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Volle Straßen, halb leere Parkhäuser: Verkehrsentwicklungsplan sammelt Gegenmaßnahmen

Offizielle Parkplätze wie hier am Eurobahnhof sind oft halb leer. Dafür sind die Straßen in der Innenstadt zugeparkt. Archivfoto: Oliver Dietze</p>

Offizielle Parkplätze wie hier am Eurobahnhof sind oft halb leer. Dafür sind die Straßen in der Innenstadt zugeparkt. Archivfoto: Oliver Dietze

Das Auto im Saarbrücker Straßenraum abzustellen ist eher zu billig, die Parkhäuser dagegen, vor allem die von Q-Park, sollten nicht so teuer sein. Das ist eine der Kernaussagen des Verkehrsentwicklungsplanes (VEP) der Landeshauptstadt – und Hauptansatzpunkt der geplanten Parkraumstrategie, die mit höchster Priorität in Angriff genommen werden soll. Der so genannte Parkdruck vor den billigen Plätzen im Straßenraum soll umgeleitet werden.

Von folgenden Zahlen geht der VEP aus: Mehr als die Hälfte der öffentlichen Stellplätze in der Innenstadt befindet sich in Parkhäusern und auf größeren Parkplätzen, nämlich 8800 von 15 500. Im Gegensatz zu den Stellplätzen an den Straßen sind die Parkbauten nach Beobachtung der Planer wenig ausgelastet. Die durchschnittliche Höchstbelegungsquote wurde mit 52 Prozent an Donnerstagen und 55 Prozent an Samstagen festgestellt. Abends, wenn die Straßenraumstellplätze besonders hoch ausgelastet sind, stünden sogar über 5000 Stellplätze in den Parkhäusern zur Verfügung.

Der Verkehrsentwicklungsplan kommt zu folgender Einschätzung: „Das Kernproblem besteht in den im Vergleich zum Straßenraumparken höheren Parkgebühren in den Parkbauten. Diese sind zwar im Städtevergleich für ein Oberzentrum eher im durchschnittlichen Bereich, während allerdings die Gebühren im Straßenraum eher niedrig sind ... Der Parkdruck bündelt sich somit aufgrund der höheren Parkgebühren in den Parkhäusern eher im Straßenraum. Dies führt letztendlich zu Parksuchverkehr und zum Gefühl einer zugeparkten Stadt.“ Nach Ansicht der Experten ist die Zahl der Falschparker-Kontrollen, mit denen die Situation geändert werden könnte, „immer noch zu gering“.

Man möchte nun als „essenzielle Maßnahme“ zu ausgeglichenen Parkgebühren zwischen den Parkbauten aller Betreiber (auch der Kaufhäuser) einerseits und dem öffentlichen Straßenraum andererseits kommen. Straßenraum soll vorwiegend dem Kurzzeitparken dienen; hier soll das Parken nicht günstiger sein als in Parkbauten; die Gebühren möchte man bevorzugt schrittweise erhöhen. In den Parkbauten will man sie dagegen verringern oder zumindest einfrieren. Da kein direkter Einfluss möglich ist, soll dies auf Verhandlungsbasis geschehen. Die Planer sind also auf Unterstützung aller Bewirtschafter angewiesen. Der VEP sieht als begleitende Maßnahme die „Erweiterung der Kontrollintensitäten“ vor. Sprich: Es sollen mehr Falschparker mit Strafe rechnen müssen.

Als erhaltenswert gilt das Bewohnerparken, das man gar bis 22 Uhr (statt 20) ausweiten möchte. Auch hier soll der Kontrolldruck durch das Ordnungsamt verstärkt werden, damit keine Anreize mehr bestehen, die Bewohnerparkplätze unbefugt zu benutzen. Besonderes Augenmerk wird den Berufspendlern und ihrem hohen Parkplatzbedarf gewidmet. In erster Priorität sollen möglichst viele Wege auf Bus, Bahn und Rad/Fuß verlagert und Mitfahrangebote attraktiv gemacht werden. Wer dennoch mit dem Wagen kommt, soll „stadtverträglich“ parken, möglichst in Parkhäusern.

Vorschläge aus der Politik, mehr „bezahlbare“ Parkplätze neu zu schaffen, finden im Verkehrsentwicklungsplan keinen Nachhall. Wünschenswert sei eher, „schrittweise die Zahl von Stellplätzen im öffentlichen Raum zu reduzieren, um die Flächen für andere Verkehrsarten oder als Aufenthaltsflächen umzuwidmen (Erhöhung der Straßenraum- und Lebensqualität in Saarbrücken )“. . Die Parkraumerhebungen der Verkehrsplaner in der Saarbrücker City haben ergeben, „dass trotz eines erhöhten Kontrollaufwandes noch ein hoher Anteil der Kfz-Führer falsch parkt“. Dies könnte ihrer Vermutung nach auf einen jahrelangen „Gewohnheitseffekt“ zurückzuführen sein: den Autofahrern mangele es teilweise an Unrechtsbewusstsein und Sensibilität für die Behinderungen und Gefährdungen für Fußgänger und Radfahrer. Um nun den Parkdruck, wie gewünscht, von den Straßen in die Parkhäuser zu verlagern, gilt eine noch konsequentere Ahndung des Falschparkens als unabdingbar.

Außer mit Druck möchte man aber auch mit Information arbeiten: Es soll ein Bewusstsein für richtiges Parken geschaffen werden. Folgende „Bausteine“ sieht der Verkehrsentwicklungsplan vor: Bedarfsgerechte Ausweitung der regelmäßigen Kontrollen in den Bewirtschaftungszonen, eventuell Einstellung von weiterem Kontrollpersonal, Rückübertragung des Bußgeldverfahrens auf die Landeshauptstadt, sowie konsequentes Abschleppen von Falschparkern, die andere Verkehrsteilnehmer behindern oder gefährden. Des Weiteren die Erweiterung der Saarbrücken-App zum Melden von Behinderungen, Gefährdungen oder sonstigen Problemen im Straßenverkehr (unter anderem auch anonymisierte Meldemöglichkeit von Falschparkern) und das Angebot einer Internetplattform sowie die Erweiterung der Saarbrücken-App um Informationen zum Parken, insbesondere zur Auslastung der Parkhäuser und Parkplätze . Vorgeschlagen sind auch Schwerpunkt-Aktionen des Ordnungspersonals, Öffentlichkeitskampagnen zur Bewusstseinsbildung der Autofahrer, Poller gegen Falschparker, die von Rettungsdiensten entfernt werden können, Multifunktionale Elemente (Sitzwürfel, Bänke, Spielgeräte), Fahrradstellplätze in Eckbereichen von Kreuzungen als Sperre gegen Falschparker.

Auch die Einrichtung einer Arbeitsgemeinschaft mit Q-Park sowie den anderen privaten Parkhausbetreibern ist vorgesehen, um die Parkraumstrategie zu vermitteln und in Kooperation umzusetzen. Darüber hinaus soll ein Parkraumbeirat gegründet werden, um die politische Akzeptanz von Maßnahmen mit Bezug zum Parken zu fördern und die Parkraumstrategie öffentlich zu kommunizieren. Der Verkehrsentwicklungsplan listet eine Reihe von Maßnahmen auf, mit denen das Parken in den Parkhäusern attraktiver gemacht werden könnte: Parkleitsysteme, 2,5 Meter breite Stellflächen für die Autos, breite Fahrwege, angenehme Beleuchtung und ein Wach- und Servicedienst. Darüber hinaus möglichst offene Gestaltung, außen liegende Treppenanlagen, Verlängerung der Öffnungszeiten bis 24 Uhr für die zentralen Parkhäuser und eine grundsätzliche 24-Stunden-Ausfahrtmöglichkeit aus allen Parkhäusern. Auch angeregt wird: minutengenaue Abrechnung der Parkzeit, mehrsprachiges Kassiersystem mit Akzeptanz von bargeldloser Bezahlung, Shopping-Karten in Kooperation mit dem Handel, Kombination des Parktickets mit einem ÖPNV-Fahrschein als Anreiz zur Nutzung der Parkbauten.

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