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Vom „Pilgern ins Stadion“ und „heiligem Rasen“

Dirk Baltes bewirbt seine Facebookseite auf seinem Trikot. Foto: BIP

Dirk Baltes bewirbt seine Facebookseite auf seinem Trikot. Foto: BIP

Menschen, die zu Fußballtempeln „pilgern“, die Stücke vom „heiligen Rasen“ wie Reliquien im Hausaltar aufbewahren, wahlweise die „Hand Gottes“ oder ihre Fußballgötter geradezu anbeten, nachdem Jahrzehnte alten Motto: „An Gott kommt niemand vorbei – außer Stan Libuda“, heute wahlweise Messi, Ronaldo, Müller ... „Ja, es ist schon eine Form von Heiligenverehrung“, sagt Dirk Baltes. Den Saarbrücker Pastoralreferenten und Berufsschullehrer treiben schon lange die religiösen Züge des Fußballs um.

 

Seit seinem dritten Lebensjahr hat er gegen alles getreten, was rund war, erzählt der heute 42-Jährige. Womöglich hätte ihm sogar eine Fußballkarriere offen gestanden. Jedenfalls waren Clubs auf den Hobbykicker aufmerksam geworden. Er zog aber den Spaß an seinem geliebten Fußball einem Vereinsstress vor. Dem Fußball aber ist er auch in seinem Beruf als Pastoralreferent treu geblieben. Mehr noch: Er hat Fußballwallfahrten organisiert, um mit anderen zusammen die Spannungsfelder zwischen Fußballtempeln und Gotteshäusern zu erleben.

 

Für den wahren Fußballfan gehe es beim „Spiel“ eben nicht nur um Fußball. „Es geht um das ganze Leben“, sagt Baltes. Von der großen Freude beim Sieg bis zur Trauerarbeit beim Abstieg. Irgendwie ist ja „Gott mit auf dem Feld, bis zum Schlusspfiff“. „Das, was im Stadion während eines Spiels abläuft, ist von A bis Z ein Gottesdienst nach festen Ritualen“, beobachtet der Theologe. Und wenn er die Fans mit ihren Fahnen sieht, komme ihm der Gedanke: „Die müssten eigentlich auch an Fronleichnam ihre Freude haben“.

 

Baltes geht es aber um mehr als diese Äußerlichkeiten. Dass Spieler sich vor dem Spiel bekreuzigen, ein Gebet sprechen, dahinter stehe in der Regel mehr als bloß eine Inszenierung. „Das ist so was wie zurückgeworfen sein auf sich selbst“, vermutet Baltes und ergänzt mit Blick auf die Gehälter der Fußballstars: „Geld kann nicht alle Antworten geben.“ Und warum gibt es Kapellen in vielen Großarenen? Die seien nicht irgendwo klammheimlich in einem hinteren Stadionwinkel eingeplant, betont Baltes. Er erinnert an das erste Spiel auf Schalke nach dem Tod von Hannovers Nationaltorwart Robert Enke . Damals sind die Spieler beider Mannschaften zuerst in die Kapelle gegangen. Für ihn ein eindrucksvolles Beispiel, dass es eben doch noch etwas gibt, „was der Fußball nicht abdecken kann mit all dem Glamour und Geld“. Und vielleicht ist das auch der Grund, warum ausgerechnet der Song „You'll never walk alone“ aus den Stadien nicht mehr wegzudenken ist. Für Baltes ein Ausdruck tiefer Sehnsucht, weit über das „Spiel“ hinaus: „Mehr Theologie geht gar nicht“.

 

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