozu?“ – mit dieser harmlosen Bitte einer Bekannten, die 1990 den Käsehandel Frovin gründen wollte, entwickelte sich das Hobby zum Zweit-Beruf. Damals stellte Roeder fest, wie wenig verbraucherorientiert die Branche agierte. Dass es nur simple Preis-Listen oder Koch-Bildbände gab, jedoch keine Zusammenführung des Themas. Frovin kam nicht ins Laufen, aber VIF (Vins italiens et français) ging an den Start. Denn Roeder hatte sich bereits so reingefräst ins Thema, dass er die Idee nicht mehr los wurde: „Ich gründe einen Handel aus der Sicht des Konsumenten.“ Das war zu einem Zeitpunkt, da für ihn, den Piloten, ein zweites Standbein wichtig schien, weil Lufthansa durch die Kuwait-Krise am seidenen Faden hing.

Schon damals verfügte Roeder über eine solide Wissensgrundlage, dank ritueller Entdecker-Touren in die Weinbau-Regionen Frankreichs. Sechs Freunde charterten ein Wohnmobil – eine Weinfahrt, die ist lustig. Doch wer ihm zuhört, ahnt: Wein als Spaßfaktor, das wäre einem wie ihm zu banal. Roeder begeistert bis heute, wie sehr Wein den Erfahrungshunger und den Wissensdurst anstachelt. „Ich bin ungeheuer neugierig. Ich probiere alles, überall auf der Welt.“ Selbst vor einem chinesischen „Great Wall Riesling“ schreckt er nicht zurück. Mitte der 80er testete er „Kanakenweine“ – Italiener. Heute verfügt er in seinem privaten Weinkeller über eine lückenlose Sammlung der vergangenen 30 Sassicaia-Jahrgänge. Flaschen zum Anbeten? „Haben Sie schon mal einen Hund mit einer Wurstsammlung gesehen?“ Roeder ist Genussmensch, kein Markenfetischist. Die „Punkte-Hörigkeit“ und „Berühmte-Namen-Fixierung“ mancher Kunden, auch vieler Sommeliers, hält Roeder für „Mumpitz“: „Wenn der Wein zum Spekulationsobjekt wird, spiele ich nicht mit.“

Roeder geht’s um Lebensqualität, um Konsumenten-Nähe. Heute Für ihn bedeutet Wein Dank exakter Dienstpläne und einer Teilzeit-Regelung schafft er sein Arbeitspensum. Nachts, in den Hotels, wirft er den Laptop an, bastelt am Internet-Auftritt der Firma und managt das Franchise-Geschäft. Als wäre genug nicht genug, hat er sich dann auch noch den Master of Wine vorgenommen. Drei Jahre lang lagen bei ihm, dem Literatur-Fan, nur noch Fachbücher auf dem Nachtisch. Mit Snobismus hat das nichts zu tun, auch nicht mit einer Profilneurose: „Ziel war nicht, den Titel zu bekommen. Ich machte mir keine Hoffnungen, weil von 100 Absolventen nur etwa acht durchkommen.“ Doch „Stillstand ist Rückschritt“ lautet ein Lebensmotto. Vor den „Master of Wine“ hatte Roeder bereits 2003 ein Diplom der Geisenheimer Önologie-Schmiede geschaltet. Doch erst das „MW“ hinter dem Namen wirkt jetzt als magischer Türöffner. Fast täglich gingen Einladungen oder Job-Angebote ein, berichtet Roeder, von Tourismus-Verbänden und Fachmagazinen. Er sei „in der glücklichen Lage, absagen zu können“, greift aber auch zu. Demnächst kann er als Gast des argentinischen Weinverbandes zehn Tage lang auf Rundreise gehen, um die 500 besten Weine des Landes zu verkosten. Ein gefährlicher Job: Junge Tannine sind besonders aggressiv. Die Zähne werden schwarz, die Schleimhäute reagieren hektisch. Wein, ein Schmerzfaktor? Rieslingproben tun richtig weh, erfährt man. Die Säure ruiniert den Zahnschmelz: „Das Schlimmste ist dann Zähneputzen. Nur Wassertrinken hilft.“

Warum lebt ein polyglotter Geschäftsmann in Völklingen? Diese Frage versteht einer wie Roeder nicht wirklich. Er stammt aus Geislautern, seine Frau aus Nassweiler, sie studierten zusammen in Mainz, heirateten 1981: „Das gesamte soziale Umfeld lebt hier.“ Wein braucht nun mal Terroir, der Händler eine Heimat.


Hintergrund


Das Institute of Masters of Wine (IMW, London) ist eine kostenpflichtige Bildungsstätte. Die Ausbildung umfasst Weinanbau, Keltertechnik, Unternehmensführung, Qualitätskontrolle, Marketing. Auch gesellschaftliche Aspekte werden vermittelt: Wein und Gesundheit; Wein und Klima.

VIF Weinhandel: Neben der Zentrale in Völklingen gibt es zurzeit sieben Franchise-Partner. VIF berät Gastronomen, schult Servicekräfte, veranstaltet Probierabende: Kreppstraße 6, 66333 Völklingen, Tel.: (0.68.98).270.70; www.vif.de ce

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