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Vom Lehrerpult in den Friseursalon

Auf der Berliner Promenade in Saarbrücken kommt sie angeradelt – die Sankt Wendelerin Meike Frei, 37 Jahre alt, Latzhose, gestreifter Pullover, kurzes Haar, frisch vom Friseur. Sie hat ein Buch über ihr Leben geschrieben, erschienen im Blanvalet Verlag. Ein Verlag, der große Namen wie George R.R. Martin oder Charlotte Link führt. Aber wieso erzählt eine 37-Jährige schon jetzt ihre Lebensgeschichte? Ganz einfach: Sie schulte um. Von der Lehrerin zur Friseurin. Und das ist ungewöhnlich, oder wie sie sagt: „Mein Weg war schon ein bisschen krumm.“

 

Aber zurück zum Anfang. Als Jugendliche wollte Meike Frei professionelle Mehrkämpferin werden. Ihre Gesundheit spielte aber nicht mit, und sie musste ihren Traum aufgeben. Danach war sie „komplett orientierungslos“, wie sie sagt. Sie startete Versuche in diversen Jobs: Banklehre, Pferdepflege, Textil-Verkäuferin in einer Designer-Boutique. Dass Letzteres überhaupt nicht ihrem Wesen entspricht, wird klar, wenn sie von den „Tussis“ in dem Geschäft spricht. Lieber fährt sie mit dem Wohnwagen quer durch Europa, der Sonne entgegen, und lässt Drachen fliegen.

 

Schließlich wird sie Lehrerin. Sie bewundert die Begeisterungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen und deren Neugier auf die Welt. Sie will mit ihnen zusammen lernen. Doch die Arbeit als Lehrerin empfindet sie zeitweise als zermürbenden Kraftakt. Und so kommt es, dass die Höhen und Tiefen des Lehreralltags einer einzige Talfahrt gleichen. Als ihre Schüler eines Tages einen Berufsberatungstest der Arbeitsagentur ausfüllen, macht sie kurzerhand mit. Ergebnis: Friseurin. Und das passt tatsächlich. „Seit ich klein bin, habe ich immer alles mit meinen Haaren ausprobiert, und ich fand den Beruf schon immer toll“, sagt sie.

 

Fest den Entschluss gefasst, lässt sie sich beurlauben und sucht schließlich ein Praktikum im Friseursalon. Als überqualifizierte Lehrerin gar nicht so einfach. Trotzdem gelingt es ihr, und sie tritt ein dreiwöchiges Praktikum an als „Mädchen für alles“: Handtücher zusammenfalten, Folien für Strähnchen vorbereiten, Haare waschen und auffegen. Alles total anders als in der Schule. Dabei fällt ihr auf, dass Friseure glückliche Menschen zu sein scheinen. Anders als in der Schule schimpfen die nämlich selten über ihren Job. Obwohl sie von morgens bis abends im Salon stehen. Diese Zufriedenheit hat Meike Frei beeindruckt. „Die äußeren Rahmenbedingungen im Friseurberuf sind aber sehr schlecht, gelinde gesagt.“ Kein Geld, keine Zeit, aber viel Arbeit. Freis Privatleben leidet, so wie ihr Körper, trotz „superhässlicher Gesundheitstreter“.

 

Ihr Fazit nach ein paar Monaten im Salon: „Jede Medaille hat zwei Seiten.“ Gutbezahlte Lehrer ernten selten Anerkennung für ihre Arbeit, anders Friseure . Aber die kriegen wenig Geld für ihre Leistung. Ihre Zukunft sieht Meike Frei nicht im Salon. Sie probiert sich nämlich wieder an etwas Neuem – Schriftstellerin. Nach der Beurlaubung steht nächstes Jahr die große Entscheidung bevor, ob sie wieder an der Schule arbeiten möchte. Bis dahin hat sie noch Zeit, sich ihrem neuesten Projekt zu widmen: einem Jugendkrimi. Ihr erstes Buch „Fuck the Föhnfrisur“ ist bereits erschienen. Es erzählt genau die Geschichte: von der Lehrerin zur Friseurin. Mit Humor und einer Portion Selbstironie. „Ich glaube, es musste so laufen“, sagt sie lachend. Was sie mit dem Buch erreichen will? Zeigen, dass Leute mit gutbezahlten Jobs nicht immer die glücklichsten sind. „Und dass Menschen über das Buch lachen können“, so wie sie es gerade tut.

 

Meike Frei: Fuck the Föhnfrisur – Eine Lehrerin schult um, Verlag Blanvalet, 416 Seiten, 9,99 Euro

 

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